Tag Archives: Psychothriller

{Rezension} Das Paket | Sebastian Fitzek

10 Nov

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[Rezension] Aus tiefster Seele | Samantha Hayes

29 Jun

Aus tiefster Seele von Samantha Hayes

Titel: Aus tiefster Seele
Autor: Samantha Hayes
Seitenzahl: 448 Seiten
Verlag: Blanvalet
Genre: Psychothriller

ISBN: 978-3-442-38257-6
Veröffentlichung: 19. Mai 2014

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Zum Inhalt:

Claudia ist glücklich als Frau des Navy-Offiziers James und Stiefmutter seiner beiden kleinen Söhne. Nun erwarten die Eheleute ihr erstes gemeinsames Kind und das Glück scheint vollkommen.
Da James berufsbedingt viel unterwegs ist, entscheiden sich die beiden, eine Nanny einzustellen, damit Claudia ein wenig Unterstützung mit den bald drei Kindern hat. Zoe erscheint mit ihren guten Referenzen perfekt für diese Aufgabe und erweist sich zunächst auch als echter Glücksgriff. Doch Claudia hat von Anfang kein Gutes Gefühl dabei, eine Fremde im Haus zu haben, und es keimen erste Zweifel an der Nanny in ihr auf, die verstärkt werden, als sie sie in ihrem Schlafzimmer erwischt.
Währenddessen hat Detective Inspector Lorraine Fisher alle Hände voll zu tun, als jemand beginnt, schwangeren Frauen schreckliche Gewalt anzutun – eine Frau und ihr ungeborenes Baby sind bereit gestorben, eine weitere Frau überlebt schwer verletzt, ihr Baby jedoch nicht. Wer wird das nächste Opfer sein?

Meine Meinung:

„Aus tiefster Seele“ hat mich aufgrund des Originaltitels „Until You’re Mine“ und des Klappentextes neugierig gemacht. Die Idee dahinter schien mir perfekt für einen Psychothriller. Meine Erwartungen wurden zum Teil erfüllt, doch es gab auch einige Schwachstellen. Und so fällt meine Meinung insgesamt zwiegespalten aus.

Das Grundgerüst der Geschichte rund um Claudia und Zoe steht prinzipiell auf einem soliden Fundament: Eine schwangere Frau stellt eine Nanny ein, um nach der Geburt Hilfe mit den dann insgesamt drei Kindern zu haben. Diese Nanny wünscht sich den geschriebenen Worten zufolge auch sehnlichst ein Kind und kommt einem mit der Zeit durch einige Situationen im Zuge ihrer Anstellung nicht ganz geheuer vor. So weit, so gut.

„Im Waschbecken lagen ein Hammer und ein Küchenmesser, beides blutig. In der Wanne tropfte der Wasserhahn, sodass sich eine weiße Spur durch das vorherrschende Rot zog. Im Abfluss steckte der Stöpsel. Die Frau in der Wanne war halb nackt, das Baby blau und leblos, die zarte Haut marmoriert.“ (Seite 38)

Leider hat die englische Autorin für meinen Geschmack aber nicht aus den Vollen geschöpft und so Potenzial verschenkt. Das Gefühl, einen Psychothriller zu lesen hatte ich eigentlich zu keinem Zeitpunkt. Dafür waren die Gedanken, die sich Claudia in Bezug auf Zoe macht einfach zu schnell und zu unbegründet da. Neben den wenigen Szenen, in denen Detective Inspector Lorraine Fisher an den Tatorten ermittelt und dem Leser so einen Einblick in das brutale Geschehen gibt, kommt lediglich noch ein wenig thrillige Atmosphäre auf, wenn Zoe sich merkwürdig verhält und ihre Handlungen und Absichten ziemlich eindeutig scheinen. Daraus ergibt sich im Prinzip schon die ganze Spannungskurve, die zwischendurch immer wieder einbricht.

