Schattenspieler {Rezension}

14 Mrz

Michael Römling - Schattenspieler_1Autor: Michael Römling
Titel: Schattenspieler
Seitenzahl:
 352
ISBN: 978-3-8157-5307-1
Verlag:
 Coppenrath

Zum Inhalt:

„>>Er ist nach vier Wochen geflohen und hat sich nach Hause durchgeschlagen. Sein Dorf gab es nicht mehr. Ein Dreivierteljahr zuvor war die SS durchgezogen, hatte alle Leute in die Kirche gejagt und das Gebäude angesteckt. Seine Frau und seine Tochter sind mit den anderen verbrannt. Das nannte man Partisanenbekämpfung. Seine Tochter war fünf Jahre alt.<<
>>Mein Gott<<, murmelte Leo.

>>Meiner nicht<<, sagte Sirinow.“ (Seite 106/107)

1945 in Berlin. Alles ist zerstört und zerbombt. Berlin existiert fast nicht mehr. Leo Goldstein, ein jüdischer Junge, schafft es mit Hilfe von Wilhelm, sich in Berlins Untergrund versteckt zu halten. Doch plötzlich verschwindet sein Helfer, über den er auch sehr wenig weiß, da dieser kaum etwas von sich Preis gibt. Leo findet in Wilhelms Wohnung Hinweise darauf, dass er möglicherweise ein Spitzel ist. Doch bevor er sich genauer damit befassen kann, wird er von russischen Soldaten aufgegriffen und mitgenommen. Erstaunlicherweise passiert ihm nichts. Im Gegenteil, sie umsorgen ihn erst einmal. Und schließlich nehmen sie ihn mit ins Westend.
Hier kommt er bei Friedrich und seiner Familie unter. Friedrichs Vater ist vor einiger Zeit verschwunden. Und in ihrem Haus leben die russischen Soldaten und seine Familie scheinbar ganz gut zusammen.
Der Krieg ist vorbei. Die Jungen suchen in den Resten Berlins nach Wilhelm. Sie finden Hinweise darauf, dass dieser etwas mit Friedrichs Vater zu tun hatte. Scheinbar waren die Herren in Kunstraub verwickelt. Schließlich taucht Wilhelm wieder auf. Gemeinsam machen die drei sich auf die Suche nach Hauptsturmführer Albrecht Sommerbier, der sich unter einer falschen Identität mit sehr wertvollen Schätzen auf und davon gemacht hat…

Michael Römling - Schattenspieler_2

Meine Meinung:

„Hier und da waren verblasste Werbesprüche zu sehen. Ein aufgeklebtes Plakat forderte zum Volksopfer auf. Was für ein Scheiß, dachte Sommerbier.“ (Seite 93)

Es ist schon länger her, dass ich ein Buch gelesen habe, dass zu Kriegszeiten in Deutschland spielt. Diese Kriegsszenarien sind vom Autor sehr gut beschrieben. Immer wieder war ich etwas schockiert, weil ich auch sofort Bilder vor meinem geistigen Auge hatte. Erschreckend und schlimm, was die Leute damals alles durchmachen mussten!

Die Geschichte spielt erst einmal in drei verschiedenen Handlungssträngen: Leo, Friedrich, Albrecht Sommerbier. Bis diese schließlich nach und nach zusammenführen.
Ich konnte mich schnell in der Story zurecht finden und empfand die Schilderungen als recht intensiv. Alles ist so beschrieben, dass man es wunderbar lesen kann und in einer Sprache, die einem das volle Elend, das damals herrschte, sehr nahe bringt. Die Stimmung, die damals herrschte, kommt gut rüber. Leute hatten den Gedanken, sich zu wehren, aber sie konnten es nicht – denn was ihnen dann gedroht hätte, wissen wir alle.

„>>Nein. Nur das eine Wort. Und weißt du, was das Grandiose dabei ist?<<
Leo ahnte, worauf Wilhelm hinauswollte, aber er ließ ihn weiterreden. Wilhelm konnte die Dinge besser auf den Punkt bringen.

>>Dieses Nein ist für sie viel schlimmer als >Nieder mit Hitler!< oder >Die Kommune lebt!<. Das sind Parolen. Dieses Nein ist eine Haltung.<<
Leo verstand. >>Und eine Einladung zum Selberdenken<<, sagte er.
Wilhelm nickte. >>Falls dazu noch jemand fähig ist hierzulande.>>“ (Seite 9) 

Was die Leute so alles veranstaltet haben, um zu überleben?! Man log, betrog und bestach, plünderte Tote aus, stahl Identitäten, und so weiter. Noch schlimmer, dass das auch heute noch so ist, und wir einige Kriegs- und Krisengebiete in nicht allzu großer Entfernung haben.

Die Aufmachung des Buches gefällt mir außerordentlich gut! Das Cover ziert komplett eine Karte von Berlin. Der Schutzumschlag ist transparent, sodass die Karte immer durchschimmert. Das ist sehr schön.
Auf den ersten und letzten Umschlaginnenseiten gibt es Bilder aus damaligen Zeiten: das zerstörte Berlin, Panzer, und so weiter. Das alles ist stimmig und rundet den guten Eindruck des Buches ab.

Für alle, die den Autor nicht kennen, hier eine kurze Information von der Coppenrath Website:
Dr. Michael Römling, geboren 1973 in Soest, studierte Geschichte in Göttingen, Besancon und Rom. Nach einem Stipendium am dortigen Deutschen Historischen Institut promovierte er mit einer Arbeit über spanische Soldaten in Italien im 16. Jahrhundert. Er lebt inzwischen als freier Autor in Münster. Bei Coppenrath erschien von ihm noch das Buch „Signum – die verratenen Adler„.

Die deutsche Geschichte ist nicht schön. Wir können es nicht ändern. Wir dürfen es aber auch nicht vergessen! Und gegen das Vergessen helfen solch tolle Bücher!

Vielen Dank an das Team vom Coppenrath Verlag, die mir dieses Buch zur Verfügung gestellt haben.

 „Es war ein merkwürdiges Gefühl gewesen, in der britischen Uniform durch die Stadt zu laufen. Die meisten Leute hatten ihm verstohlen hinterhergeblickt. Er war auf die Gewinnerseite gewechselt. Aber hatte er jemals woanders gestanden als auf der Gewinnerseite?<< (Seite 192/193)

4 Herzen

SaCre

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