{Rezension} Das Paket | Sebastian Fitzek

10 Nov

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Autor: Sebastian Fitzek
Titel: Das Paket
Seitenzahl: 368 Seiten
ISBN: 978-3-426-19920-6
Verlag: Droemer
Veröffentlichung: 26. Oktober 2016
Leseprobe
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„So wie ein Alkoholiker weiß, was er tut, wenn er das Glas zum ersten Schluck ansetzt, wusste Emma, was sie tat, als sie die Paketschnur löste. Sie brach auf zu der gefährlichsten Etappe ihrer selbstzerstörerischen Reise, tief hinein in die Elendsviertel ihrer sinnlosen Existenz.“ (Seite 178)

Dr. Emma Stein ist Psychiaterin. Bei einem Kongress in Berlin hält sie einen Vortrag, der nicht nur sehr viel Aufsehen erregt, sondern die Teilnehmer zu verstören scheint. Als sie abends in ihrem Hotelzimmer ist, passiert etwas sehr Schlimmes: sie wird vergewaltigt. Der Täter ist der Polizei kein Unbekannter. Er ist „der Friseur“, der sich vor ihr schon an zwei weiteren Frauen vergangen hat. Doch im Gegensatz zu den vorherigen Opfern lässt er Emma überleben. Und das wiederum lässt die Polizei an ihrer Aussage zweifeln.
Immer mehr Indizien sprechen gegen die Version der jungen Frau. Doch sie steht zu dem, was sie gesagt hat. Natürlich geht dieses Thema nicht spurlos an ihrer Beziehung vorbei. Emma ist nur noch ein Schatten ihrer selbst. Gemeinsam mit ihrem Mann Philipp, der Ermittler beim BKA ist, verwandelt sie ihr kleines Häuschen in einen Hochsicherheitstrakt.

Aus dem Haus geht sie gar nicht mehr. Und sie öffnet die Tür nur, wenn sie jemand Bekannten davor stehen sieht. In dieser Blase fühlt sie sich einigermaßen sicher. Sofern man das in ihrem Zustand sagen kann. Bis eines Tages der Postbote Samur vor der Tür steht und sie bittet, ein Päckchen für ihren Nachbarn anzunehmen…

„Werte Kollegen, Sie haben die Testperson auf dem Video nur von hinten und mit gefärbten Haaren gesehen, aber die Frau, die gegen ihren ausdrücklich erklärten Willen erst narkotisiert und dann zwangsweise mit Stromstößen behandelt wurde, diese Frau war – ich.“ (Seite 26)

Ein neuer Fitzek! Yeah! Mehr muss man dazu nicht sagen, oder? 😀 Ich war total glücklich, dass ich das Buch mit in Urlaub nehmen und abends mit einem Glas Rotwein in der Hand lesen konnte. Aber mal ganz ehrlich: wenn man auch noch so gemütlich am Kamin sitzt, das Feuer knistert… man dann plötzlich in einer total spannend und erschreckenden Szene steckt – und dann plötzlich eine Hyäne in Hausnähe ihr hässliches Lachen durch die Nacht ertönen lässt… da fängt das Herz doch schon an zu pumpen…

Sebastian Fitzek hat es bereits mit dem Prolog geschafft, mich zu verwirren. Ich habe die ganze Zeit versucht, diesen zu verstehen. Doch das war direkt zu Beginn natürlich nicht besonders Erfolg versprechend. Die junge Emma hat einen Geist im Kleiderschrank, der Arthur heißt. Natürlich hat sie ihn nie gesehen, sie unterhalten sich nur durch die geschlossene Schranktür hindurch. Doch eines Nachts tritt er aus dem Schrank heraus… Dank vieler Therapiestunden später hat die Endzwanzigerin nur noch blasse Erinnerungen an diesen imaginären Freund.
Dann ist man als Leser auch schon mittendrin in der Geschichte und erlebt Emma bei ihrem Vortrag vor Psychiater-Kollegen. Und das, was sie dort erzählt hat, hat mich schockiert. Sie spricht über das Rosenhan-Experiment. Das musste ich zuhause natürlich erst einmal recherchieren. Ich finde das ganz schön gruselig; doch hat das Thema mich auch gleichermaßen fasziniert. Wer mehr darüber erfahren möchte, gelangt >>hier<< zum Wikipedia Eintrag. Vielleicht sollte ich mir auch mal abgewöhnen, diese Themen aus Psychothrillern zuhause nachzuschlagen.