Zu einem guten Thriller gehört für mich auch immer eine gute Portion Verwirrung dazu – wenn diese denn zu Beginn verwirrend und zum Ende hin immer ein wenig unverwirrender wird. Die Autorin weiß, wie man Leser verwirren kann. Doch leider hat das mit dem Entwirren bei Samantha Hayes nicht so gut geklappt. Zu viele Fragen, wenn auch nicht unbedingt alle essentiell wichtig sind, bleiben am Ende offen, denn der Fokus lag zum Schluss einfach zu sehr auf dem zugegebenermaßen guten Ende, statt auf der Beantwortungen vorheriger Fragen, die, nachdem das Ende dann gelesen war, nicht mehr so beantwortet werden konnten wie noch davor.

„Es dauert nicht mehr lange, bis ich fort bin und nichts als eine hässliche Erinnerung bleibt, ein schlechter Nachgeschmack nach einem Lauffeuer von Gerüchten.“ (Seite 190)

Sehr gut gefallen hat mir der Schreibstil. Die Autorin hat die Geschichte aus den Blickwinkeln der drei agierenden Hauptpersonen niedergeschrieben und nicht immer weiß man direkt, ob gerade die werdende Mutter Claudia, Zoe, oder Detective Fisher die Geschichte erzählt. Gerade dann, wenn es auf das Ende zugeht, entsteht dank dieser Erzählweise – zum Glück – die Spannung, die mir vorher größtenteils gefehlt hat. Erwähnenswert ist auch noch, dass die Autorin es geschafft hat, ein Szenario zu suggerieren, welches bei näherem Hinsehen auch ein ganz anderes sein kann. Klar wird einem das aber erst zum Ende hin, wenn man auf einmal mit einem staunenden Gesichtsausdruck dasitzt. Mir ging es zumindest so.

„Aus tiefster Seele“ ist für mich eher ein durchschnittlicher Thriller, denn leider ist die Geschichte nicht durchgehend thrillig und zum Ende hin auch nicht unbedingt immer logisch. Schade, denn das Potenzial für einen richtig guten Psychothriller ist auf jeden Fall vorhanden.

3

SaFi

[Rezension] Phobia | Wulf Dorn

27 Sep

1 Buch - 2 Meinungen

Phobia - Wulf Dorn

Phobia – Wulf Dorn

Titel: Phobia
Autor: Wulf Dorn
Seitenzahl: 400
Verlag: Heyne
ISBN: 978-3-453-26733-6
Veröffentlichung: 09. September 2013
Leseprobe

Zum Inhalt:

Eine Dezembernacht im Londoner Stadtteil Forest Hill. Sarah Bridgewater erwacht, als sie ihren Mann überraschend früh von einer Geschäftsreise nach Hause kommen hört. Doch der Mann, den sie in der Küche antrifft, ist nicht Stephen. Er trägt jedoch den Anzug ihres Mannes, hat dessen Koffer bei sich und ist mit Stephens Auto nach Hause gekommen. Der Fremde behauptet, Stephen zu sein, und weiß Dinge, die nur Sarahs Mann wissen kann.
Für Sarah und ihren sechsjährigen Sohn Harvey beginnt der schlimmste Alptraum ihres Lebens. Denn der Unbekannte verschwindet ebenso plötzlich wieder, wie er bei ihr aufgetaucht ist, und niemand will ihr glauben. Nur ihr Jugendfreund, der Psychiater Mark Behrendt, kann ihr jetzt noch helfen. Ein psychologisches Duell mit dem Unbekannten beginnt. Und von Stephen Bridgewater fehlt weiterhin jede Spur …

Meinung – SaCre:

„Das ist der Unterschied zwischen der Angst eines Kindes und der eines Erwachsenen, dachte sie, während sie weiter schlaflos dem Wind lauschte. Kinder fürchten sich vor irrationalen Dingen, vor unheimlichen fliegenden Männern und Monstern im Kleiderschrank, und dann schlafen sie wieder ein, weil sie ihren Eltern glauben, dass sie sie vor dem Bösen in der Welt beschützen werden. Kinder wissen noch nicht viel von den wahren Schreckgestalten, die jenseits der dunklen Fensterscheibe auf sie lauern. Von den Ängsten, die weitaus komplexer sind als jeder schwarze Mann und jedes noch so grässliche Monster. Denn sie haben kein Gesicht, keine Gestalt, sosehr man auch versucht, sie beim Namen zu nennen.“ (Seite 36/37)

Ein neues Wulf Dorn Buch. Yeah!
Das Cover lädt schon mal zum Gruseln ein. Hui, der erste Eindruck lässt sich nur mit „spooky“ oder „creepy“ beschreiben. Auf Deutsch: sehr, sehr gruselig! Das ist das dritte Buch, welches ich von diesem Autor lese. „Trigger“ und „Dunkler Wahn“ konnten mich schon sehr begeistern. Was ich hier vorfand?
Spannung und Gruseln von der ersten Seite an.

