[Rezension] Es wird keine Helden geben | Anna Seidl

5 Jan
Es wird keine Helden geben_1Titel: Es wird keine Helden geben
Autor: Anna Seidl
Seitenzahl: 256 Seiten
Verlag: Oetinger
ISBN: 978-3-789-14746-3
Veröffentlichung: 20. Januar 2014
Empfohlenes Lesealter: ab 14 Jahren
Leseprobe

Zum Inhalt:

Kurz, nachdem es zur Pause geläutet hat, hört Miriam einen Schuss. Zunächst versteht niemand, was eigentlich passiert ist, aber dann herrschen Chaos und nackte Angst. Matias, ein Schüler aus ihrer Parallelklasse, schießt um sich. Auch Miriams Freund Tobi wird tödlich getroffen. Miriam überlebt – aber sie fragt sich, ob das Leben ohne Tobi und mit den ständig wiederkehrenden Albträumen überhaupt noch einen Sinn hat. Waren sie und ihre Mitschüler Schuld an der Katastrophe? (© Oetinger)
Es wird keine Helden geben_Artikelbild

Meine Meinung:

„Es wird keine Helden geben“ – ein Titel, der vor dem Lesen für einige Fragezeichen hinsichtlich der Bedeutung bei mir sorgte. Jetzt, nachdem ich das Buch gelesen habe, verstehe ich die Aussage, die hinter diesen Worten steckt. Sie wirkt grausam, ist aber doch so real und vor allem wahr – auch, wenn man dass vielleicht nicht wahrhaben will…

„Ja, wir lassen Philipp einfach zurück. Und ja, die Folgen sind mir bewusst. Ich weiß, dass das seinen Tod bedeuten könnte. So herzlos es auch scheinen mag – würde ich bleiben, würde ich mein Todesurteil unterschreiben. Hier denkt jeder zuerst an sich. Es gibt keine Helden. Die sind eine Erfindung der Filmindustrie.“ (Seite 12)

Auf wenigen Seiten zu Beginn des Buches schildert Anna Seidl – die gerade mal 16 Jahre alt war, als sie diese so real wirkende Geschichte geschrieben hat – den Amoklauf in einer Art und Weise, die mir fast die Luft raubte und regelrecht Angst machte. Ich war mit Miriam in der Schultoilette, hörte die Schüsse und die Schritte des Amokläufers. Ich stand in der Tür und sah meinen Freund da­ liegen, verletzt. Ich traf die Entscheidung, mein eigenes Leben zu retten…

Miriam durchläuft nach diesem schrecklichen Ereignis verschiedene Phasen. Aber nicht der Reihe nach. Ihre Gedanken und Gefühle befinden sich in einem stetigen Strudel, die von der Autorin nachvollziehbar und eindringlich zu Papier gebracht wurden. Gleichzeitig lässt Anna Seidl den Leser durch Miriam auch einen Blick auf die anderen Personen werfen, die den Amoklauf miterlebt haben. Dabei wird deutlich, dass es kein Schema F gibt, um mit so einem schrecklichen Erlebnis im Nachhinein umzugehen. Jeder hat seine ganz persönliche Verarbeitungsweise – teilweise auch mit schrecklichen Folgen..

„Es gibt mich, und es gibt den letzten Tag, der Schreckliches gebracht hat. Dazwischen ist nichts.“ (Seite 31)

Leider lies die Geschichte an sich mit steigender Anzahl der Seiten ein wenig nach. Den Weg, den Miriam nach dem Amoklauf geht, habe ich zwar die ganze Zeit über gerne gelesen, doch im Laufe des Buches waren es nicht mehr die geschriebenen Worte, die mich fesselten, sondern eher die Zeilen zwischen den Zeilen. Die Gedanken und Fragen, die das Buch in mir hervorgerufen hat und die durch meinen Kopf rasten – und aktuell auch immer noch rasen – haben mir schwer zu schaffen gemacht. Was würde ich tun? war dabei wohl die Frage, die ich mir am meisten stellte.

Anna Seidls Debütroman „Es wird keine Helden geben“ ist ein aufwühlender und eindringlicher Jugendroman über einen Amoklauf und dessen Folgen, der zum Nachdenken anregt und sicherlich lange in den Köpfen der Leser herumschwirren wird.

„Einatmen, ausatmen, einatmen, ausatmen … Selbst das fällt mir oft schwer. Alles muss ich neu lernen. Ich versuche, mit einfachen Dingen zu beginnen. Wie Atmen.“ (Seite 143)

4SaFi

4 Antworten to “[Rezension] Es wird keine Helden geben | Anna Seidl”

  1. Livia 5. Januar 2014 um 16:26 #

    Hallo ihr Lieben

    Ihr habt mir sehr geholfen und mir für mein Liebesroman-Projekt einen Kommentar mit einem Buchtipp da gelassen. Nun starte ich am Valentinstag (wann sonst 🙂 ) eine Liebesroman-Challenge und lese unter anderem das von euch empfohlene Buch.

    Ich würde mich natürlich sehr freuen, wenn ihr mitmachen würdet. Hier geht es zur Challenge http://samtpfotenmitkrallen.blogspot.ch/2014/01/ankundigung-liebesroman-challenge.html

    Alles Liebe
    Livia

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  2. waldschraetin 6. Januar 2014 um 19:21 #

    jap, fand es teilweise auch sehr aufwühlend. Mir vorzustellen, was Miriam durchmachen muss und dass es vielen Schüler/innen tatsächlich so ergangen sein könnte, ist wirklich hart!

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Trackbacks/Pingbacks

  1. [Blogtour] Thema Amoklauf – zu Anna Seidl’s “Es wird keine Helden geben” | Bookwives - 6. Januar 2014

    […] Meine Rezension zu “Es wird keine Helden geben” findet ihr hier. […]

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  2. [Blogtour] Blogger-Gewinnspiel zu “Es wird keine Helden geben” | Bookwives - 10. Januar 2014

    […] anderen Bloggern) zu dem Debütroman “Es wird keine Helden geben” von Anna Seidl eine Rezension und einen Beitrag zu der entsprechenden Blogtour […]

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