{Rezension} Boy in a white room | Karl Olsberg

11 Okt

Autor: Karl Olsberg
Titel:
Boy in a white room
ISBN: 978-3-7855-8780-5
Seitenanzahl: 288 Seiten
Verlag: Loewe
Veröffentlichung: 11. Oktober 2017
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„Wie kann ich Illusion von Realität unterscheiden, Lüge von Wahrheit trennen, Wahnsinn von Vernunft, ohne Gedächtnis, ohne zuverlässige Sinneseindrücke? Was ist das eigentlich, Realität?
Gibt es überhaupt eine objektive, äußere Wirklichkeit, die unabhängig von dem ist, was ich sehe, fühle, denke – eine Welt außerhalb des weißen Raums?“ (Seite 281)

 

Inhalt:

Manuel erwacht ohne Erinnerung in einem Raum aus weißen Wänden. Bald stellt er fest, dass diese Wände Monitore sind und er über das Internet Kontakt mit der Welt außerhalb aufnehmen kann. Als »Boy in a white room« begibt er sich auch die Suche nach Antworten. Nicht einmal an seine Eltern kann er sich erinnern, nur ein Mädchen erkennt er plötzlich auf einem Livestream wieder. Von ihr erhofft er sich Hilfe. Doch je mehr er herausfindet, desto weniger weiß er, wem er vertrauen kann.

 

Meine Meinung:

Cogito ergo sum. Ich denke, also bin ich. An diesen Satz des französischen Philosophen René Descartes klammert sich Manuel, denn an allem anderen muss er zweifeln. Nachdem er in dem weißen Raum aufgewacht ist, versucht er, sich zu erinnern. Wer ist er? Wo ist er? Er lernt, nicht nur anderen Menschen misstrauen zu müssen, sondern auch den eigenen Sinneseindrücken.

Der Autor Karl Olsberg zeichnet diese Welt aus Lug und Täuschung eindringlich. Ich konnte das Buch nicht mehr zur Seite legen, weil ich es kaum ausgehalten habe, wie Manuel – und mit ihm der Leser – dem Rätsel seiner Existenz Stück für Stück näherkommt und doch immer wieder vor Wände läuft – sowohl wörtlich als auch im übertragenen Sinne. Ich wollte endlich wissen, wer oder was hinter allem steckt.
Deshalb bin ich förmlich durch das Buch geflogen – etwas, das mir lange nicht mehr passiert ist.
Bis zu gut ¾ des Buches hatte der Roman gute Chancen zu meinem Lesehighlight des Jahres zu werden. Die Atmosphäre ist unglaublich dicht; alle Figuren, auch die Nebendarsteller, sind facettenreich und Manuels Gefühlswelt ist so nachvollziehbar, dass man als Leser von Beginn an in die Handlung hineingesogen und mitgerissen wird.
Im letzten Viertel, wenn sich die Auflösung anbahnt, trifft die Geschichte meinen Lesegeschmack leider nicht mehr. Bis zu diesem Punkt war ich begeistert, doch ich hätte mir ein anderes Ende gewünscht. Es war mir einerseits fast schon zu banal, andererseits kann ich inhaltlich mit Sci-Fi Elementen und Hochtechnisierung nichts anfangen, so dass mich das Ende einfach nicht abholt.
Eine rein subjektive Sichtweise! Es gibt mit Sicherheit genügend Leser, die das Ende ebenso großartig finden, wie die übrigen drei Viertel.

Besonders gut gefallen hat mir der philosophische Hintergrund. Als alter Star Trek Fan haben mich bereits bei Star Trek – Next Generation die Fragen interessiert, die sich mit den virtuellen Realitäten auf dem Holodeck sowie mit dem Menschsein des Androiden Data befassten. An diese Episoden der vorgenannten Fernsehserie fühlte ich mich häufig erinnert. Ähnliche Fragestellungen finden sich auch in diesem Roman, der trotz all seiner überraschenden Wendungen – und davon gibt es mehrere – immer wieder auf die Problematik zurückkommt: Wie nehme ich Realität wahr und was macht den Menschen aus?

 

Fazit:

Ein fesselnder Roman, der auf spannende und unterhaltsame Art philosophische Probleme beleuchtet und zum Nachdenken einlädt.

Rana

4 Antworten to “{Rezension} Boy in a white room | Karl Olsberg”

  1. lesenundmehr 13. Oktober 2017 um 07:58 #

    Hört sich gut an… Ich war mir unsicher, aber jetzt kommt’s doch auf die Wunschliste 😊
    Liebe Grüße
    Tanja

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  2. Tintenhain 17. Oktober 2017 um 16:41 #

    Mir hat das Ende ja richtig gut gefallen – vor allem für Botschaft dahinter finde ich wichtig!

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    • bookwives 19. Oktober 2017 um 11:48 #

      Ich kann mir gut vorstellen, dass das Ende bei vielen besser ankommt, als bei mir. Schrieb ich ja auch 😉
      Die Aussage macht nachdenklich und hat tatsächlich Wirkung hinterlassen, wie ich bis heute merke. Das dürfte ein Titel sein, der länger nachwirkt.

      Viele Grüße,
      Rana

      Gefällt mir

  3. Jessi 3. November 2017 um 12:51 #

    HI 😀

    Ich lese es gerade und finde es echt gut! Es ist echt faszinierend, aber auch erschreckend!

    Liebe Grüße
    Jessi

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