{Rezension} Gone Girl | Gillian Flynn

25 Aug

Gone Girl_Artikelbild

Autor: Gillian Flynn
Titel: Gone Girl – Das perfekte Opfer
Seitenzahl: 576
ISBN: 978-3-502-10222-9
Verlag: Fischer Scherz
Veröffentlichung: 22. August 2013
Leseprobe

Nick und Amy sind ein junges Ehepaar, wie viele andere Verheiratete auch. Sie leben in New York und genießen ihr Leben. Doch kurz nachdem Amy ihren Job verliert, erwischt es auch Nick. Beide sind unzufrieden. Als es Nicks Eltern schlecht geht entschließen sie sich, nach Missouri zu ziehen. Besser gesagt: Nick kann Amy davon überzeugen.
Nick und seine Schwester Margo, genannt Go, führen gemeinsam eine Bar. Und Amy, die ehemals Vorlage für das sehr erfolgreiche Kinderbuch „Amazing Amy“ war, verbringt ihren Tag als Hausfrau und weiß nichts so recht mit sich anzufangen. Sie ist nicht mehr die Amy, die Vorbild für viele Mädchen war.

Zu Hochzeitstagen hat Amy einen Brauch eingeführt: sie versteckt verschlüsselte Hinweise und veranstaltet mit Nick eine Schnitzeljagd. Diese Hinweise führen ihn zu Orten, die eine Rolle in ihrem gemeinsamen Leben spielen. Für Nick ist das jedes Jahr alles andere als angenehm: an viele Dinge kann er sich einfach nicht so erinnern, wie sie das gerne hätte. Und Jahr für Jahr versagt er bei diesem Spiel.
Nun nähert sich der fünfte Hochzeitstag. Doch es kommt noch viel schlimmer: Amy ist verschwunden…

Von Anfang an belügt Nick die Polizei. Und auch in der Öffentlichkeit macht er sich keine Freunde. Ganz im Gegenteil: alle verdächtigen ihn, Amy umgebracht zu haben. Es geht sogar so weit, dass seine Schwester und seine Schwiegereltern ihm nicht mehr trauen.
Alle Indizien sprechen gegen ihn, und es kommen immer mehr schlimme Taten an den Tag. Sie ist das perfekte Opfer, er der perfekte Mörder. Ist doch ganz einfach, oder?

„Also, lehn dich zurück und entspann dich, denn du bist ERLEDIGT!“ (Seite 320)

Vorneweg eine Warnung: in diesem Buch, ist nichts wie es scheint!
Am Anfang tat ich mich allerdings schwer, in die Geschichte hineinzufinden. Irgendwie wollte der Funke bei mir nicht überspringen. Ich muss aber auch zugeben, dass ich – aufgrund der massiven Werbung – mit sehr hohen Erwartungen an das Buch herangegangen bin.
So tat ich mich anfangs etwas mit dem Stil der Autorin schwer. Ich möchte hier aber keinesfalls sagen, dass sie einen schlechten Schreibstil hat. Im Gegenteil. Es war halt nur anders, als erwartet. Es fing auch etwas sachter an, als ich vermutet hatte. Und so dauerte es 160 Seiten, bis das Buch für mich endlich mehr Fahrt aufnahm.

Die Kapitel sind aus zwei Sichten geschrieben, immer abwechselnd: wir starten als Leser mit Nick, der aus der Ich-Perspektive erzählt, an dem Tag, als… Im Wechsel folgen Amys Tagebucheinträge. startend im Jahr 2005, in denen sie uns als Leser direkt anspricht.
Wir erleben als Leser hautnah mit, wie Nick Amys Verschwinden verarbeitet. Oft war ich über sein Verhalten mehr als verwundert; es entspricht einfach nicht dem besorgten und aufgewühlten Ehemann. Im Gegenteil. Das macht ihn für die Polizei und die Öffentlichkeit zu DEM Verdächtigen. Die Beweise, die alle gegen ihn sprechen, tun ihr übriges. Und als sich schließlich sogar seine Schwester unsicher ist, was seine Unschuld anbelangt, wurden auch bei mir die Zweifel größer. Wobei ich mir immer gewünscht habe, dass er aus dieser Nummer wieder rauskommt. Doch er hat sich immer weiter in seine Lügen und Geheimnisse verstrickt.
Dazu hat er auch sehr gefährliche Gedanken. In der Vergangenheit hat er sich oft vorgestellt, dass er seine Frau umbringt, weil er sich so klein und bedeutungslos neben ihr fühlt.

