Zwei lange Unterhosen der Marke Hering [Rezension]

26 Sep

Autor: Ariel Magnus
Titel: Zwei lange Unterhosen der Marke Hering
Seitenzahl: 176
ISBN: 978-3-462-04460-7
Verlag: KiWi Kiepenheuer & Witsch

 

 

Zum Inhalt:

Ariel Magnus möchte mehr über die Vergangenheit seiner Oma Emma erfahren. Sie ist Jüdin und hat den Holocaust überlebt. Zu diesem Zweck führt er in Brasilien, wo die alte Dame eine neue Heimat gefunden hat, ein langes Gespräch mit ihr.

Aber man erfährt nicht nur etwas über die Vergangenheit der Oma. Abwechselnd zum Interview in Brasilien wird ein Besuch der Oma bei ihrem Enkel in Berlin beschrieben. Dabei geht es nicht mehr nur um die Vergangenheit der Oma. Es geht eher darum, wie der Autor seine Oma sieht, wie seine Beziehung zu ihr ist.

Meine Meinung:

Nach dem Lesen blieb ich zuerst etwas enttäuscht zurück. Ich hatte etwas anderes erwartet. Eigentlich bin ich davon ausgegangen, dass dieses Buch die Geschichte der Oma beinhalten würde, wie sie ihrer blinden Mutter freiwillig ins KZ folgte, wie ihr Leben in eben diesem war und wie es ihr gelang zu überleben.

All das kommt natürlich in dem Buch vor, aber nur im Rahmen der übrigen Erzählungen während des Interviews. Der Fokus des Buches liegt nicht auf diesem speziellen Teil ihres Lebens – er liegt auf ihrem Leben als solches und auf der Beziehung des Enkels zu seiner Oma.

Ich finde es gut gelungen, dass der Autor das Interview so niedergeschrieben hat, wie es tatsächlich stattgefunden hat. Auch wenn dieser Schreibstil dazu führte, dass die Erzählungen der Oma im Rahmen des Interviews aus dem Jahre 2002 für mich teilweise recht verwirrend zu lesen waren. Denn die Oma erzählt ihre Geschichte so, wie es ihr in den Sinn kommt, ohne Rücksicht auf Daten, Orte und Personen. Beruhigenderweise war es nicht nur für mich als Leserin stellenweise verwirrend, auch der Autor und Enkel hatte hier und da so seine Probleme ihr zu folgen.

Der Besuch der Oma in Berlin im Jahre 2004, war sehr schön zu lesen. Der Autor beschreibt seine Oma sehr detailliert und liebevoll. Auch wenn er die eine oder andere „schrullige“ Eigenschaft seiner Oma als sehr nervend empfindet und ihr Verhalten in manchen Situationen auch nicht immer nachvollziehen kann, wird doch recht schnell klar, dass er sie lieb hat und große Achtung bzw. Respekt für sie empfindet.

Respekt und Achtung habe ich während des Lesens auch für diese bemerkenswerte Frau entwickelt. Sie blickt nicht verbittert auf das zurück, was war. Sie akzeptiert die Geschehnisse von damals als Teil ihres Lebens. „Die Täter sind alle weg. Ihr könnt vergeben. Vergeben ja, vergessen nicht, verstehst du?“

Abschließend stehe ich dem Buch nun relativ neutral gegenüber. Es war zwar nicht die Geschichte, die ich erwartet hatte, dennoch kann und will ich keine Kritik daran üben. Wie könnte ich auch?! Es ist ihre Geschichte – sie ist wahr.

SaFi

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