Die zwei Leben der Alice Pendelbury [Rezension]

6 Aug
Die zwei Leben der Alice Pendelbury von Marc Levy
 
Titel: Die zwei Leben der Alice Pendelbury
Autor: Marc Levy
Seitenzahl: 352
ISBN: 978-3-7645-0444-1
Verlag: Blanvalet
Veröffentlichung: 28. Mai 2013
Leseprobe

Zum Inhalt:

Alice Pendelbury lebt ein ruhiges Leben ist London. Sie kreiert Parfums und trifft sich gerne mit ihren besten Freunden zum Essen, Trinken und Musik hören. Im Dezember 1950 werden durch einen Besuch des Jahrmarktes in Brighton die Weichen für eine Reise gestellt, die Alices Leben komplett auf den Kopf stellen wird. Denn auf diesem Jahrmarkt geht sie zu einer Seherin. Diese prophezeit ihr: „Der Mann, der der wichtigste Mensch für dich sein wird, derjenige, den du seit jeher suchst, ist gerade hinter dir vorbeigegangen. Um ihn zu finden, wirst du sechs bestimmten Personen begegnen müssen. In dir stecken zwei Leben – das, das du bereits kennst, und das andere, das noch auf dich wartet …“ Zusammen mit ihrem kauzig wirkenden Nachbarn Ethan Daldry begibt sich Alice auf diese Reise mit ungewissem Ausgang.

Die zwei Leben der Alice Pendelbury - Marc Levy

Die zwei Leben der Alice Pendelbury – Marc Levy

Meine Meinung:

Für mich war dieses Buch erst das zweite des französischen Bestsellerautors. Und so langsam verstehe ich, warum er das ist, warum er so unglaublich erfolgreich ist.

„Die Laternen schaukelten im Wind und verliehen der riesigen Mole in dieser Winternacht den Anschein eines erleuchteten Ozeandampfers, der mit all seinen Lichtern das endlose Meer erhellte.
Während die Gruppe dem Ausgang zustrebte, lächelte eine Wahrsagerin von ihrer Bude aus Alice zu.“
(Seite 24/25)

Ich muss gestehen, dass es ein wenig gedauert hat, bis ich das erkannt habe, aber Marc Levy ist schlicht und einfach ein toller Erzähler – auf leise Art und Weise. Anfangs verwechselte ich diese Unaufgeregtheit, die seine Geschichte ausstrahlt, noch mit Langeweile. Je mehr ich las, wurde mir aber bewusst, dass das genaue Gegenteil der Fall ist. Und schließlich verfiel ich nach und nach dem Charme seiner Worte.

Schon auf den ersten Seiten offenbart sich scheinbar der Name des Mannes, den die Seherin erwähnt hat – Rafael. Was es mit diesem Mann auf sich hat erfährt man aber nicht sofort. Dafür muss man schon das Buch lesen. So ganz ohne Hintergedanken geht das nach dem kurzen, aber prägenden Prolog natürlich nicht. Der Name Rafael schwirrte zumindest bei mir immer im Kopf rum. Ich habe der Begegnung der beiden entgegen gefiebert und war auf des Rätsels Lösung gespannt.

>>Mister Daldry, würden Sie freundlicherweise aufhören, sich ständig über mich lustig zu machen?<<
>>Miss Pendelbury, ich verspreche Ihnen, es zu versuchen, aber verlangen Sie bitte nicht Unmögliches von mir.<<
(Seite 47)

Zu Beginn lernen wir Alice, ihre Freunde und natürlich ihren Nachbarn Mr. Daldry kennen. Und genauso unspektakulär und dennoch schön wie die Geschichte an sich, sind auch die Charaktere niedergeschrieben. Sie wirken natürlich und lebensecht. Das Leben in der Nachkriegszeit, den Flair der 50er Jahre, und die damaligen gesellschaftlichen Regeln für Freundschaften zwischen Männern und Frauen lässt Marc Levy wunderbar einfließen, ohne es einem direkt unter die Nase zu reiben. Je weiter der Verlauf voranschreitet, zieht die Geschichte immer größere Kreise, bis weit in die Vergangenheit hinein.  Ein kleines bisschen führte mich der Autor in die Irre. Das habe ich aber erst zum Schluss des Buches gemerkt, welches mich emotional sehr berührt hat.

Ohne großen Firlefanz, aber dennoch detailliert beschrieben, ohne dabei überladen zu wirken, hat mich Marc Levy in dieses Buch, in das Leben von Alice, hineinkatapultiert. Es ist keine spannende Geschichte, obwohl im Laufe des Buches natürlich viele Fragen aufkommen. Es ist keine romantische Geschichte, obwohl die Liebe eine große Rolle spielt. Und doch ist dieses Buch genau das. Nur eben auf Levy-Art – unaufdringlich, aber einnehmend.

„Als sie sich auf dem Treppenabsatz verabschiedeten, machte Daldry Alice darauf aufmerksam, dass sie guten Grund habe, dich zu freuen, denn Ogüz Zemirli war zwangsläufig die dritte, wenn nicht sogar die vierte der sechs Personen, von denen die Hellseherin in Brighton gesprochen hatte.“
(Seite 247)

Das Cover passt mit dem tollen Ausblick, den auch Alice Pendelbury und Ethan Daldry während ihres Aufenthaltes in der Türkei immer wieder genießen dürfen, perfekt zu dem Inhalt. Und auch der deutsche Titel passt wunderbar zu dem Buch. Wenn auch in einem völlig anderen Sinn, als ich es vorher für möglich gehalten hätte.

„Die zwei Leben der Alice Pendelbury“ ist ein leises Buch, das eine tiefe Wirkung bei mir erzielt hat. Tolle Charaktere ergeben zusammen mit einem ungewöhnlichen Grund für eine Reise einen Roman, der durch seine Schlichtheit besticht, aber alles andere als das ist.

4SaFi

Eine Antwort to “Die zwei Leben der Alice Pendelbury [Rezension]”

Trackbacks/Pingbacks

  1. Jahresrückblick 2013 | Dein Buchjahr in 30 Fragen | Bookwives - 31. Dezember 2013

    […] angetan hat es mir in diesem Jahr Marc Levy. “Sieben Tage für die Ewigkeit” und “Die zwei Leben der Alice Pendelbury” waren in diesem Jahr die ersten Bücher des französischen Autors für mich. Und jetzt will […]

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