{Rezension} Die Königschroniken. Ein Reif von Eisen | Stephan M. Rother

24 Okt

Autor: Stephan M. Rother
Titel:
Die Königschroniken. Ein Reif von Eisen
ISBN: 978-3-499-27356-8
Seitenanzahl: 384 Seiten
Verlag: Rowohlt Polaris
Veröffentlichung: 20. Oktober 2017
>>Leseprobe<<

„Alles ist eins, soweit die Wurzeln noch reichen.“
„Die Wurzeln der Esche?“
Er schüttelte den Kopf. „Jede Wurzel. Scheitern wir, wird die Krankheit, die sich an den kleinsten der Zweige heftet, früher oder später den ganzen gewaltigen Leib des Baumes befallen. Alles ist ein einziger großer Garten […]“ (Seite 337)

 

Inhalt:

‚Ein Reif von Eisen‘ ist der erste Band der vierteiligen Reihe ‚Königschroniken‘. Die Veröffentlichung von Band 2 ist für das erste Quartal 2018 geplant.

In der Geschichte begegnen uns drei Haupt- sowie zahlreiche Nebenfiguren.
Zum einen ist  Sölva zu nennen. Sie ist die Tochter des Anführers der Völker des Nordens.
Ihr Vater, Morwa, versucht, alle Völker des Nordens zu einen. Die Zeit drängt, denn er sieht drohendes Unheil auf die Welt zukommen. Gleichzeitig merkt er, wie seine Kräfte allmählich schwinden. Seine größte Sorge ist seine Nachfolge. Er hat vier Söhne, unter denen er auswählen muss, doch keiner dieser vier erscheint ihm geeignet. Allein seine Tochter Sölva besitzt die Klugheit, die Umsicht und den Mut, die er von seinem Nachfolger erwartet. Doch Sölva ist ein Mädchen, und dazu noch unehelich, mit anderen Worten ist es unvorstellbar, seine Tochter als Nachfolgerin einzusetzen.

Die zweite Hauptperson ist Leyken. Leyken ist Angehörige eines Oasenvolkes. Als dieses überfallen wird, erhält sie von ihrem sterbenden Vater den Auftrag, in das Kaiserreich der Esche zu reisen und ihre Schwester zu finden, die dorthin verschleppt worden sein soll. Mit einigen Gefährten macht sich Leyken auf die Reise, gerät jedoch selbst in Gefangenschaft.

Die dritte Hauptfigur ist Pol. Pol ist ein 15-jähriger Waisenjunge, der im Nebenzimmer eines Wirtshauses aufwächst und sich mit kleineren Gaunereien über Wasser hält. Während einer Hinrichtung, die er ausnutzen möchte, um die Schaulustigen zu bestehlen, kommt es zu Tumulten. Pol wird von den Sicherheitskräften festgenommen, nun droht auch ihm der Tod. Als schon alles verloren scheint, erhält er ein Angebot von der Führung der Stadt Carcosa, durch das er sein Leben retten könnte.

Während die drei Hauptfiguren bemüht sind, ihre eigenen Schicksale zu meistern und irgendwie zu überleben, liegt über allem der Schatten einer heraufziehenden Dunkelheit, die jedes Volk auf seine Weise wahrnimmt.

 

Meine Meinung:

Vorausschicken möchte ich, dass ich den Schreibprozess dieses Romans als Betaleserin begleitet habe. Nun ist Meinung stets subjektiv, doch mag in diesem Fall die Meinung noch etwas subjektiver sein, auch wenn ich bemüht sein werde, während des Verfassens dieser Zeilen mit etwas Abstand auf das Werk zu blicken.
Doch auch mit Abstand bleibt ein überwiegend positiver Eindruck, denn ‚Ein Reif von Eisen‘ hat etwas geschafft, was nicht viele Fantasyromane schaffen: ich hatte Lust, die Geschichte zu lesen.
Ich bin keine Fantasyleserin, nur vereinzelt  verirrt sich ein Roman aus diesem Genre in meine Hände und so war ich entsprechend skeptisch, als ich mit der Lektüre der Königschroniken begann. Diese Skepsis legte sich schnell. Das mag damit zusammenhängen, dass es sich nicht um High Fantasy handelt. Wer auf Zwerge, Elfen, Drachen hofft, ist hier falsch. Bislang zumindest, denn ich weiß ja nicht, was sich der Autor für die folgenden drei Bände noch alles ausgedacht hat 😉
Die Welt, in der sich unsere Protagonisten bewegen, ist erfreulich normal. Natürlich gibt es fantastische Elemente, vor allem das Reich der Esche, in dem alles mit der Esche verbunden ist, mehr noch: in der Esche stattfindet, entspricht selbstverständlich nicht der Welt, wie wir sie kennen. Dennoch wirkt auch das dort beschriebene Leben in gewisser Weise unserem (vor einigen hundert Jahren) ähnlich. Das wichtigste Bild, das uns durch diesen Baum vermittelt wird, ist das Leitmotiv, das sich durch den gesamten Roman zieht. Es ist alles mit allem verbunden.
Dieser Ansatz begegnet dem Leser in der einen oder anderen Form immer wieder. Dieses Bild und wie es gezeichnet wird, gefiel mir gut. Es regt zum Nachdenken an, auch zum Sinnieren darüber, wie das mit Ursache und Wirkung in unserer Welt ist und vor allem macht es neugierig darauf, wie die einzelnen Handlungsstränge, die nach dem Vorstehenden offensichtlich auch miteinander verbunden sind, zueinander geführt werden. Noch haben die Hauptfiguren und ihre Völker voneinander getrennte Leben, doch gewisse Ahnungen, in welche Richtungen sich Verbindungen entwickeln könnten, erwachen beim Lesen von Band 1 bereits.

Die Protagonisten sind mir alle recht schnell ans Herz gewachsen. Sölva ist mit ihren zwölf Jahren bereits sehr erwachsen, in Anlehnung daran, dass Menschen zu früheren Zeiten bereits sehr jung deutlich mehr Verantwortung zu tragen hatten als heutzutage, mag das kindliche Alter im Kontrast zu ihrem erwachsenen Auftreten jedoch Sinn ergeben.
Der Kleinganove Pol hingegen wirkt mit seinen 15 Jahren durchaus passend, ich sah während des Lesens den Lausbuben geradezu vor mir stehen.
Leyken wirkt insgesamt reifer und abgeklärter. Dadurch, dass sie im Reich der Esche unterwegs ist, das von allen Landstrichen in diesem Roman die schönste, aber eben auch originellste Gegend ist, haben mir die Passagen mit Leyken am Besten gefallen.
Allen dreien gemein ist, dass wir bereits jetzt davon ausgehen dürfen, dass ihnen große Aufgaben bevorstehen werden.

Die Welt, in der sich die Figuren bewegen, ist lebendig gezeichnet. Die schroffe und kalte Bergwelt des Nordens entsteht ebenso selbstverständlich vor dem Auge des Lesers, wie das wunderschöne, verwunschene Reich der Esche.

Kritikpunkte finde ich kaum. Bisweilen wird die Schilderung etwas episch, so erfreue ich mich beispielsweise nicht an allzu detailliertem Schlachtgetümmel.
Darunter leidet der  gute Gesamteindruck jedoch nicht – ‚Ein Reif von Eisen‘ bleibt ein Roman, der mir als Nicht-Fantasyleserin überraschend gut gefallen hat.

 

Fazit: 

Ein gelungener Reihenauftakt, der Lust auf mehr macht und einen Blick wert ist für alle Freunde von Fantasy im historischen Gewand.

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4 Antworten to “{Rezension} Die Königschroniken. Ein Reif von Eisen | Stephan M. Rother”

  1. nilibine70 24. Oktober 2017 um 11:50 #

    Ich hatte da auch mein Augenmerk drauf gerichtet, war aber auch etwas skeptisch 😉 Doch wenn ich so lese, was Du darüber erzählst, wandert es doch mal auf die Wunschliste 🙂

    Danke für die schöne Buchbesprechung!

    Liebe Grüße
    Bine

    Gefällt mir

  2. Joel 30. Oktober 2017 um 12:33 #

    Tolle Rezension, die Lust auf mehr Buch macht! Als Fantasy Fan bin ich von dem Buch begeistert. Muss auf meine Wunschliste !
    Liebe Grüße
    Joel von Büchervegrleich.org

    Gefällt mir

  3. Ruby 31. Oktober 2017 um 11:07 #

    Grüße ^-^

    Das Buch hat mich schon angelächelt. Alleine wegen diesem tollen Cover. Und dann verspricht es echt toll zu werden. Deine Rezi jedenfalls ist toll und macht richtig Lust 🙂 Es wird wohl bald bei mir einziehen.

    Tintengrüße von der Ruby

    Gefällt mir

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