Schon die Vorbemerkung lässt ein bisschen was erahnen. Und vom ersten Kapitel an war ich als Leserin mittendrin.
Sarah Bridgewater arbeitet mittlerweile von zuhause aus. Aufgrund von diagnostizierten Phobien kam sie zu dem Entschluss, dass dies besser für sie und ihre Familie sei. Ihr Mann Stephen ist Architekt – und seit einiger Zeit sehr gefragt. Er ist oft für mehrere Tage zu Kundenbesuchen unterwegs, sodass Sarah und ihr Sohn Harvey oft alleine sind. Doch alleine schläft sie oft schlecht.
Diese Grundstimmung kann Wulf Dorn von Anfang an vermitteln. Und dann taucht auch schon unvermittelt der falsche Stephen in Sarahs Küche auf – und von da an habe ich die Luft angehalten.
Die Angst und Verwirrtheit der Protagonistin war für mich fast greifbar, so treffend waren Wulf Dorns Worte hier. Das ganze Grauen, das Sarah widerfährt, konnte ich selber spüren.
Der Psychiater Mark Behrendt, der mir aus „Trigger“ noch bekannt war, taucht auch hier noch einmal auf und begleitet Sarah durch die Geschichte. So erlebte ich mit den beiden die aufregende und furchteinflössende Suche nach der Wahrheit und dem Grund für das Auftauchen des falschen Stephens.

Was mir bei Wulf Dorn immer sehr gut gefällt: seine Charaktere sind unglaublich tief gezeichnet. Viele haben psychische Probleme, deren Bezeichnungen ich vorher noch nicht gehört habe, und über die ich mich erst einmal im Internet informiert habe. Diese Krankheitsbilder sind so komplex, dass ich voller Bewunderung den Kopf schüttle und nur denke „Respekt, dass er sich das ausgesucht hat.“. Und man merkt, dass Wulf Dorn weiß, über was er schreibt.

„Phobia“ hat mich mitgerissen und begeistert. Jedem Thriller-Fan kann ich das neuste Werk von Wulf Dorn uneingeschränkt ans Herz legen.

„Das Schicksal ist ein launischer Weichensteller. Es führt Menschen zusammen, nur um sie wieder zu trennen. Und wenn es ihm gefällt, begegnen sie sich wieder – auf Wegen, die man sich in seiner wildesten Fantasie nicht vorstellen kann.“ (Seite 23)

5

Meinung – SaFi:

Nun musste ich es auch endlich mal tun. Bei dem Cover blieb mir auch gar nichts anderes übrig. Ich habe mein erstes Buch von Wulf Dorn gelesen. Und, ich nehme es schon mal vorweg, es wird bestimmt nicht das Letzte gewesen sein…

Der Einstieg in das Buch gestaltet sich genau so, wie ich es mir von einem Thriller erhoffe, und in den meisten Fällen auch erwarte. Ohne eine genaue Ahnung zu haben, erfährt man Vieles und es wird einem der Mund wässerig gemacht. Man möchte am liebsten sofort wissen, was das alles zu bedeuten hat…

„Die Angst war aus der Stille gekommen. Als habe sie auf den richtigen Moment gelauert, um dann mit aller Macht über sie und ihre Familie hereinzubrechen.“ (Seite 23)

Wulf Dorn hat eine bedrückende Atmosphäre geschaffen, die perfekt mit dem winterlichen London harmonisiert. Direkt von Beginn an wirkt die Story unglaublich dicht. Die Frage, wie ich mich verhalten würde, wenn ich mitten in der Nacht einem fremden Mann in den Kleidern meines Freundes in unserer Küche gegenüberstehen würde, der dann auch noch behauptet, mein Freund zu sein, beschäftigte mich anfangs sehr. Doch schon bald rückte dieser Aspekt in den Hintergrund und ein anderer tauchte stattdessen auf. Was würde ich tun, wenn mir keiner glauben würde? In dieser Hinsicht konnte ich Sarah, auch wenn ich ansonsten nicht besonders viel mit ihr anfangen konnte, sehr gut verstehen.

