Die Scanner {Rezension}

27 Apr

Robert M. Sonntag - Die ScannerAutor: Robert M. Sonntag
Titel: Die Scanner
Seitenzahl:
 192
ISBN: 978-3-596-85537-7
Verlag:
 Fischer
Veröffentlichung: 07. März 2013
Leseprobe

Zum Inhalt:

„Unser Arbeitgeber wollte die glatzige Welt papierfrei machen. Alles Wissen für alle! Jederzeit! Kostenlos! lautete das Motto. Wir halfen der Scan AG bei der Verwirklichung dieses Traumes. Jojo hatte mich reingeholt. Und ich träumte mit.“ (Seite 13)

Wir schreiben das Jahr 2035. Das Geräusch, das die Welt beherrscht, ist allgegenwärtig: MzzzpKlick gibt es nicht mehr.
Rob und Jojo sind beste Freunde und Arbeitskollegen. Sie sind Buchagenten und arbeiten für die „Scan AG“, ein Tochterunternehmen des Weltkonzerns „Ultranetz“, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, alles Wissen für jeden Bürger jederzeit und kostenlos zur Verfügung zu stellen. Via Ultranetz und Mobril.
Gedrucktes existiert in dieser Welt kaum noch. Dafür sorgen unter anderem die beiden Freunde.

Sie machen Jagd auf jedes Druckerzeugnis, das noch existiert. Sie kaufen es den Besitzern ab, scannen den Inhalt ein, sodass dieser dann unverzüglich digitalisiert im Ultranetz jedem User zur Verfügung steht.

Eines Tages lernt Rob Arne kennen, als er ihm sein Buch abkaufen möchte. Dieser ist kein gewöhnlicher Leser. Und plötzlich findet Rob sich inmitten der geheimen Büchergilde wieder. Die Leute versuchen ihn davon zu überzeugen, dass nicht alles so ist, wie es scheint. Und plötzlich taucht Rob auf allen Kanälen auf und ist der Staatsfeind Nummer 1.

„>>Herzlichen Glückwunsch zum 16. Geburtstag<<, sagte die Nackte. >>Endlich ist mit deiner Mobril alles möglich. Nach so einem kalten Tag im Schnee tut ein wenig Wärme gut. Willst du das Rob? Setze die Mobril auf und sage ja!<<“ (Seite 83)

Robert M. Sonntag - Die Scanner_2

Meine Meinung:

Druckerzeugnisse kostenlos und für alle jederzeit verfügbar. Das klingt doch toll! Es scheint auf den ersten Blick auch toll zu sein. Doch wenn wir einmal hinter die Fassade blicken, sieht die Welt ganz anders aus.

Das erste, was mir hierzu einfällt ist „Big brother is watching you“. George Orwell hat in seinem Buch „1984“ (welches übrigens 1948 geschrieben wurde!) schon von den Anfängen dessen berichtet, was Robert M. Sonntag hier weiterführt.

Wir befinden uns hier in einer Welt, in der die Bevölkerung sich Mobrils aufsetzt. Das sind Brillen, mit denen die Menschen gleichzeitig telefonieren können (Videotelefonie), navigieren können oder über das Ultranetz Nachrichten und Videos an Freunde oder alle schicken.
Eine Art „Facebook“ ist hier auch integriert. Es gibt Freunde und Premium Freunde. Letztere haben auf alles Zugriff. Eine Partnervermittlung gibt es auch. Klingt doch alles toll.
Die andere Seite der Medaille ist aber, dass die Menschen hierfür teure Verträge abschließen müssen. Außerdem bekommen sie mehrfach am Tag Werbefilme gezeigt, die sie sich anschauen müssen. „Customized“ natürlich. Wie „kostenlos“ ist das denn nun wirklich?
Damit macht der Mensch sich gläsern und gibt – mehr oder weniger freiwillig – alles von sich Preis. Und die „Scan AG“ hat die totale Kontrolle.

Was unvorstellbar klingt ist gar nicht so weit von uns entfernt. Wie viele Daten geben wir eigentlich von uns Preis? Beim Einkaufen im Internet, in Suchmaschinen, bei Anmeldungen für Newsletter oder in Social Media? Mit einem Klick bzw. Mzzzp posten wir bei Facebook wo wir uns gerade befinden und mit wem. Das erkennt das Programm mithilfe des Smartphones ganz automatisch.
Nach Einkäufen lassen wir arglos Bonuskarten durch Scanner ziehen. Schließlich bekommen wir ja Punkte gutgeschrieben, die wir bei nächsten Einkäufen als Rabatte nutzen können. Völlig kostenlos! Und der Anbieter unseres Bonusprogramms weiß, was wir wo und wann eingekauft haben und für welchen Betrag. Was er damit macht? Da denke ich nicht drüber nach…

„>>…Sollst nicht überall eine Spur mit deinem Finger hinterlassen.<<
>>Zahle ab jetzt sowieso…<<
>>… mit dem Auge. Weiß ich. Spur bleibt Spur.<<“ (Seite 99)

Was der Autor hier auf den 192 Seiten beschreibt, scheint wie eine gruselige Fortsetzung des Jahr 2013. Es macht nachdenklich darüber, wie wir mit unseren Daten umgehen und wie viel jeder einzelne in dieser digitalen Welt preisgibt.
Über die Werbung, die beispielsweise Suchmaschinen mir anzeigen, von Geschäften und Firmen, die sich in der Nähe meines Standortes befinden, wundere ich mich ja schon lange nicht mehr. Aber vielleicht sollte ich das.

Der Autor hat es geschafft, in diesem kurzen Buch ein dunkles, aber nicht all zu weit entfernt scheinendes, Szenario zu beschreiben, das mich als Leser nachdenklich gestimmt hat. Es ist gruselig, erschreckend, verstörend, fesselnd. Es scheint so utopisch und doch so nah.

Ich kann nur hoffen, dass dieses Buch in vielen Schulen als Klassenlektüre Einzug findet. Und dass vor allem Jugendliche sich Gedanken über ihr „Online Verhalten“ machen.

Vielen Dank an das Team von Fischer KJB für das Rezensionsexemplar.

5 Herzen

SaCre

Eine Antwort to “Die Scanner {Rezension}”

Trackbacks/Pingbacks

  1. Die Jugendbuch Top 100 – und eigene Gedanken dazu | Bookwives - 15. Juni 2013

    […] Die Scanner von Robert M. Sonntag […]

    Gefällt mir

Kommentare? Immer her damit! :-)

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: