Im Gespräch mit… Anne Freytag

11 Mai

Wie gut, dass Autoren heute nicht mehr so unerreichbar sind. Wie gut, dass die Kommunikationswege heute recht kurz sind. Wie gut, dass SaFi vor ein paar Wochen Renate Hoffmann gelesen hat (hier geht es zur Rezi), denn dadurch hat sich ein total netter Kontakt mit der Autorin Anne Freytag ergeben. Und so kam es auch, dass wir Anne Freytag gerne mit ein paar Fragen löchern würden. Gesagt. Getan. Wir haben gefragt. Anne Freytag hat geantwortet. Wir wünschen euch viel Spaß. 🙂

Anne Freytag

© Anne Freytag

Bitte stelle Dich unseren Lesern kurz vor.

Mein Name ist Hase. Nein Spaß. (Keiner lacht. Toll. Stille.) Okay, mein Name ist Anne. „Hallo, Anne.“ Hallo… „Erzähl der Gruppe etwas von dir…“ (Tief Luft holen.) Ähm… Mein Name ist Anne und ich bin süchtig. (Alle sehen mich an. Verständnis. Ein sanftes Lächeln.) „Wir sind deine Freunde Anne… wir hören dir zu…“ Ich bin süchtig nach Worten. Und Sätzen. Und dem Schreiben. Nach neuen Geschichten. Nach dem Gefühl, aus Buchstaben Menschen zu machen. Aus Sätzen Charaktere zu formen. Gefühle zu erwecken und andere mitzureißen. Das ist die eine Seite. Musik und fliegende Finger. Tränen (mal vor Lachen, mal vor Rührung, mal, weil es so traurig ist…). Die andere Seite ist… anders. Dunkel und kalt. Einsam. Man sitzt vor dem blinkenden Cursor, ärgert sich, bekommt fiese Kritik. Es ist ein Auf und Ab, aber nie langweilig.

Ich liebe meine Arbeit und das nicht nur, wenn ich frei habe. Ich habe ein tolles Leben. Eine tolle Familie, echte Freunde und die (für mich) beste Beziehung. Ich bin frei und kann tun, was ich liebe. Ich bin ein Glücksschwein.

Wie bist du zum Schreiben gekommen? Wolltest du schon immer Autorin werden?

Nein, wollte ich nicht… Wenn ich ganz ehrlich bin, wusste ich sehr lange nicht wirklich, was ich will. Und geschrieben habe ich auch nicht, wie viele Kollegen, sobald ich einen Stift halten konnte. Ich war wohl eher ein Spät-schreib-zünder.

Angefangen hat das alles im Studium. Ich hatte drei Charaktere im Kopf. Drei junge Frauen, die erwachsen werden wollten. Oder zumindest gerade mittendrin steckten. Drei Freundinnen. Ich habe einfach angefangen. Kein Plan, keine Geschichte nur diese drei Figuren. Und der Wunsch, dass es keine dieser Geschichten wird, die Bereiche aus dem Leben ausblendet – Erotik zum Beispiel. Irgendwo dazwischen ist sicher kein Erotik-Roman, aber er lässt nichts aus. Und damit ist es für mich ein Roman über das Leben. Letztlich wurde aus einer Kurzgeschichte ein Roman mit knapp 800 Taschenbuchseiten. Inzwischen ist das Buch auf 600 gekürzt. Das war 2007. Zwischenzeitlich habe ich auch eine Weile nichts geschrieben. Neben der Arbeit hatte ich keine Geist mehr dazu. Ich schreibe nachts und das geht in einem normalen Alltag eben nicht. Jetzt geht das. Ich weiß nicht, ob ich zum Schreiben gekommen bin oder das Schreiben zu mir. So oder so. Wir haben wir uns gefunden. Gott sei Dank.

Deine bisherigen Romane hast du selbst verlegt. Im Oktober erscheint unter deinem Pseudonym Anne Sonntag mit Eigentlich Liebe dein erstes Buch im Piper Verlag. Welcher Weg ist für dich der angenehmere?

© Anne Freytag

Kurze Antwort: Beides.

Die lange fällt so aus: Beides. Nein, im Ernst, es ist wirklich klasse, beides machen zu können. Als Selfpublisher habe ich einen HAUFEN Arbeit, aber kann alles haben wie ich es will. Ich muss nichts absprechen, mich nicht nach jemandem richten, die Entscheidungswege bestehen nur aus mir und finden in einem Kopf statt. Ich bin ein Macher, deswegen liebe ich es selbst zu veröffentlichen. Ich schreibe, ich suche mir das Cover aus, ich mache die Vermarktung. Und das ist sehr viel und sehr anstrengend und sehr schön. Aber manchmal ist es auch nervig, alles allein zu machen. Und bei PIPER sind Argusaugen und Wortchirurgen, die mir helfen. PIPER ist wie ein Abzeichen. Ob man es nun zugibt oder nicht, wenn ein renommierter Verlag dich will, dann ist das ein fantastisches Gefühl. Und es sagt auch nach außen: die kann was. Klar, kann man das auch ohne Verlag, aber die Botschaft macht einen Unterschied. PIPER war immer der Traum-Verlag für mich und Freytag Literatur ist meine Spielwiese. Beides ist toll. Ich bin gerne Hybrid-Autorin. Außerdem kann ich so verschiedene Facetten ausleben und das war auch immer ein Wunsch von mir.