„Wer konnte schon sagen, was im Kopf eines Mannes vor sich ging, der in fremde Häuser eindrang, um dort, mit einem Messer in der Hand »Familie« zu spielen?“ (Seite 57)

Aus wenig macht Wulf Dorn viel. Mit anderen Worten: Er braucht keine blutrünstigen Gemetzel niederzuschreiben, um mich als Leser in Angst und Schrecken zu versetzen. Er schafft das mit normalen, fast alltäglichen Szenen, die aufgrund der besonderen und extremen Situation, der Sarah ausgesetzt ist, aber an Nervenkitzel kaum zu überbieten sind.

Der Spannungsbogen lebt von den unterschiedlichen Schauplätzen, den wechselnden Sichtweisen und den großen Fragen „Wo ist Stephen?“ und „Was ist der Plan den Unbekannten?“. Natürlich erhält man darauf ausreichende und durchaus überraschende, teilweise sogar bedrückende, Antworten. Doch der Weg dahin verlangte mir, trotz aller Spannung, ein- oder zweimal doch ein wenig Durchhaltevermögen ab.

„Weißer Schaum quoll aus seinem Mund. Er begann spastisch zu zucken, und sein Darm entleerte sich. Dann verdrehte er die Augen, und ein weiterer Schwall weißen Schaums ergoss sich über sein Kinn und auf sein T-Shirt. Er krampfte ein letztes Mal, dann war es vorbei.“ (Seite 270)

„Phobia“ war mein erstes Buch von Wulf Dorn und hat mich, alles in allem, begeistern können. Auch ohne derbe Abschlachtszenen gelingt es dem Autor, eine ungemein spannende Geschichte zu erzählen, die mich zum Ende hin sogar ein wenig berühren konnte. Fans von gut durchdachten und ebenso gut umgesetzten Psychothrillern werden sicher auf ihre Kosten kommen.

4

Der Nachtwandler [Rezension]

29 Mrz

1 Buch - 2 MeinungenDer Nachtwandler

Autor: Sebastian Fitzek
Titel: Der Nachtwandler
Seitenzahl: 320
ISBN: 978-3-426-50374-4
Verlag: Knaur TB
Veröffentlichung: 14. März 2013
Leseprobe
 

Zum Inhalt:

In seiner Jugend litt Leon Nader an Schlafstörungen. Als Schlafwandler wurde er während seiner nächtlichen Ausflüge sogar gewalttätig und deswegen psychiatrisch behandelt. Eigentlich glaubte er geheilt zu sein – doch eines Tages, Jahre später, verschwindet Leons Frau unter unerklärlichen Umständen aus der gemeinsamen Wohnung. Ist seine Krankheit etwa wieder ausgebrochen? Um zu erfahren, wie er sich im Schlaf verhält, befestigt Leon eine bewegungsaktive Kamera an seiner Stirn – und als er am nächsten Morgen das Video ansieht, macht er eine Entdeckung, die die Grenzen seiner Vorstellungskraft sprengt: Sein nächtliches Ich steigt durch eine ihm völlig unbekannte Tür hinab in die Dunkelheit …

Meinung

SaCre

Ein neuer Fitzek! Juhuuu!

Ein paar Bücher habe ich bisher von ihm gelesen. Mit entsprechend hohen Erwartungen bin ich also an die Geschichte heran gegangen.

Was ich hier fand? Eine Story, die von Null auf Hundert startet. Mittendrin statt nur dabei. Das kann Herr Fitzek. Das weiß ich.

Als Leser begleiten wir Leon nun also durch sein Abenteuer – durch seine schlaflosen Nächte. So viel mag ich hier verraten ohne zu Spoilern. Was Leon hier erlebt ist unglaublich, verwirrend, unfassbar und eine ganze Menge.

