[Rezension] Phobia | Wulf Dorn

1 Buch - 2 Meinungen

Phobia - Wulf Dorn
Phobia – Wulf Dorn
Titel: Phobia
Autor: Wulf Dorn
Seitenzahl: 400
Verlag: Heyne
ISBN: 978-3-453-26733-6
Veröffentlichung: 09. September 2013
Leseprobe

Zum Inhalt:

Eine Dezembernacht im Londoner Stadtteil Forest Hill. Sarah Bridgewater erwacht, als sie ihren Mann überraschend früh von einer Geschäftsreise nach Hause kommen hört. Doch der Mann, den sie in der Küche antrifft, ist nicht Stephen. Er trägt jedoch den Anzug ihres Mannes, hat dessen Koffer bei sich und ist mit Stephens Auto nach Hause gekommen. Der Fremde behauptet, Stephen zu sein, und weiß Dinge, die nur Sarahs Mann wissen kann.
Für Sarah und ihren sechsjährigen Sohn Harvey beginnt der schlimmste Alptraum ihres Lebens. Denn der Unbekannte verschwindet ebenso plötzlich wieder, wie er bei ihr aufgetaucht ist, und niemand will ihr glauben. Nur ihr Jugendfreund, der Psychiater Mark Behrendt, kann ihr jetzt noch helfen. Ein psychologisches Duell mit dem Unbekannten beginnt. Und von Stephen Bridgewater fehlt weiterhin jede Spur …

Meinung – SaCre:

„Das ist der Unterschied zwischen der Angst eines Kindes und der eines Erwachsenen, dachte sie, während sie weiter schlaflos dem Wind lauschte. Kinder fürchten sich vor irrationalen Dingen, vor unheimlichen fliegenden Männern und Monstern im Kleiderschrank, und dann schlafen sie wieder ein, weil sie ihren Eltern glauben, dass sie sie vor dem Bösen in der Welt beschützen werden. Kinder wissen noch nicht viel von den wahren Schreckgestalten, die jenseits der dunklen Fensterscheibe auf sie lauern. Von den Ängsten, die weitaus komplexer sind als jeder schwarze Mann und jedes noch so grässliche Monster. Denn sie haben kein Gesicht, keine Gestalt, sosehr man auch versucht, sie beim Namen zu nennen.“ (Seite 36/37)

Ein neues Wulf Dorn Buch. Yeah!
Das Cover lädt schon mal zum Gruseln ein. Hui, der erste Eindruck lässt sich nur mit „spooky“ oder „creepy“ beschreiben. Auf Deutsch: sehr, sehr gruselig! Das ist das dritte Buch, welches ich von diesem Autor lese. „Trigger“ und „Dunkler Wahn“ konnten mich schon sehr begeistern. Was ich hier vorfand?
Spannung und Gruseln von der ersten Seite an.

Schon die Vorbemerkung lässt ein bisschen was erahnen. Und vom ersten Kapitel an war ich als Leserin mittendrin.
Sarah Bridgewater arbeitet mittlerweile von zuhause aus. Aufgrund von diagnostizierten Phobien kam sie zu dem Entschluss, dass dies besser für sie und ihre Familie sei. Ihr Mann Stephen ist Architekt – und seit einiger Zeit sehr gefragt. Er ist oft für mehrere Tage zu Kundenbesuchen unterwegs, sodass Sarah und ihr Sohn Harvey oft alleine sind. Doch alleine schläft sie oft schlecht.
Diese Grundstimmung kann Wulf Dorn von Anfang an vermitteln. Und dann taucht auch schon unvermittelt der falsche Stephen in Sarahs Küche auf – und von da an habe ich die Luft angehalten.
Die Angst und Verwirrtheit der Protagonistin war für mich fast greifbar, so treffend waren Wulf Dorns Worte hier. Das ganze Grauen, das Sarah widerfährt, konnte ich selber spüren.
Der Psychiater Mark Behrendt, der mir aus „Trigger“ noch bekannt war, taucht auch hier noch einmal auf und begleitet Sarah durch die Geschichte. So erlebte ich mit den beiden die aufregende und furchteinflössende Suche nach der Wahrheit und dem Grund für das Auftauchen des falschen Stephens.

Was mir bei Wulf Dorn immer sehr gut gefällt: seine Charaktere sind unglaublich tief gezeichnet. Viele haben psychische Probleme, deren Bezeichnungen ich vorher noch nicht gehört habe, und über die ich mich erst einmal im Internet informiert habe. Diese Krankheitsbilder sind so komplex, dass ich voller Bewunderung den Kopf schüttle und nur denke „Respekt, dass er sich das ausgesucht hat.“. Und man merkt, dass Wulf Dorn weiß, über was er schreibt.

„Phobia“ hat mich mitgerissen und begeistert. Jedem Thriller-Fan kann ich das neuste Werk von Wulf Dorn uneingeschränkt ans Herz legen.

„Das Schicksal ist ein launischer Weichensteller. Es führt Menschen zusammen, nur um sie wieder zu trennen. Und wenn es ihm gefällt, begegnen sie sich wieder – auf Wegen, die man sich in seiner wildesten Fantasie nicht vorstellen kann.“ (Seite 23)

5

Meinung – SaFi:

Nun musste ich es auch endlich mal tun. Bei dem Cover blieb mir auch gar nichts anderes übrig. Ich habe mein erstes Buch von Wulf Dorn gelesen. Und, ich nehme es schon mal vorweg, es wird bestimmt nicht das Letzte gewesen sein…

Der Einstieg in das Buch gestaltet sich genau so, wie ich es mir von einem Thriller erhoffe, und in den meisten Fällen auch erwarte. Ohne eine genaue Ahnung zu haben, erfährt man Vieles und es wird einem der Mund wässerig gemacht. Man möchte am liebsten sofort wissen, was das alles zu bedeuten hat…

„Die Angst war aus der Stille gekommen. Als habe sie auf den richtigen Moment gelauert, um dann mit aller Macht über sie und ihre Familie hereinzubrechen.“ (Seite 23)

Wulf Dorn hat eine bedrückende Atmosphäre geschaffen, die perfekt mit dem winterlichen London harmonisiert. Direkt von Beginn an wirkt die Story unglaublich dicht. Die Frage, wie ich mich verhalten würde, wenn ich mitten in der Nacht einem fremden Mann in den Kleidern meines Freundes in unserer Küche gegenüberstehen würde, der dann auch noch behauptet, mein Freund zu sein, beschäftigte mich anfangs sehr. Doch schon bald rückte dieser Aspekt in den Hintergrund und ein anderer tauchte stattdessen auf. Was würde ich tun, wenn mir keiner glauben würde? In dieser Hinsicht konnte ich Sarah, auch wenn ich ansonsten nicht besonders viel mit ihr anfangen konnte, sehr gut verstehen.

„Wer konnte schon sagen, was im Kopf eines Mannes vor sich ging, der in fremde Häuser eindrang, um dort, mit einem Messer in der Hand »Familie« zu spielen?“ (Seite 57)

Aus wenig macht Wulf Dorn viel. Mit anderen Worten: Er braucht keine blutrünstigen Gemetzel niederzuschreiben, um mich als Leser in Angst und Schrecken zu versetzen. Er schafft das mit normalen, fast alltäglichen Szenen, die aufgrund der besonderen und extremen Situation, der Sarah ausgesetzt ist, aber an Nervenkitzel kaum zu überbieten sind.

Der Spannungsbogen lebt von den unterschiedlichen Schauplätzen, den wechselnden Sichtweisen und den großen Fragen „Wo ist Stephen?“ und „Was ist der Plan den Unbekannten?“. Natürlich erhält man darauf ausreichende und durchaus überraschende, teilweise sogar bedrückende, Antworten. Doch der Weg dahin verlangte mir, trotz aller Spannung, ein- oder zweimal doch ein wenig Durchhaltevermögen ab.

„Weißer Schaum quoll aus seinem Mund. Er begann spastisch zu zucken, und sein Darm entleerte sich. Dann verdrehte er die Augen, und ein weiterer Schwall weißen Schaums ergoss sich über sein Kinn und auf sein T-Shirt. Er krampfte ein letztes Mal, dann war es vorbei.“ (Seite 270)

„Phobia“ war mein erstes Buch von Wulf Dorn und hat mich, alles in allem, begeistern können. Auch ohne derbe Abschlachtszenen gelingt es dem Autor, eine ungemein spannende Geschichte zu erzählen, die mich zum Ende hin sogar ein wenig berühren konnte. Fans von gut durchdachten und ebenso gut umgesetzten Psychothrillern werden sicher auf ihre Kosten kommen.

4

3 Comments on “[Rezension] Phobia | Wulf Dorn

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