{Rezension} Die Akte Zodiac (Folge I – IV) | Linus Geschke

7 Nov

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Autor: Linus Geschke
Titel:
Die Akte Zodiac, Folge I – IV
Seitenzahl: 
ca. 76 Seiten pro Folge
ISBN:
978-3-95530-818-6 (Folge I)
Verlag: 
edel elements
Veröffentlichung:
07. Oktober 2016
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Er hatte schon viel zu lange gewartet und das Gefühl der Jagd vermisst, welches ihn über all die herrenlosen Schafe erhob, deren ausschließlicher Lebensinhalt aus Sex, Arbeit und der Beschaffung von Nahrung bestand. (Seite 30 v. 63, Teil 3 epub-Version)

 

Inhalt:
Ein Serienmörder macht die Region rund um Köln unsicher und die Polizei tritt auf der Stelle.
Bewegung kommt in die Sache erst, als sich der Fallanalytiker Dr. Marco Brock in die Ermittlungen drängt.
Während es privat insbesondere zwischen Kommissarin Eva Lendt und dem Profiler kracht, funktioniert die Zusammenarbeit auf beruflicher Ebene immer besser und sie erhalten ein deutlicheres Bild von dem Täter, der die Morde des »Zodiac« Killers Ende der 1960er Jahre in den USA kopiert.
Parallel zur Polizei machen sich auch drei jugendliche Internatsschüler daran, sich an die Fersen des Zodiac-Killers zu heften.

.

Meine Meinung:
Das Wichtigste zuerst, bevor leider ein paar »Abers« kommen: Die Geschichte ist spannend.
Der Leser blickt aus unterschiedlichen Perspektiven auf das Geschehen, so lernt man Marco Brock, Eva Lendt und die Gedankenwelt des Killers kennen.
Während es auch Einblick in das Privatleben von Marco und Eva gibt, bleibt Evas Kollege Oliver Lamprecht farblos.
Zudem geht es recht detailliert um die drei Internatsschüler Kai, Philipp und Adam, sowie das Mädchen Julia, die ebenfalls das Internat besucht.
Bei einigen weiteren Nebendarstellern ist mir die Funktion als red herring (also falsche Fährte) klar, andere empfinde ich schlicht als überflüssiges Füllmaterial.
Was beispielsweise ein ziemlich langes Gespräch zwischen der Internatsleiterin und einem der Jungen soll, ist für mich nicht nachvollziehbar. Sowohl die pädagogischen Gedankengänge der Direktorin, als auch der Inhalt des Gesprächs sind völlig belanglos für die Geschichte.

Überhaupt ist der ganze Teil rund um die vier Jugendlichen auf dem Internat für mich viel zu viel TKKG. Die Auflösung, wie ausgerechnet vier Halbwüchsige das schaffen, was einem kompletten Polizeiapparat nebst Koryphäe auf dem Gebiet des Profiling nur unter Schwierigkeiten gelingt, ist gemessen an dem Umfang, in dem die Möchtegern-Detektive in dem Roman vertreten sind, viel zu knapp bemessen und stellt mich als Leserin nicht zufrieden.
Dem Buch hätte nichts – außer ein paar Seiten – gefehlt, wenn dieser ganze Komplex zusammengestrichen worden wäre. Die Funktionen, die den drei Jugendlichen im Verlaufe der Geschichte zukommen, hätte der Autor eleganter einbringen können.
So bleibt für mich der unschöne Eindruck des Füllmaterials, damit die Geschichte den angestrebten Umfang erreicht. Das zieht meine ansonsten gute Bewertung deutlich nach unten. Denn – um es klar zu sagen – der Rest ist in meinen Augen gelungen. Die Verknüpfung der damaligen Geschehnisse in den 1960er Jahren ist spannend, Dr. Marco Brocks Entwicklung vom absolut unsympathischen Selbstdarsteller zu einem interessanten Mann ist gut beschrieben, wobei die anderen Figuren leider etwas flach bleiben und auch die eingestreuten red herrings haben mich angenehm in die Irre geführt.
Das Ende fand ich etwas abrupt. Hier wurden für mich auch nicht alle Fragen geklärt (welche das sind, kann ich an dieser Stelle leider nicht verraten, weil ich dann Teile der Lösung offenlegen müsste).

Der Thriller kam in vier Bände zerstückelt heraus. Erst alle vier Teile zusammen ergeben den kompletten Roman. Es ist also keine Serie oder Reihe, sondern ein zerschnittenes Buch. Der Verlag wird sich sicher kluge Gedanken dazu gemacht haben, ich persönlich hoffe, dass dieses Modell keine Nachahmer findet. EBooks haben es schwer genug, mit »richtigen«, »echten« Büchern zu konkurrieren, auch ohne dass man anfängt, mit den Lesern zu experimentieren.

 

Fazit:
Die Akte Zodiac punktet mit dem spannenden Ansatz, die Taten eines amerikanischen Serienkillers in die Region um Köln zu transportieren. Der Handlungsverlauf ist überwiegend fesselnd, auffallend langatmige oder belanglose Passagen gibt es nicht, mit Ausnahme der überflüssigen an TKKG erinnernden Szenen.
Mein Gesamteindruck ist der eines im Wesentlichen gelungenen Thrillers mit einigen Schwächen, der dennoch spannende Lesestunden beschert.

 

Rana

3 Antworten to “{Rezension} Die Akte Zodiac (Folge I – IV) | Linus Geschke”

  1. Tintenelfe 10. November 2016 um 07:24 #

    Was mich bisher trotz meiner Neugier von dem Buch abgehalten hat, ist die Frage, ob es eklig und brutal ist. Nachdem der Verlag mit „für Fans von … (lauter Autoren mit Freude an Folter- und Ekelszenen) wirbt“, trau ich mich nicht ran. Auf meine Nachfrage unter der Facebook-Werbung wurde leider nicht geantwortet. Kannst du mir was dazu sagen?

    LG
    Mona

    Gefällt mir

    • Rana 10. November 2016 um 13:30 #

      Hallo Mona,

      das kann ich gerne beantworten 🙂

      Ich fand es weder eklig noch brutal, und ich bin eigentlich empfindlich, was das angeht.
      Es fließt zwar an wenigen Stellen Blut, aber in einem normalen Thriller- Umfang. Übermäßige Gewaltdarstellung gibt es nicht.

      Viel Spaß mit dem Roman
      und viele Grüße,
      Rana

      Gefällt 1 Person

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