Und genau hier liegt für mich der kleine Kritikpunkt: ich hätte mir an einigen Stellen gewünscht, dass nicht alles Schlag auf Schlag geht; wir dafür etwas mehr Emotionen von Leon und Einblick in sein Seelenleben bekommen. Hier und da wirkte der Verlauf der Geschichte für mich sehr konstruiert. Ich weiß, dass der Autor das besser kann!

Die Verdachtsmomente, die ich zwischendurch gehegt habe, wurden immer wieder bekräftet, entkräftet und über den Haufen geworfen. Als die Geschichte auf das furiose Finale zusteuerte, war ich erst einmal total verwirrt. Meine Thesen liefen wohl alle ins Leere. Aber war es wirklich so? Das bleibt erst mal mein Geheimnis 🙂
Aber auch noch nach Stunden des Lesens grübele ich über das Ende nach und frage ich, wie ich das wohl deuten soll?

Das Thema des Buches ist sehr interessant. Ich habe auch zwischendurch dazu ein bisschen im Internet recherchiert. Ich finde es super, dass der Autor es schafft, für das Thema so mein Interesse zu wecken.

Tja, und dann die Danksagung. Lieber Sebastian Fitzek, ohne dir zu nahe treten zu wollen… Aber das finde ich doch GRUSELIG!
Das schlimme daran ist: ich frage mich gerade tatsächlich, was ich wohl im Schlaf mache. Bin ich jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe, überhaupt wach?

„Diesmal hatte er es ohne Strampeln und Schreien geschafft, sich aus dieser Umklammerung seines Alptraums zu reißen. Er wusste, fast jeder zweite Mensch hatte in seinem Leben ähnliche Erfahrungen erlitten wie er und war schon einmal in der Schattenwelt zwischen Schlafen und Wachen gefangen gewesen. Eine Schattenwelt, umstellt von Torwächtern, die sich nur mit äußerster Willenskraft vertreiben ließen. Oder durch eine paradoxe Störung von außen. Wenn zum Beispiel jemand mitten in der Nacht grelles Licht anschaltete, laute Musik spielte, eine Alarmanlage ansprang oder wenn … wenn jemand weinte?“ (Seite 17)

SaFi

Was war das denn bitte? Das meine ich nun nicht negativ – ganz im Gegenteil. Ich bin immer noch völlig wuschig im Kopf. Und verwirrt. Und sprachlos. Und…

Ich habe schon viele, sehr viele Thriller gelesen. Kunststück – Bücher dieses Genres gehren ja seit jeher zu meinem bevorzugten Lesestoff. Somit habe ich auch schon einige Psychothriller gelesen. Viele gute, ein paar schlechte. Aber… kein Psychothriller hat diese Bezeichnung, für meinen Geschmack, jemals mehr verdient als „Der Nachtwandler“.

Sebastian Fitzek hat dafür gesorgt, dass es mir während des Lesens schlichtweg nicht möglich war, das Buch aus den Händen zu legen. Nach dem Lesen wollte es mir lange Zeit nicht gelingen einzuschlafen. In diesem Sinne: Vielen Dank für die „lieben Wünsche“ am Ende des Buches, Herr Fitzek – bei mir hat es funktioniert. 😉

Ich habe fast ein wenig Schiss, diese Rezension zu schreiben. Denn ich möchte eigentlich so wenig wie möglich verraten, damit ich mir im Nachhinein nicht irgendwelche Vorwürfe machen (lassen) muss. Zum Glück verrät der Buchrücken nicht zu viel. Ich wollte möglichst unvorbereitet in diese Geschichte eintauchen. Mich von ihr packen lassen. Dies ist der Geschichte auch zweifelsohne gelungen. Mehr noch: Sie hat mich nicht mehr losgelassen.

Zusammen mit Leon Nader erwacht man als Leser und spürt sofort, dass dieser Tag kein guter werden kann. Und die folgenden wahrscheinlich auch nicht. Die Geschichte, die Sebastian Fitzek hier zu Papier gebracht hat, ist rasant, schonungslos und vor allem eines: Angsteinflößend. Zumindest empfand ich es so. Quasi „Paranormal Activity“ im eigenen Schlafzimmer. Während des Lesens befand ich mich in einem Sog. Gemeinsam mit Leon habe ich irgendwie versucht zu verstehen, was da vor sich geht. Gelungen ist es mir nicht. Zumindest so lange nicht, bis die Auflösung des Ganzen mich sprachlos, verstörend und fast noch ängstlicher zurückgelassen hat, als die gelesenen Seiten zuvor.

