Meine fremde Tochter {Rezension}

28 Jan

Lina May - Meine fremde Tochter_1

Autor: Lina May
Titel: Meine fremde Tochter
Seitenzahl:
200
ISBN: 978-3-451-30639-6
Verlag:
Herder Verlag

Zum Inhalt:

Nach mehreren erfolglosen Versuchen mit künstlicher Befruchtung entschließen sich Lina und Simon dazu, ein Kind zu adoptieren. Alles geht erstaunlicherweise sehr schnell von Statten. Ihre neue Tochter heißt Subaia, ist 3 Jahre alt und hat bisher scheinbar alles Schreckliche dieser Welt erlebt in ihren jungen Jahren. Sie wurde misshandelt, geschlagen, allein gelassen.
Das Leben mit ihr ist nicht einfach und Lina und Simon sehen sich oft mit ihren Verhaltensauffälligkeiten und Problemen konfrontiert. Zum Beispiel verletzt sich sie selbst; sie schlägt andere Kinder und Erwachsene, die sich ihr gegenüber abweisend verhalten; usw. Doch Lina und Simon versuchen alle möglichen Förderungsmaßnahmen, um ihrer Tochter vom ersten Tag an ein besseres Leben zu ermöglichen.

„Seit sie nicht mehr im Heim auf die kleinen Kindertoiletten gehen konnte, hatte Subaia auf einmal furchtbare Angst vor dem Gang aufs Klo. Sie weinte und zitterte am ganzen Körper, wenn wir versuchten, sie auf die Brille zu setzen. Auch ein Kindersitz und ein kleiner Hocker konnte keine Abhilfe schaffen. Auf unser gutes Zureden hin schrie sie oft: >>Die Babymama hat mich mit dem Kopf ins Klo geschubst, gehauen und dann abgespült!<<“ (Seite 92/93)

Lina May - Meine fremde Tochter_2

Meine Meinung:

Dieses Buch ist sehr berührend und stark! Die Autorin, die sich aus Schutzgründen hinter dem Pseudonym Lina May verbirgt, erzählt schonungslos, offen und ehrlich wie ihr Leben mit ihrer „fremden“ Tochter abläuft. Tag für Tag gibt es Licht und Schatten. Wenn man als Leser erfährt, was diesem kleinen Kind in seinen jungen Jahren alles widerfahren ist, muss man erstmal schlucken. Sowas kann man sich kaum vorstellen. Und es kann einen auch nicht kalt lassen. Wieder und wieder habe ich mich auch gefragt, was in Subaias „richtiger“ Mutter wohl vorgegangen sein muss, dass sie ihr Kind auf diese grausame Weise „erzogen“ hat. Wobei das Wort erzogen hier völlig fehl am Platze ist.

„Die Liste ist drei DIN A4 Seiten lang. Es sind 33 Verletzungen an der Zahl. >>Neben zahlreichen Blutergüssen an Kopf, Rumpf, Armen und Beinen als Folge stumpfer Gewalteinwirkung waren massive Schwellungen im Gesicht und am Hinterkopf festzustellen. Zu diesem Zeitpunkt ließ es sich noch nicht sagen, inwieweit auch Schäden am Gehirn vorlagen. Außerdem hatte das Kind Bisswunden. Die Unter- und Oberlippe war monströs geschwollen. Im mittleren Bereich wirkte die Lippe wie gespalten.<<“ (Seite 138)

Man leidet mit Subaia und ihren Adoptiveltern. Wie schwierig es ist, ein solch verhaltensauffälliges Kind in die Gesellschaft zu integrieren. Die ganzen Behörden-, Arzt- und Schulgänge. Kindergartenwechsel. Schulwechsel. Lehrer und andere Pädagogen, die sich der Entwicklung des Kindes in den Weg stellen. Komplizierte Gesetze, in die man sich als Eltern einlesen und in denen man sich zurecht finden muss. Dass all das schließlich auch auf die Ehe auswirkt muss man mit Sicherheit nicht extra betonen.

Die Geschichte ist allerdings nicht dazu gedacht, mit dem Finger auf andere zu zeigen und zu sagen: Du hast uns das Leben schwer gemacht. Oder: Du hast als „richtige“ Mutter von Subaia versagt. Oder ähnliches. Nein. Die Autorin möchte Personen und Paaren, die vielleicht ihn ähnlichen Situationen stecken, Mut machen. Mut, hinter den Kindern zu stehen. Mut, sie zu verteidigen und ihnen ein besseres Leben zu geben. Mut, sich auch mal gegen Autoritätspersonen durchzusetzen, wenn es um das Wohl des eigenen Kindes geht. Und das hat Lina May mit ihrem Buch meiner Meinung nach ganz klar geschafft. Und auch, dass das Buch nachwirkt. Stunden nach dem Lesen gehen mir immer noch einige Gedanken durch den Kopf und beschäftigen mich. Eine Geschichte die zeigt, dass Liebe nicht alles möglich macht, aber vieles leichter und erträglicher.

„Oft verurteile ich Subaias Mutter für das, was sie bei Subaia angerichtet hat, obwohl ich mir solche Gedanken eigentlich verbieten will. Ich darf ihre leibliche Mutter nicht vor Subaia schlechtmachen. Ich möchte nicht noch mehr Wut in ihr erzeugen, als ohnehin schon da ist.“ (Seite 188)

Jedem, der sich nicht vor der schlimmen Wahrheit und Realität scheut, vielleicht auch gerade Eltern, sei dieses Buch ans Herz gelegt!

Vielen Dank auch noch an dieser Stelle an der Herder Verlag, der mir das Buch zur Verfügung gestellt hat.

5 HerzenSaCre

2 Antworten to “Meine fremde Tochter {Rezension}”

  1. Chimiko 28. Januar 2013 um 11:13 #

    Das hört sich wirklich beeindrucken an. Sogar sehr…

    Gefällt mir

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