Was sich küsst, das liebt sich {Rezension}

24 Jul

Was sich küsst, das liebt sich Artikelbild

Autor: Sarra Manning
Titel: Was sich küsst, das liebt sich
Seitenzahl: 608
ISBN:  978-3-453-40926-2
Verlag: Heyne
Veröffentlichung: 09. April 2012
Leseprobe

„Nun, da sie wusste, dass selbst ein Mann, der seinen Lebensunterhalt mit Korrekturlesen verdiente, sie langweilig und unattraktiv fand, konnte sie eigentlich auch aufstehen und ungeniert ihre Strumpfhose samt Slip nach oben zurren. Gesagt, getan.“ (Seite 13)

Neve ist 25 Jahre alt und ein absoluter Bücherwurm. Sie arbeitet im Literaturarchiv als Archivarin. Sie ist gutmütig, und was Liebesdinge angeht sehr unbedarft. Sie hat Gefühle für William, mit dem sie in regem Briefverkehr steht. Doch da gibt es Probleme: 1. William ist zurzeit arbeitstechnisch noch für 6 Monate im Ausland. 2. Bis er wieder in London ist, möchte Neve noch unbedingt weiter abnehmen. Hat sie ihr Gewicht doch schon in den letzten 2,5 Jahren von 160 Kg auf etwas über 70 Kg reduzieren können. 3. Sie möchte gerne, dass es mit William perfekt wird. Also braucht sie einen Mann, an dem sie üben kann. Ist doch klar! 🙂

Auf der Firmen-Weihnachtsparty ihrer Schwester Celia, die beim Modemagazin „Skirt“ arbeitet, lernt sie Max kennen. Und er ist genau das, was Neve verabscheut: ein forscher Womanizer, der alles anbaggert, was sich nicht rechtzeitig in Sicherheit bringt. Sie kommt mit ihm ins Gespräch. Und tatsächlich zeigt er Interesse an ihr. In welcher Hinsicht auch immer.
Neve startet mit Hilfe von Celia eine Dating-Woche. Schließlich muss sie üben, offen auf Männer zu zugehen und zu flirten. Jeden Tag trifft sie sich mit einem anderen Mann. Aber leider entpuppen sich diese Herren nicht als das, was Neve erwartet hat.

„Es war das Vorspiel zu einem Kuss, der nie geschehen sollte, denn kaum lag seine feuchtheiße Handfläche auf ihrem Gesicht, da schauderte Neve heftig. Es fühlte sich so an, als würde ihre Haut vor der Berührung zurückschrecken, und das, obwohl sie soeben eine rationale, durchdachte Entscheidung getroffen hatte die ihr Herz zumindest halbwegs unterstützte. Doch ihr Körper reagierte eindeutig absolut angewidert. Sie taten beide so, als hätten sie es nicht bemerkt.“ (Seite 128)

Max bietet an, dass Neve an und mit ihm eine „Beziehung“ üben kann, Sex wird aber ausgeschlossen. Und so gehen die beiden eine „Pfannkuchenbeziehung“ ein. Die beiden treffen sich regelmäßig, gehen auf Parties, telefonieren und smsen täglich und Neve kann üben, wie sich Pärchen-Sein anfühlt. Schließlich möchte sie perfekt sein, wenn ihr Traummann William wieder da ist. Ist doch alles ganz einfach, oder? 🙂

„Sie hätte ihm am liebsten gesagt, dass sie ihn nie mehr wiedersehen wollte, weil sie alles, was er von sich gab, so nervenaufreibend fand, als würde er sie mit einem riesigen Stahlwollknäuel bearbeiten, aber sie schaffte es nicht. Es war viel einfacher, ihm ihr Handy zu reichen, damit er seine Nummer eintippen konnte. Neve schwor sich, sie zu löschen, sobald sie zu Hause war.“ (Seite 108)

Meistens stehe ich diesem Genre eher skeptisch gegenüber. Doch in diesem Jahr konnte ich bereits einige gute Romane lesen, sodass ich wieder Gefallen daran gefunden habe.
Und hier muss ich sagen: direkt auf der ersten Seite hatte Autorin Sarra Mannings mich! Das Strumpfhosenproblem! Woher kennt sie mich so gut? Ich habe mich in der Situation sofort erkannt. (Ob das jetzt so positiv für mich ist, sei mal dahingestellt.)