Aus Amys Tagebucheinträgen lernen wie, wie alles mit Amy und Nick begann. Wie wohl sie sich beieinander gefühlt haben, wie glücklich sie waren. Und wie das Glück immer mehr verschwand, über all die Probleme der Arbeitslosigkeit. Als sie mit ihm nach Missouri zieht, scheint das ihr persönlicher Tiefpunkt zu sein. Von „Amazing Amy“ ist nichts mehr geblieben. Äußerlich bleibt sie, wie sie ist: ein everybody’s darling. Doch in ihr beginnt es zu brodeln. Sie verändert sich zu einer linken, rechthaberischen und selbstgefälligen Frau. Sie beginnt, Nick mit anderen Augen zu sehen. Und das geht so weit, dass sie schließlich sogar Angst vor ihm hat.
Die Rollen scheinen in diesem Buch klar verteilt. Sie ist das Opfer, er der Mörder. Und so wie die Geschichte spielt, muss es schließlich so sein.

Viel mehr möchte ich zu den beiden gar nicht sagen, da ich sonst zu viel verraten würde.

„Ich stellte mir vor, ihr mit einem Hammer den Schädel einzuschlagen, bis sie aufhörte zu reden, endlich, bis sie aufhörte, mir Wörter an den Kopf zu werfen, mit denen sie mich etikettierte: durchschnittlich, langweilig, mittelmäßig, unzulänglich, unbedeutend. Einfach grundsätzlich >>un-<<. In Gedanken schlug ich auf sie ein, bis sie wie ein zerbrochenes Spielzeug war, das un, un, un murmelte, bis es endlich ins Stocken geriet.“ (Seite 540)

Die Autorin hat hier eine wirklich perfide Geschichte gestrickt. Der Plot ist unglaublich. Dazu hat sie sehr vielschichtige Charaktere erschaffen, die wir als Leser sehr tief kennen lernen. Um es in einem Wort auszudrücken: krass.
Etwas erstaunt war ich über die vielen Kraftausdrücke, die hier verwendet werden. Sei es in Richtung Schimpfwörter oder sexuelle Anspielungen. Aber diese haben dazu gehört.

Etwas negativ überrascht war ich über den langen und schleichenden Einstieg (mein Empfinden). Doch wie schon geschrieben, wurde es ab Seite 160 besser. Zum Ende hin hat mir die Story immer besser gefallen und das Ende… Keine Angst, ich verrate nichts.
Ein spannendes Buch, wenn auch anders spannend, als ich vorher dachte. Doch ich muss auch zugeben, dass ich den Hype nicht ganz nachvollziehen kann. Von mir gibt es hier 4 Herzen!

Die Geschichte wurde übrigens bereits in Amerika in einem Millionen-Deal an 20th Century Fox verkauft. Regisseurin und Hauptdarstellerin wird Reese Witherspoon. Die Autorin hat das Drehbuch dazu selber geschrieben. Anfangs konnte ich mich nicht so ganz mit der Hauptbesetzung anfreunden. Doch jetzt kann ich es mir irgendwie vorstellen. Ich bin sehr gespannt, wie der Film umgesetzt wird. (Quelle: Fischer Scherz Verlag).

4

SaCre

5 Antworten to “{Rezension} Gone Girl | Gillian Flynn”

  1. waldschraetin 25. August 2013 um 11:55 #

    Ich habe bei LB in die Hörproben reingehört und die XXL-Leseprobe von Amazon gelesen und musste ebenfalls feststellen, dass der Hype wirklich groß war und mich das Gelesene etwas ernüchtert hat. Interessant fand ich die beiden konträren Erzählstränge, v.a. weil ich mit Nick und seiner Art gar nicht warm geworden bin. Dadurch ist man natürlich von Anfang an polarisiert (ich kann mir zumindest gut vorstellen, dass das die Absicht war) und sein Verhalten der Polizei gegenüber hat das nicht besser gemacht.
    Ich weiß daher noch nicht, ob ich mir das Buch nun noch kaufe und zuende lese oder ob ich es dabei belasse.

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    • bookwives 25. August 2013 um 12:01 #

      Ja, es polarisiert. Ich hätte gerne noch mehr zu den Charakteren geschrieben, aber ich wollte nicht zu sehr spoilern.
      Ich kann den Hype wirklich nicht nachvollziehen. Aber ich muss sagen, dass vorallem das Ende für mich doch sehr überraschend war. Das hat es für mich rausgerissen.

      Gruß
      SaCre

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      • waldschraetin 25. August 2013 um 12:08 #

        Jetzt mach mich mal heiß auf das Buch *seufz*
        Aber immer schön eins nach dem anderen. Hab mir ja gestern erstmal Dark Village bestellt (und Hexenheide und den Hexenladen), das hat erstmal Vorrang ;-P

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        • bookwives 25. August 2013 um 12:47 #

          Sehr löblich! Mit Dark Village wirst du schnell durch sein. Aber das geht ja im September weiter 😀

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Trackbacks/Pingbacks

  1. 13 Krimis, die ich heuer auch noch lesen wollte | crimenoir - 27. Dezember 2013

    […] “Die Autorin hat hier eine wirklich perfide Geschichte gestrickt. Der Plot ist unglaublich. Dazu hat sie sehr vielschichtige Charaktere erschaffen, die wir als Leser sehr tief kennen lernen. Um es in einem Wort auszudrücken: krass”, heißt es bei “bookwives”. […]

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