{Rezension} Die Nachtigall | Kristin Hannah

23 Apr

Autor: Kristin Hannah
Titel:
Die Nachtigall
Übersetzung: Karolina Fell
Seitenzahl: 608 Seiten
ISBN: 978-3-352-00885-6
Verlag: Rütten & Loening
Veröffentlichung: 19. September 2016
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„Wie hätte sie nicht weinen können? Sie hätten ein ganzes gemeinsames Leben haben sollen, um Wahrheiten und Geheimnisse zu teilen und um sich wirklich nahezukommen.“ (Seite 587)

Zum Inhalt:

Die Nachtigall erzählt die Geschichte der Schwester Vianne und Isabelle Rossignol (= Nachtigall) zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs.

Vianne lebt in einem idyllischen französischen Städtchen. Ihr Mann Antoine wird gleich zu Kriegsausbruch zu den Waffen gerufen und so ist sie darauf angewiesen, sich und ihre Tochter Sophie allein durch den Krieg zu bringen.
Wegen des nahegelegenen Flughafens quartieren sich die Nazis in der Stadt ein, auch Vianne wird gezwungen einen Hauptmann bei sich aufzunehmen.
Sie versucht anfangs, das gewohnte Leben irgendwie aufrechtzuerhalten. Sie geht ihrem Beruf als Lehrerin nach, kümmert sich um den Garten und um die immer schwieriger werdenden Einkäufe.
Glück im Unglück ist der Nazi in ihrem Haus, der sich als unerwartet anständig entpuppt und dafür sorgt, dass Vianne und ihre Tochter Lebensmittel erhalten.
Vianne verhält sich unauffällig und angepasst, bis sie sich durch die sich verschlimmernden Geschehnisse in ihrem direkten Umfeld – nicht zuletzt die Verfolgung ihrer jüdischen Freundin – gezwungen sieht, ihre Passivität aufzugeben.

Demgegenüber ist Viannes Schwester Isabelle ein Hitzkopf. Ohne groß über Konsequenzen nachzudenken, schließt sie sich sofort dem französischen Widerstand an. Von anfangs noch relativ harmlosen Botengängen wird sie später mit großen Aufgaben betraut. Das bringt nicht nur sie, sondern auch die übrigen Familienmitglieder in Gefahr.

Meine Meinung:

Durch den großen Marketingaufwand, sowie das Wissen um die Bestsellerränge, die das Buch in den USA innehatte, war ich auf diesen Roman gespannt – womöglich zu gespannt. Ich muss zugeben, dass ich anfangs nicht recht in die Handlung gezogen wurde und nur langsam mit den Figuren warm wurde.

Ich kann nicht einmal begründen, woran es lag. Die Charaktere sind nachvollziehbar ausgearbeitet, unterscheidbar, sympathisch – ich sehe nichts, was die Autorin falsch gemacht hat und dennoch blieben mir die Schwestern lange Zeit fremd. Vielleicht war mir Vianne zu naiv und Isabell zu draufgängerisch. Möglicherweise sind die Schwestern einen Hauch zu überzeichnet. Irgendetwas sorgte für Distanz, ich brauchte mehrere Anläufe, bis mich das Buch schließlich doch fesselte.
Etwa ab der Hälfte zog mich die Handlung dann in ihren Bann, was nicht zuletzt an der wachsenden Dramatik der Ereignisse liegt.
Die Gefahr für die Schwestern wird greifbar, die Einschläge kommen im wahrsten Sinne des Wortes näher.
Die Figuren gewinnen im Verlauf der Erzählung an Tiefe. Beide Schwestern leisten auf unterschiedliche Art Widerstand und Hilfe – so wie es dem jeweiligen Charakter entspricht.
Auch die inneren Kämpfe nehmen zu. Vianne weiß, dass Hauptmann Beck der Feind ist und sie ihn hassen müsste – aber sie kann es nicht, im Gegenteil. Isabell sehnt sich weiterhin nach Liebe – die des Vaters, die der Schwester und vor allem die des Widerstandskämpfers Gaeton.
Mit der steigenden Dramatik wächst proportional der Verbrauch an Taschentüchern. Mehr als einmal habe ich um eine Person geweint. Ich weiß nicht, wann mich ein Buch zuletzt so mitgenommen hat. Das Wissen, dass die Handlung zwar fiktiv ist, jedoch so oder so ähnlich stattgefunden hat und Menschen wirklich derartig gelitten haben, machte die Beklemmung stellenweise unerträglich. Immer wieder kommt es zu tragischen Wendungen und Verlusten.

Fazit:

Eine sehr eindringlich erzählte Geschichte, die anfangs nicht fesselt, dann jedoch dramatisch und beklemmend das Grauen des Krieges darstellt, aber auch unterstreicht, welche Kräfte Liebe und Menschlichkeit freisetzen können. Ein Roman, der meinen Taschentuchverbrauch gesteigert hat, wie schon lange kein Buch mehr.

Rana

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