Mit Protagonistin Neve wurde ich sofort warm. Sie ist ein herzensguter Mensch, der Bücher liebt (und auch gerne entsprechende Zitate im Alltag einbaut), intelligent und witzig ist. Aber leider auch voller Komplexe aufgrund ihrer Figur. Sie hat den unbändigen Willen, für William abzunehmen, bis sie in Kleidergröße 38 passt. Erst dann, so meint sie, ist sie seiner würdig. Sie zieht ihr Ernährungs- und Trainigsprogramm knallhart durch. So manches Mal habe ich mir gewünscht, dass sie mir einen Teil ihrer Willensstärke abgeben möge. 🙂 Leider ist sie in anderen Lebensbereichen nicht so konsequent. In der ein oder anderen Szene denkt sie „nein“, sagt aber „ja“.
Als Leserin erfährt man sehr viel über Neve, ihren Charakter und ihre Gefühle. Und immer geisterte William auch durch meinen Kopf. Schließlich ist er der passive Antrieb zu all ihrem Tun.

„Sie konnte es kaum erwarten, nach Hause zu kommen und Celia alles zu erzählen, denn inzwischen konnte sie nachvollziehen, was Chloes Mitbewohnerin gemeint hatte, als sie gesagt hatte die Nachbesprechung sei meist unterhaltsamer als das Date selbst.“ (Seite 125)

Die „Nebendarsteller“ sind allesamt sehr liebevoll von der Autorin erschaffen. Es gibt den ominösen William, der Neves Herz erobert hat, aber aufgrund seiner Auslandstätigkeit erst zum Schluss in London auftaucht. Bis dahin schreiben die beiden sich Briefe. Und mein Gedanke war immer nur: was für ein langweiliger und hochgestochener Kerl.

Max ist das Gegenteil dazu: er ist lebenslustig, forsch, draufgängerisch – aber er hat auch seine weichen und emotionalen Zeiten. Und er eignet sich perfekt für die „Pfannkuchenbeziehung“ mit Neve. Schließlich will sie ihm keine Gefühle entgegen bringen, sondern nur üben.
Celia ist die schlanke Schwester von Neve, die scheinbar keine Probleme hat, sich im Dschungel der Männer zurecht zu finden.
Aber auch die anderen Personen, wie Arbeitskollegen und Freunde, passen perfekt zur Geschichte. Sie sind alle liebevoll gezeichnet und haben ihre Macken und Eigenheiten.

„Die Socken sind schon weg, und die Wärmflasche und die Steppdecke auch. Wenn ich noch mehr weglasse, erfriere ich.“ Das hatte doch alles keinen Sinn. Wer hätte gedacht, dass ihnen ausgerechnet ihre inkompatiblen Körpertemperaturen zum Verhängnis werden würden! Von Max‘ Angewohnheit, sie im Schlaf zu begrapschen, mal ganz abgesehen.“ (Seite 227)

Der Schreibstil und die Sprache der Autorin haben mir sehr gut gefallen. Ich fühlte mich mittendrin statt nur dabei und habe mit Eve mitgefiebert. Die Seiten flogen nur so durch meine Hände. Klar, der Ausgang der Geschichte war erwartet, aber vorher gab es immer wieder Wendungen und Geschehen, die es spannend gemacht haben. Außerdem war das Ende auch genau das, was ich mir für Neve gewünscht habe. Somit wurde meine Vorstellung von einer leichten und unterhaltsamen Chicklit Geschichte sehr gut umgesetzt.

