{Rezension} Wo du auch bist | Fleur Smithwick

10 Jan

Wo du auch bist

Autor: Fleur Smithwick
Titel: Wo du auch bist
(Originaltitel: How To Make A Friend)
Übersetzung: Gabriele Weber-Jaric
Seiten: 464 Seiten
ISBN: 978-3-453-35853-9
Verlag: Diana
Veröffentlichung: 14. Dezember 2015
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"Inzwischen hatte ich mich zwar an Sams Anwesenheit gewöhnt, aber ich wusste immer noch nicht, wie ich ihn mir erklären sollte." (Seite 98)

Fleur Smithwicks Roman »Wo Du auch bist« ist ihr Erstlingswerk.
Es spielt überwiegend in London, abschnittsweise auch in der Provence.

Die Hauptprotagonisten sind Alice und Sam, wobei der Leser nur bei Alice sicher sein kann, dass sie als Mensch existiert. Wer oder was Sam ist, bleibt das große Rätsel des Buches. Meist wird er als imaginärer Freund aus Kindheitstagen beschrieben, der immer dann von Alice (aber vermutlich niemand anderem) gesehen wird, wenn Alice sich in psychischen Ausnahmesituationen befindet.
In Rückblicken erfährt der Leser, wie Sam Alice in ihrer eher trostlosen Kindheit begleitet hat.
In der Gegenwart erleiden Alice und ihr bester Freund Rory einen Verkehrsunfall. Als Alice aus dem anschließenden Koma erwacht und erfährt, dass Rory gestorben ist, ist plötzlich Sam wieder an ihrer Seite, um ihr über den Kummer hinweg zu helfen.
Sam beansprucht dabei immer mehr Aufmerksamkeit und nimmt zunehmend Raum in Alices Leben ein und wird so zu einem wachsenden Problem für Alice. Aber auch für ihr soziales Umfeld.

Meine Meinung:
Die Geschichte wird einfühlsam erzählt. Der Stil der Autorin gefällt mir dabei sehr gut. Ich konnte der Geschichte sowohl in der Vergangenheit, als auch in der Gegenwart gut folgen. Die Protagonisten handelten nachvollziehbar, soweit die Handlung Nachvollziehbarkeit verlangte. Eine gewisse Irrationalität bringt das Thema des imaginären Freundes natürlich mit sich.
Der Roman behielt mich auch von Anfang bis zum Ende in seinem Bann, ohne dass mir Längen negativ auffielen.
Insgesamt halte ich rund 80 % des Buches aus den vorgenannten Gründen für überaus gelungen.
Aber dann kamen die letzten Seiten. Ein Ende, mit dem ich überhaupt nicht zufrieden bin. Entgegen sämtlicher Regeln der Kunst, muss ich eine Sache über das Ende verraten, da sonst nicht nachzuvollziehen ist, wieso mich das Ende so enttäuscht. Ich gebe also folgende Warnung:

ACHTUNG SPOILERGEFAHR! DEN NÄCHSTEN ABSATZ ÜBERLESEN, SOFERN MAN REIN GAR NICHTS ÜBER DAS ENDE ERFAHREN MÖCHTE.

Das gesamte Buch läuft daraus hinaus, dass Andeutungen über Sam gemacht werden. Ist er imaginärer Freund, der nur in Alices Kopf existiert? Wesenheit? Geist? Zumindest aber ein Kraftfeld? Wird er von anderen vielleicht doch wahrgenommen, als vages Gefühl? Die gesamte Handlung leitet auf diese eine Frage zu Sams Existenz hin. Die jedoch nie beantwortet wird.
Und das reißt für mich den guten Eindruck des Buches herunter. Das ist in meinen Augen kein offenes Ende, dass vielerlei Interpretationen zulässt, sondern es ist gar kein Ende. Zumindest kein im Ansatz zufriedenstellendes. Man kann meiner Meinung nach nicht 400 Seiten lang Fragen aufwerfen und diese am Ende dann komplett unbeantwortet lassen.
Überhaupt habe ich beim Lesen den Eindruck die Geschichte sei irgendwo abgeschnitten worden. Wer kennt sie nicht – die Schulaufsätze, bei denen man rund fünf Minuten vor dem Klingeln merkt, dass man die Arbeit gleich abgeben muss, aber noch kein Ende hat. Und dann wird abrupt ein Schluss hintendran geschrieben, der irgendwie verloren als Annex am Rest des Textes baumelt und man sich als Leser eine Brücke gewünscht hätte, die elegant zu diesem Schluss führt.
Nun, hier ist nicht nur das Ende etwas spärlich, mir fehlt auch eine elegante Hinleitung.

Vielleicht war hier nicht die Schulglocke das limitierende Element, sondern ein Abgabetermin oder eine Wortbegrenzung. In jedem Fall bin ich vom Ende enttäuscht. Dies umso mehr, als mir der größte Teil des Buches ausgesprochen gut gefallen hat.

Rana

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