Das zugrunde liegende Thema des Buches ist mir so zuvor noch nie über den Weg gelaufen. Aber auch hier möchte ich nicht zu viel verraten. Nur so viel noch: Am Ende des Buches, in der Danksagung des Autors, bekam das Ganze noch mal eine ganz andere Dimension für mich. Und jedem, der sich sonst eben diese Danksagungen spart, möchte ich dringend dazu raten, sie bei diesem Buch zu lesen.

„Leon kannte das Gefühl, das er nun nicht mehr zu ignorieren vermochte. Wie eine Grippe hatte es mit Symptomen begonnen, die man anfangs verdrängen kann, die sich aber schon bald nicht mehr unterdrücken lassen und irgendwann den gesamten Körper im Klammergriff halten: Er hatte Angst. Und das vor einer konkreten Person, die sich hier unten aufhielt und der er noch nie zuvor in seinem Leben begegnet war, obwohl sie sich immer in seiner Nähe befand: Er hatte Angst vor sich selbst. Vor seinem zweiten, schlafenden Ich.“ (Seite 110/111)

Bewertung

SaCre

Für mich nicht das beste Buch von Herrn Fitzek, aber die Bewertung wird wirklich nur minimal geschmälert. Und selbst ein Fitzek in Nicht-Höchstform (nur meine persönliche, bescheidene Meinung!) ist ganz klar mit das Beste, was Deutschland in diesem Genre zu bieten hat. Auch so bereitet er schlaflose Nächte und führt einem bildhaft das Grauen vor Augen.

LESEEMPFEHLUNG!

4 Herzen

SaFi

Ich ziehe meinen imaginären Hut vor Sebastian Fitzek und muss zugeben, dass ich mich fast ein wenig schäme, weil ich bislang noch kein Buch des Autors gelesen habe. Obwohl schon seit längerem zwei seiner Werke im meinem Regal stehen. Vielleicht habe ich mir durch das Lesen des aktuellen Buches nun auch ein Eigentor geschossen. Denn viel besser können seine früheren Bücher nicht sein. 🙂

Abschließend möchte ich nur noch eines sagen: LESEN! LESEN! LESEN!

5 Herzen

Der Sarg [Rezension]

10 Feb

Der Sarg

Autor: Arno Strobel
Titel:
Der Sarg
Seitenanzahl: 384
ISBN: 978-3-596-19102-4
Verlag: FISCHER Taschenbuch

Zum Inhalt:

Die Kölner Zeitungen werden von der Meldung dominiert, dass eine junge Frau tot aufgefunden wurde – in einem Sarg. Hauptkommissar Bernd Menkhoff nimmt die Ermittlungen auf.

Eva erwacht in einem Sarg. Wie sie dahin gekommen ist, weiß sie nicht. Panik ergreift sie, sie versucht ihrem Gefängnis irgendwie zu entkommen, aber das scheint unmöglich zu sein. Und doch ist sie auf einmal wieder in ihrem Haus. Nur ein Traum? Aber wo kommen dann ihre Verletzungen her?

Meine Meinung:

Was mir bereits nach wenigen, der schön knapp gehaltenen, Kapitel positiv aufgefallen ist, waren die ständigen Perspektiv- und Schauplatzwechsel. Vor meinem inneren Auge läuft zwar grundsätzlich ein Film ab während ich ein Buch lese, aber diese Art der Erzählung verstärkte den Effekt noch zusätzlich und hat mir sehr gut gefallen.

Arno Strobel hält sich nicht mit langen, einleitenden Worten auf. Man ist als Leser sofort mittendrin und spürt förmlich am eigenen Leib, wie die Luft in dem Sarg, in dem Eva eingesperrt ist, immer knapper wird und Evas Panik ergreift von einem selbst Besitz.

