Tag Archives: Geocaching

{Rezension} Neues aus Geocaching. Geschichten von draußen | Bernhard Hoecker, Tobias Zimmermann & andere Geocacher

27 Feb

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{Rezension} Der Lavendel-Coup | Carine Bernard

21 Aug

Der Lavendelcoup

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{Gast-Rezension} Auf der Spur | Jule Blum & Elke Heinicke

26 Mai

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Autorinnen: Jule Blum, Elke Heinicke
Titel: Auf der Spur – Thriller
Seitenzahl: 221 Seiten
 ISBN-13: 978-3887697952
Verlag: konkursbuch
Veröffentlichung: 07. März 2014

„[…] manches Mal beschleicht Marie das Gefühl, das wirklich Spannende passiere nur in Büchern. Oder in den Leben anderer. Ihr eigenes plätschert so dahin. Nicht kalt, nicht heiß. Lauwarm. (Seite 12)“

Marie wohnt mir ihrer Lebenspartnerin Irene und ihrer Hündin Suse in einer Reihenhaussiedlung in Heidelberg. Dort führen sie ein unspektakuläres Leben: Irene als Lehrerin, Marie als Buchhändlerin und Suse als Kinderersatz.
Eines Tages erhält Marie einen ersten Brief. Anonym. Mit einem Hochzeitsfoto ihrer Eltern darin. Diesem Brief folgen weitere. Im Stile von Geocaching wird Marie zu Orten geführt, an denen sie nach und nach Informationen aus der Vergangenheit ihrer Eltern erfährt.
Da die Briefe zunächst anonym versendet werden, ist Marie die Angelegenheit anfangs unheimlich, aber dennoch siegt die Neugier auf weitere Informationen, so dass sie diesen Brotkrumen folgt, bis sie endlich erfährt, wer hinter den Botschaften steckt.

Dies geschieht recht früh im Buch…. bereits ab Seite 58 beginnt sich das Geheimnis zu lüften.
Der weitere Verlauf des Buches ist geprägt von einer Lebensgeschichte, die Marie neu entdecken muss. Die Vergangenheit muss teilweise umgeschrieben, das aktuelle Leben hinterfragt und letztendlich aus gewissen Zwängen heraus umgebaut werden. Gewohntes bricht auseinander und Marie muss eigene Wege aus der Krise entwickeln.
Das Ganze geschieht im Kontext einer Dreiecksbeziehung in der Marie, Irene und der Briefeschreiber die Hauptrolle spielen, geprägt und beeinflusst von den Erlebnissen der Vergangenheit, insbesondere durch das stets distanzierte Verhältnis von Marie und den Eltern.

Der Klappentext suggeriert, dass es sich bei diesem Buch um einen Thriller handelt, bei dem es hauptsächlich um die als bedrohlich empfundenen anonymen Briefe und Hinweise geht. Leider entpuppt sich das als nicht ansatzweise so spannend, wie es sich anhört, da sich das Geheimnis bereits ab Seite 58 und damit viel zu früh lüftet.
Die eigentliche Bedrohlichkeit wird nie richtig greifbar, sie findet allenfalls in Maries Kopf statt, wie auch die einzigen Thrill-Elemente im weiteren Verlauf hauptsächlich aus Maries Vorstellungen von dem entspringen, was alles passieren könnte.

„Beklommen fühlt sie sich. Wie ein kalter unförmiger Klumpen liegt es ihr im Magen, schleicht sich die Kehle hinauf. Beklommenheit. Was für ein seltsames Wort, das Marie sonst nie benutzt.(Seite 64)“

Die Autorinnen streuen hier und dort ein paar Andeutungen ein, die beim Leser mit einer subtilen Angst spielen, dass etwas passieren könnte. Und vermutlich wird. Denn es ist ja schließlich ein Thriller. Schade, dass über weite Strecken nichts passiert. Denn irgendwann greift der Mechanismus nicht mehr, dass der Leser getrieben von der gespannten Erwartung, dass nun endlich etwas passieren wird, gierig weiter liest.
Über weite Teile des Buches hinweg, funktioniert das allerdings. Unterstützt durch den sehr gut lesbaren Schreibstil habe ich das Buch an zwei Nachmittagen flüssig herunter gelesen, immer angetrieben von der Erwartung, was schließlich noch passieren wird. Ob und wann dann etwas passiert, werde ich hier nicht verraten.

Zwischendurch hat das Buch einfach gewisse Längen. Wenn die Erwartungshaltung, dass nun aber etwas passieren wird, wieder enttäuscht wird. Wenn Kapitel eingestreut werden, deren Sinn mir im Zusammenhang der Geschichte nicht einleuchtet. Zum Beispiel werden bisweilen Geocaches beschrieben.
Während der Nachtcache in Heidelberg einen gewissen Sinn ergibt, denn hier geht es um Vertrauen und Misstrauen, macht die Schilderung des Nachtcaches in Berlin (Seite 95 bis 100) in meinen Augen so gar keinen Sinn. Vielleicht erschließt sich mir der Sinn auch einfach nicht, jedenfalls fehlt mir jedweder Zusammenhang zum weiteren Handlungsverlauf.
Und wieso eine erfahrene Geocacherin „seit einer gefühlten Ewigkeit“ bei einem Nachtcache(!) vor einer Informationstafel steht, ohne darauf zu kommen, eine UV-Lampe zu benutzen, ist obendrein nicht nachvollziehbar. Vielleicht soll es demonstrieren, wie wenig die Person bei der Sache ist? Mag sein. Das wird nur den nicht-geocaching erfahrenen Lesern nicht auffallen. Und die Geocacher unter den Lesern werden vermutlich nicht anfangen, das Verhalten tiefergehend zu analysieren, sondern einfach nur den Kopf über dieses Maß an offensichtlicher Unerfahrenheit schütteln.

Mein Fazit:

Auf der Spur ist in meinen Augen kein Thriller. Die Erwartungshaltung, die beim Leser durch gezielte Anspielungen hervorgerufen wird erzeugt bisweilen eine Atmosphäre subtiler Angst, die jedoch derartig maßvoll gestreut wird, dass es nie zu einem wirklich „Thrill“ reicht, sondern allenfalls verdeutlicht, welches teils bedenkliche Psychokarussel sich in den Köpfen der Protagonisten dreht.
Lässt man dieses in meinen Augen falsche Label des Thrillers unbeachtet, so bleibt ein tauglicher Frauenroman, in dem es im weiteren Sinne um den Wert von Familie, das Hinterfragen vertrauter Strukturen und der Möglichkeit von Neuanfängen geht bzw. im engeren Sinne um die teils sehr destruktiven Auswirkungen, wenn Menschen zu sehr in der Vergangenheit gefangen sind.

Der Schreibstil ist sehr nüchtern und passt insofern zu den größtenteils sehr distanziert agierenden Personen dieses Buches. Nicht immer verstehe ich die Verhaltensweisen der Personen im Buch. Das finde ich gerade im Hinblick auf die eigentliche Hauptperson Marie sehr schade. Marie fand ich zunehmend anstrengend und ich war nahezu durchgehend von ihr genervt. Dass war natürlich als Stilmittel durchaus gewollt, trotzdem hätte ich besonderns zu Anfang gerne einige Dinge besser verstanden um einige Reaktionen später besser zu verstehen.

Insgesamt hat sich das Buch flüssig lesen lassen. Da es relativ kurz ist haben die Längen, die es bisweilen gab, nicht weiter negativ gestört und unter dem Strich war es unterhaltsam. Ohne allerdings ein Thriller zu sein.

Rana

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