Emma als Protagonistin hat mich auch etwas an meine Grenzen gebracht. Das ganze Buch über war ich mir unsicher, ob ich ihr glauben soll oder nicht. Mal war ich der Überzeugung, dass sie nicht irren kann, dann beschlich mich wieder ein anderes Gefühl. Hatte ich nun Mitleid mit ihr oder sollte ich mich davon distanzieren?
Ihr Mann Philipp war für mich stellenweise ein rotes Tuch. Ich konnte mir nie sicher sein, ob er auf Emmas Seite steht oder nicht. Manchmal hatte ich das Gefühl, er behandle sie wie eine Verrückte. Okay, das war natürlich nicht zu weit hergeholt.
Auch die anderen Nebencharaktere – Konrad, Emmas bester Freund; Sylvia, ihre beste Freundin; Jorgo, der Arbeitskollege von Philipp, um nur einige zu nennen – sind gelungen und tragen zum Verwirrspiel bei.

Die Geschichte hat ein rasantes Tempo, das atemlos macht. Zudem ist der Schreibstil wirklich angenehm zu lesen. Die Atmosphäre ist greifbar. Emma ist umgeben von Angst und Misstrauen. Das konnte ich auf jeder Seite spären.
Der Autor springt dabei etwas in den Zeiten hin und her. Mal geht es zurück in die Kindheit, dann sind wir im Hier und Jetzt, dann geht es zurück um danach in der Zeit wieder nach vorne zu springen. Das fand ich zu keinem Zeitpunkt verwirrend, sondern hat mich nur noch stärker in die Geschichte und das Erlebte von Emma gezogen. Für sich selber hat sie ihr Leben in die „Davor-Zeit“ und die „Danach-Zeit“ eingeteilt.
Ich konnte das Buch wirklich kaum aus der Hand legen. Zu sehr wollte ich den verworrenen Geheimnissen und Ereignissen auf die Spur kommen.
Die Auflösung der Geschichte war für mich wirklich ein grandioses Finale, das ohne große Action und Knalleffekte eines Hollywood-Blockbusters auskommt, aber vielleicht auch gerade deswegen so authentisch und angsteinflössend wirkt. Wie, lieber Sebastian, kommt man darauf? Ich hatte weder den Täter/die Täterin im Verdacht, noch hätte ich erwartet, dass die Erzählung so aufgelöst wird. Hier konnte der Autor mich einmal mehr positiv überraschen.
Ich habe mir sehr viele Textpassagen markiert, die ich gerne alle hier als Zitat untergebracht hätte. Sie alle zeigen, wie gut Sebastian Fitzek das Grauen benennen und mit den – teilweise – alltäglichen Ängsten der Menschen spielen kann.

Können wir bitte auch mal kurz unsere Konzentration auf das Cover richten? Wie genial ist das denn?! Selten habe ich ein Buch in der Hand gehabt, das sowohl optisch als auch haptisch so passend zum Titel gestaltet wurde.

 

 

„Panik war wie ein unsichtbares Nachtmonster. Selbst wenn man nachgeschaut hatte, dass es sich weder im Schrank noch unter dem Bett versteckt hielt, lag man noch eine Weile lang mit klopfendem Herzen in der Dunkelheit und konnte dem Frieden nicht trauen.“ (Seite 219)

„Das Paket“ von Sebastian Fitzek ist für mich ein Meisterwerk. Wenn ihr ebenfalls eine schlaflose Nacht wünscht, dann kauft euch dieses Buch und beginnt es noch abends. Aber sagt nicht, ich hätte euch nicht gewarnt.

Interessieren euch noch weitere Meinungen zum Buch? Sowohl Lobeshymnen als auch kritischere Besprechungen findet ihr bei:

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| Buchsichten |
| Die Leserin |
| Foods Meets Books |

Sabrina

2 Antworten to “{Rezension} Das Paket | Sebastian Fitzek”

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