„Sie wand sich, versuchte sich umzudrehen, noch immer hustend, schaffte es nicht. Sie verschluckte sich, drohte zu ersticken. Einem epileptischen Anfall gleich zuckten ihre Gliedmaßen unkontrolliert, knallten in einem unregelmäßigen Stakkato gegen die Wände und den Deckel. Sie verlor in ihrer panischen Raserei komplett die Orientierung, wand sich und schlug mit aller Kraft nach allen Seiten.“ (S. 11)

Die Story ist gut durchdacht, befasst sich mit einem interessanten Thema und ist so richtig schön thrillerlike. Anfangs scheint alles sehr verworren zu sein und wenig Sinn zu machen. Nach und nach werden Fährten gelegt, Vermutungen angestellt, Hintergründe beleuchtet. Irgendwann kommt dann der Punkt, an dem man sich denkt: Na klar, so muss es sein. Bei mir war es zwar der Fall, dass sich eine meiner Vermutungen, die ich während des Lesens angestelle, bewahrheitet hat, andere dafür aber nicht. So ging die Spannung dennoch nie verloren und das Ende und vor allem die Auflösung haben mich sprachlos gemacht.

Nach und nach wird man in das Leben der einzelnen Protagonisten eingeführt. Man erfährt so einiges von Eva und auch von Menkhoff, der wohl schon in mindestens einem anderen Thriller von Arno Strobel den Ermittler darstellt. Ich kann mich dazu nicht weiter äußern, da dieser Thriller – Asche über mein Haupt – mein erster von Arno Strobel war. Das wird sich nach diesem Pageturner aber definitv ändern.

>>Warum fesselt er ihre Handgelenke, lässt ihnen aber so viel Platz, dass sie sie ein gutes Stück in alle Richtungen bewegen können?<<, überlegte Reithöfer laut. (S. 106)

All die Dinge, die ich von einem richtig guten Thriller erwarte, habe ich in „Der Sarg“ vorgefunden. Ein gut umgesetztes Thema gepaart mit einem perfiden Killer, einem sympathischen Ermittler, der aber keineswegs 08/15 ist, einer Story, die von Anfang an fesselt und einem furiosen Ende mit durchaus schockierender Auflösung.

Für mich definitiv ein Must-Read-Thriller.

5 HerzenSaFi

Der Trakt [Rezension]

11 Mrz

Autor: Arno Strobel
Titel: Der Trakt
Seitenzahl: 368
ISBN: 978-3596186310
Verlag: Fischer Taschenbuch Verlag

 

 

Zum Inhalt:

»Und wer bist du wirklich?«
Der Weg durch den nächtlichen Park, der Überfall all das weiß sie noch, als sie aus dem Koma erwacht. Ihre Erinnerung ist völlig klar: Sie heißt Sibylle Aurich, ist 34 Jahre alt, lebt mit Mann und Kind in Regensburg. Sie scheint fast unversehrt. Und doch beginnt mit ihrem Erwachen eine alptraumhafte Suche nach sich selbst. Zwar hat Sibylle ihr Gedächtnis behalten, die Welt aber hat offenbar die Erinnerung an Sibylle verloren: Ihr Mann kennt sie nicht, von ihrem eigenen Hochzeitsfoto starrt ihr das Gesicht einer Fremden entgegen, und niemand hat je von ihrem Sohn Lukas gehört! Wurde er entführt? Hat er nie existiert? Und wem kann sie überhaupt noch trauen?

Meine Meinung:

Ich wagte mich gemeinsam mit dem Autor Arno Strobel in den Trakt. Ich fieberte mit Sybille Aurich mit, ich litt mit ihr und erlebte all die unglaublichen und unfassbaren Momente gemeinsam mit ihr. Wie ist das wohl, wenn man nicht man selbst zu sein scheint? Wie ist es wohl, wenn keiner weiß, wer du bist? Wenn auch dein Mann und deine beste Freundin dich plötzlich nicht mehr erkennen? Wie ist es wohl, wenn dein Sohn plötzlich nicht mehr zu existieren scheint? Wie ist es wohl, wenn dein ganzes Leben eine Lüge ist? Lesen! Dann wisst ihr es. Lasst euch von Arno Strobel mit auf diese unglaubliche Reise nehmen. Wirklich empfehlenswert.

SaCre

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