{Rezension} Ich treffe dich zwischen den Zeilen | Stephanie Butland

29 Dez

Autor: Stephanie Butland
Titel:
Ich treffe dich zwischen den Zeilen
(OT: Lost for words)
Übersetzung: Maria Hochsieder-Belschner
ISBN: 978-3426520758
Seitenanzahl: 320 Seiten
Verlag: Knaur

Veröffentlichung: 2. Oktober 2017
>>Leseprobe<<

Natürlich gibt es da die einfache Liebe zur Literatur:  Das Bewusstsein, dass es eine Fluchtmöglichkeit gibt, dass da ein Ort ist, an dem Herz und Geist ungehemmt herumtollen können. (Seite 31)

 

Zum Inhalt:

Loveday hat eine traumhafte Kindheit, bis ihr die Eltern ganz plötzlich genommen werden, und sie sich von einem Moment auf den nächsten im staatlichen Fürsorgesystem wiederfindet. Sie igelt sich ein, sucht Zuflucht in  Büchern und versucht, für den Rest der Welt unsichtbar zu sein. Nur zu ihrem Chef und väterlichen Freund Archie, Inhaber eines Antiquariats, hat sie ein gutes Verhältnis.

Als Nathan in ihr Leben tritt, verändert sich alles. Sie muss erkennen, dass es manchmal richtig ist, Menschen zu vertrauen.

 

Meine Meinung:

„Ich treffe dich zwischen den Zeilen“ ist ein wunderschöner Roman. Bücher spielen eine zentrale Rolle, ebenso wie Poesie. Generell finden sich viele schöne Formulierungen, die Autorin und auch die Übersetzerin wissen mit Worten umzugehen.

Lovedays Verletzlichkeit und wie sie sich hinter ihrer vermeintlich harten Fassade doch nach Geborgenheit sehnt, wird eindringlich dargestellt.

„Ich konnte mich nur ins Schweigen flüchten, weil alle Stimmen, die ich zu hören bekam, weder von dem einen noch dem anderen Menschen stammten, deren Stimmen ich eigentlich hören wollte. Niemand behelligt ein Kind, das liest. Also las ich.“ (Seite 288)

Auch die anderen Personen sind treffend gezeichnet. Niemand bleibt blass und eindimensional. Am interessantesten ist Archie, Lovedays Chef, Mentor und väterlicher Freund.

Die Liebesgeschichte zu Nathan bildet zwar den Katalysator für die Veränderungen in Lovedays Leben, bleibt jedoch im Hintergrund. Dieses Buch ist kein Liebesroman im eigentlichen Sinne. Vielmehr geht es um Lovedays Vergangenheit, die in Rückblenden erzählt wird und erklärt, wie aus dem glücklichen Kind diejenige wurde, die sie wurde. Gegen Ende gelingt es Archie und Nathan, Loveday mehr und mehr aus ihrem Schneckenhaus zu locken, dennoch ist es nicht einfach für Loveday, Vertrauen zu fassen. Auch diese Fragilität wird gut eingefangen.

Mich hat die Geschichte abgeholt. Ich habe das Buch zwischenzeitlich nur widerwillig aus der Hand gelegt. Man schließt Loveday schnell ins Herz und möchte einfach, dass sie endlich erkennt, dass es auch Menschen gibt, die es gut mit ihr meinen. Die zarte Bande zwischen ihr und Nathan, der instinktiv begreift, mit welcher Vorsicht er Loveday behandeln muss und aus Liebe bereit ist, das zu tun, geht zu Herzen und Archie ist ohnehin der geheime Held des Buches.

Die Sprache ist schön, sie hebt sich vielfach angenehm vom Durchschnitt ab, ohne anstrengend zu werden. Loveday als Ich-Erzählerin hat viele tiefsinnige Ansichten, kann jedoch auch witzig und schlagfertig sein.

„Ich habe es [Anmerkung der Verfasserin: das Buch, das Nathan aus der Tasche gefallen ist] auf dem Gehsteig gefunden“, sagte ich. Es klang wie eine Anklage. Das störte mich nicht. Die Poesie hat es schon schwer genug, da müssen die Leute sie nicht auch noch wegwerfen. (Seite 18)

 

Fazit:

Eine wunderschöne, eher stille Geschichte mit liebenswerten Charakteren. Eines meiner Lesehighlights 2017!

Rana

2 Antworten to “{Rezension} Ich treffe dich zwischen den Zeilen | Stephanie Butland”

  1. Joel Kellmann 3. Januar 2018 um 00:39 #

    Mich überzeugte die Inhaltsangabe anfangs nicht. Irgendwie klang es langweilig und bessere Cover habe ich auch schon gesehn. Durch deine Rezension habe ich allerdings erfahren, dass man besser nicht vorher urteilen sollte, denn nun finde ich „Ich treffe dich zwischen den Zeilen“ alles andere als langweilig!
    Liebe Grüße
    Joel von Büchervergleich.org

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    • Rana 6. Januar 2018 um 13:28 #

      Prima – ich freue mich, wenn ich Dich trotz vorheriger Bedenken auf das Buch neugierig machen konnte. Natürlich sind Geschmäcker verschieden, doch meiner Meinung nach ist dieser Roman defintiv einen Blick wert.

      Viele Grüße,
      Rana von den bookwives

      Gefällt mir

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