„Und jetzt tust du so, als wärst du mit Max zusammen? Bist du total übergeschnappt? Was ist mit den ganzen anderen Typen, die du kennengelernt hast? Der potenzielle Selbstmörder klang doch ganz nett.“ (Seite 160)

Eins muss ich allerdings anmerken: die Covergestaltung und die deutschen Titel… das finde ich nicht wirklich gut. Und hätte ich dieses Buch nicht als Tipp von einer anderen Bloggerin bekommen, hätte ich wohl nie zugegriffen.

Der englische Titel ist „You don’t have to say, you love me“. Und hier die beiden Cover:

Sarra Manning 2Sarra Manning 1

Im März 2014 erscheint im Heyne Verlag die deutsche Ausgabe zu „Unsticky“: „Im Eifer des Gefühls“. Auch hier ein kleiner Coververgleich:

UnstickyUnsticky 2

Auf der Website des Heyne Verlages gibt es noch ein Interview mit der Autorin zu dem Thema der Geschichte. >>Klickt<< rein.

Eine humorvolle und sehr unterhaltsame Geschichte mit einer komplex-behafteten – aber sehr liebenswürdigen – Protagonistin auf der Suche, nach Erfüllung in Kleidergröße 38 und der großen Liebe. Herrlich! Die perfekte Frauen-Sommerlektüre! Das nächste Buch wird ebenfalls bei mir einziehen!
Und wer jetzt wissen möchte, was das „Strumpfhosenproblem“ und eine „Pfannkuchenbeziehung“ sind, der sollte zum Buch greifen, oder sich vertrauensvoll an mich wenden. 🙂

4 Herzen

SaCre

9 Antworten to “Was sich küsst, das liebt sich {Rezension}”

  1. Friedelchen 24. Juli 2013 um 13:15 #

    Das hab ich auf Englisch schon lange auf meinem Wunschzettel. Danke für die Rezi, die hat mich doch gleich wieder einen Schritt mehr in Richtung kaufen geschubst 🙂 Vom deutschen Cover her würde ich eher denken, dass es sich um ein Jugendbuch handelt.

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    • bookwives 24. Juli 2013 um 13:21 #

      Dann schubse ich dich gerne noch ein Stück weiter Richtung „KAUFEN“!
      Ich fand das Buch einfach nur toll. Schade, dass es so wenig Beachtung findet.
      Den Coververgleich musste ich einfach machen. Ich finde die Originale viel viel besser.

      Grüße
      SaCre

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  2. Textverliebt. 24. Juli 2013 um 13:22 #

    Oh sie klingt so sympathisch! Ich denke übrigens, dass das Strumpfhosenproblem wahrscheinlich den meisten Frauen bekannt ist, es allerdings nur die wenigsten Frauen zugeben. 🙂 Ansonsten hab ich dann jetzt mal Hunger auf Pfannkuchen, wo sich der Kreis zum Strumpfhosenproblem wieder schließt.

    PS: Hattest du beim Lesen auch die ganze Zeit Prinz William vor Augen? 🙂

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    • bookwives 24. Juli 2013 um 13:24 #

      Ich gebe es zu! 😉
      Sie ist äußerst sympathisch. Das kann ich gar nicht anders sagen.
      Ja, ich hatte den Prinzen vor Augen. Aber ohne Kate. Andere Geschichte. 🙂

      Einen Pfannkuchen würde ich jetzt auch nehmen. *yammi* Und über eine Pfannkuchenbeziehung habe ich vorher noch nie nachgedacht. Frau lernt nie aus! 😉

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  3. Bücherjunkies 24. Juli 2013 um 14:09 #

    Das Buch wandert direkt mal auf meine Wunschliste.

    Aber ich muss dir recht geben, der deutsche Titel und das deutsche Cover sind echt nicht der Hit. Mich würde die Originalfassung auch mehr ansprechen.

    LG Michaela

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    • bookwives 24. Juli 2013 um 14:27 #

      Hallo Michaela,

      freut mich, dass ich dir das Buch näher bringen konnte! Ich kann dafür nur eine Lanze brechen. 😉
      Bin sehr auf den nächsten gespannt!

      LG,
      SaCre

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