Danach {Rezension}

21 Mai

DanachAutor: Koethi Zan
Titel:
Danach
Seitenzahl: 448
ISBN:
  978-3-651-00045-2
Verlag: Fischer Scherz
Veröffentlichung: 22. April 2013
Leseprobe

„In den ersten zweiunddreißig Monaten und elf Tagen unserer Gefangenschaft waren wir dort unten zu viert. Und dann, ganz plötzlich und ohne Vorwarnung, waren wir nur noch drei. Obwohl Jennifer seit Monaten keinen Laut mehr von sich gegeben hatte, wurde es sehr still im Raum, als sie fort war. Noch lange saßen wir schweigend im Dunkeln und grübelten, wer von uns wohl als Nächstes in die Kiste musste.“ (Seite 9)

Sarah und Jennifer sind befreundet und studieren zusammen. Sie sind geradezu panisch davon besessen, möglichst alles „Böse“ aus ihrem Leben auszuschließen. So gibt es beispielsweise auch „Niemals-Listen“: niemals alleine auf eine Party mit fremden Menschen gehen, niemals die Zimmertüren im Wohnheim ohne zusätzliche Schlösser lassen, niemals ohne Mundschutz, antibakterielles Handgel, Pfefferspray und Taschenlampe vor die Tür gehen, niemals irgendwo festsitzen. Außerdem kennen sie sämtliche Unfallstatistiken auswendig.

Trotz aller Vorsicht passiert es: beide werden verschleppt und in einem Keller eingeschlossen. Hier befinden sich schon zwei andere Frauen: Tracy und Christine. Die jungen Frauen werden gequält und gefoltert. Eine der vier überlebt das Martyrium nicht.

Schließlich kommen sie frei. Und jetzt, 10 Jahre später, beginnt diese Geschichte – ihr Leben danach…

„In unserer Selbstüberschätzung hatten wir geglaubt, dass wir diese Regel aufgrund unserer Logik, unserer Recherchen und unserer Vorsichtsmaßnahmen außer Kraft setzen konnten. Aber nichts konnte darüber hinwegtäuschen, dass wir Opfer unseres eigenen Regelbruchs geworden waren.“ (Seite 17)

Dieser Thriller ist anders als das, was ich bisher aus diesem Genre gelesen habe. Hier geht es nicht hauptsächlich um das grausame Verbrechen an sich – auch wenn wir als Leser viel darüber erfahren – sondern es geht um das Leben der Frauen 10 Jahre später.
Sarah hat sich eine neue Identität zugelegt. Doch natürlich haben die Erlebnisse ihre Spuren hinterlassen. So ganz kann sie damit auch nicht abschließen: von Zeit zu Zeit erhält sie immer noch Briefe ihres Peinigers Jack aus dem Gefängnis.
Es geschehen einige Dinge, die sie wieder tiefer in den Strudel aus dem alten Grauen hinein ziehen. Und so entschließt sie sich dazu, Kontakt zu Christine und Tracy aufzunehmen.

Spannend und gut beschrieben schildert die Autorin, was die Frauen nun alles wieder durchmachen müssen. Immer wieder gibt es „Flashback“ Kapitel. Hier wird sehr grausam und detailliert erzählt, was sie während ihrer Gefangenschaft alles erleben und ertragen mussten.
Ich habe mich bei diesen Szenen wirklich gegruselt. Immer wieder bin ich erstaunt, dass Autorinnen, die so zart und unschuldig aussehen (wie auch Mo Hayder beispielsweise), solche Grausamkeiten zu Papier bringen. Und das so gut geschrieben, dass man als Leser das Gefühl hat, neben der Folterbank zu stehen und zuzuschauen.
Am Schluss wird es nochmal überaus spannend und turbulent. Hier nimmt die Geschichte eine Wendung, die ich so nicht erwartet hätte.

„An guten Tagen machte er einfach mit unseren Körpern, was er wollte. Dann konnten wir uns wenigstens auf die Lippen beißen oder schreien oder sonst etwas tun, was uns half, den Schmerz und die Demütigung zu ertragen.
An schlechten Tagen redete er auch mit uns.“ (Seite 127)

Ganz besonders schlimm wird die Story im Hinblick auf die aktuellen Geschehnisse in Cleveland: hier wurden kürzlich drei Frauen aus über 10jähriger Gefangenschaft in einem Keller befreit.

Ein grausamer, sehr guter und mal etwas anderer Thriller. Die Sprache, die die Autorin benutzt, lässt die Personen und Taten äußerst lebendig wirken. Ein Buch, dass man nur schwer aus der Hand legen kann; auch wenn man die Geschichte wirklich erschreckend findet. Von mir eine absolute Leseempfehlung!

Vielen Dank an das Team vom Fischer Verlag für das Rezensionsexemplar.

„Wer von uns beiden hatte mehr Glück? Jennifer musste nie wieder allein sein, während ich hier saß, gefangen in meinen Ängsten, eine isolierte, einsame Gestalt, die niemanden an sich heranließ. Nach außen hin abgeschottet, geleitet allein von ihren Phobien und ihrer Paranoia. Kaputt. Nicht reparierbar.“ (Seite 215)

5 Herzen

SaCre

3 Antworten to “Danach {Rezension}”

  1. Textverliebt. 21. Mai 2013 um 12:07 #

    Klingt ziemlich spannend, unheimlich und erschreckend. Muss ich mir merken.

    LG Katha

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    • bookwives 21. Mai 2013 um 12:08 #

      Ja. Das ist es auch. Die „harte“ Textstelle wollte ich nicht unbedingt in die Rezi einbauen (die, die ich gepostet hatte). Du solltest es dir auf die Wunschliste setzen. 🙂

      LG SaCre

      Gefällt mir

  2. Maya Shepherd 24. Mai 2013 um 12:43 #

    Deine Rezension hat dafür gesorgt, dass das Buch sofort auf meinen Wunschzettel gewandert ist 😉

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