Geheime Tochter [Rezension]

20 Jan

Geheime Tochter

Autor: Shilpi Somaya Gowda
Titel: Geheime Tochter
Seitenzahl:
448
ISBN: 978-3-462-04445-4
Verlag:
Kiepenheuer & Witsch (KiWi)

Zum Inhalt:

Zwei Länder, zwei Ehepaare, ein Kind.

In einem indischen Dorf bringt Kavita ein Mädchen zur Welt. In San Francisco erfährt Somer, dass sie keine Kinder bekommen kann.

Und obwohl diese beiden Frauen ihre Leben auf verschiedenen Kontinenten leben, verbindet sie doch eines: das Mädchen, das Kavita zur Welt brachte, und das nun von Somer und ihrem Mann adoptiert wird…

Meine Meinung:

Wo fange ich jetzt am besten an, wenn ich dieses zutiefst emotionale, total ergreifende und sehr zu Herzen gehende Buch beschreiben will? Ich lasse meinen Gedanken einfach mal freien Lauf…

Den größten Gefallen hat mir die Autorin damit getan, dass sie das Buch nicht bloß aus der Sicht von Kavita und Somer geschrieben hat. Jeder Beteiligte bekommt in dieser Geschichte die Chance seine Gedanken, Gefühle, Hoffnungen und Ängste mitzuteilen. Kavita und Somer gehört zwar der Großteil des Buches, aber diese gelegentlichen Perspektivwechsel verleihen dem Buch eine besondere Note. Dass auf etwas mehr als 400 Seiten nicht jeder der 5 Hauptakteure bis in die letzten Charakterzüge detailliert beschrieben wurde, war für mich nicht problematisch. Ich konnte mir dennoch ein ziemlich klares Bild von ihnen machen, da vieles zwischen den Zeilen geschrieben stand.

„Eine plötzliche Angst packt sie, dieselbe erstickende Angst, die sie die ganze Schwangerschaft hindurch gespürt hat. Was wird passieren, wenn sich alle täuschen? In ihrem zweiten Gebet, das verzweifelter ist als das erste, fleht sie darum, dass sie nicht wieder ein Mädchen zur Welt bringt. Denn das kann sie nicht noch einmal ertragen.“ (Seite 12)

Ebenfalls sehr gut gefallen hat mir die lange Zeitspanne, über die sich das Buch erstreckt. Es ist nicht damit getan, dass beschrieben wird, wie wann und warum es zu der Adoption kommt. Insgesamt habe ich Kavita, Jasu, Somer, Kris und Asha 25 Jahre lang begleiten dürfen. Ich erlebte mit ihnen Höhen, Tiefen, Liebe, Streit und vieles anderes. Und so manches Mal war ich doch sehr erstaunt, dass sich zwischendurch alles völlig anders entwickelte, als ich es angenommen hätte.

„Seit Monaten redet Kris nun schon von Adoption, und sie hält ihn die ganze Zeit hin. Sie weiß, sie muss darüber nachdenken, aber es fällt ihr schwer, den Gedanken an ein eigenes Kind aufzugeben: ein Kind im Bauch haben, gebären, stillen, sich selbst im eigenen Kind gespiegelt sehen. Wie kann ich das alles aufgeben? Für Kris ist es leichter. Er ist nicht derjenige, der versagt hat.“ (Seite 51)

Das Buch ist flüssig zu lesen, die Sprache ist emotional und sehr bildhaft – gerade dann, wenn es um Indien mit seinen verschiedenen Seiten und die besonderen Traditionen, Sitten und Eigenheiten dieses Landes geht. Sehr schön fand ich zudem, dass gewisse indische Begriffe nicht übersetzt wurden und somit ein gewisser Charme beibehalten wurde, der in der Übersetzung sonst eventuell verloren gegangen wäre. Im Glossar kann man die Bedeutung nachlesen.

Ich konnte nicht verhindern, dass mir während des Lesens – aus den unterschiedlichsten Gründen – die eine oder andere Träne über die Wangen lief. Shilpi Somaya Gowda hat eine tolle Geschichte über zwei Familien geschrieben, die mich sehr berührt hat.

5 Herzen

SaFi

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