Bei Piper bin ich Anne Sonntag. Und laut Piper bin ich young & sexy. Das ist doch mal ein Kompliment. Das erste Buch kommt im Oktober und so gelassen ich auch erscheinen mag, ich bin Dauer-aus-dem-Häuschen (nur im Übertragenen Sinn, in Wahrheit bin ich Dauer-am-Tischchen und schreibe…). Als Anne Freytag bin ich hoffentlich auch ein bisschen sexy und ich würde sagen auch young, aber ich bin eben nicht klassische Unterhaltungsliteratur. Deswegen ist ein Teil von mir zur Sonntag geworden. Sie ist die Unterhaltsame. Die, die zum Lachen bringt. Leicht, aber nie seicht.
Das wiederum gibt der Freytag die Möglichkeit, weiter düster und witzig zu sein. Ganz nach ihrem Gusto. (Die Sonntag erhält der Freytag also ihre künstlerische Freiheit und hat auch noch ihre eigene…) Der Sonntag sei Dank, kann die Anne F. also Bücher immer wieder so enden lassen, wie man nicht damit rechnet und Geschichten über Themen schreiben, die sie nicht mehr loslassen… Und gleichzeitig kann die Sonntag Romane kreieren, die für Herz und Kopf gestrickt werden.

Zusammenfassend kann man sagen, Ally Taylor ist die, die sich mal eben Städtchen erfindet, im Klischee badet, tief ins Drama eintaucht und prickelnde Erotik ihr Handwerk nennt, Anne Freytag ist die fürs Reale, deren Geschichten in München spielen und in der Nachbarwohnung stattfinden könnten, und die liebe Anne Sonntag ist eben irgendwo dazwischen. (Das Wortspiel war Absicht…)

Darfst du uns schon ein bisschen was über Eigentlich Liebe erzählen?

Anne Freytag_Anne Sonntag

„Eigentlich Liebe“ – VÖ: 13.10.14

Das ist der Beschreibungstext der auf dem Umschlag stehen wird:

»Verliebt, verlobt, verheiratet«? Nicht bei den drei Freundinnen Hanna, Clara und Vero. Als wäre »unglücklich verliebt, verlassen, betrogen« nicht schon schlimm genug, steht auch noch eine Traumhochzeit an, bei der sie weder Braut noch Brautjungfern sind. Interessant wird es allerdings beim Blick auf die Gästeliste. Denn einige attraktive Männer sorgen für Herzklopfen und Gefühlschaos, und am Ende stellt sich die Frage: Wer gehört hier eigentlich zu wem? Und das fasst es sehr passend zusammen.

Ich liebe das Kleid meines Romans. Ich finde es passt wie angegossen. Es hat die Gratwanderung geschafft. Es sagt, Ja, ich spiele auf einer Hochzeit, aber ich bin kein Brautroman. Es sagt auch, Ja, ich bin pink und glücklich, aber nicht billig. Und es sagt mit geschwellter Brust, Ja, ich bin ein Piper-Kind. (Zumindest sagt es mir das alles… Sagt es auch etwas zu euch, oder ist es da noch schüchtern?)

Noch ist es alles nur digital. Noch sind es nur Dateien. Aber in ein paar Monaten werde ich dieses Baby in den Händen halten und mit diesem stolzen, mütterlichen Tonfall hauchen, It’s a book.

Unter dem Pseudonym Ally Taylor hast du zusammen mit Carrie Price (Adriana Popescu) das MAKE IT COUNT-Projekt gestartet. Inwiefern unterscheidet sich die Arbeit an deinem ersten New Adult-Buch im Vergleich zu deinen bisherigen Romanen?

„MAKE IT COUNT“ #mic © Anne Freytag

Im Grunde ist New Adult einfacher (wenn man nicht im Klischee abrutscht und alles ins Unglaubwürdige driftet). Man hat ziemlich genaue Vorgaben, um es als NA verkaufen zu können, Drama, Liebe, Sex und eine Portion Kitsch. Hatte ich Drama gesagt? Dann noch ein wenig mehr davon.

Ich glaube, bei NA entstehen die Charaktere um ihr jeweiliges Drama. Die äußeren Umstände geben ziemlich viel des Wesens vor. Auch das macht es einfacher. Bei den Freytag-Büchern muss ich viel länger an meinen Protagonisten feilen, bis ich sie vor mir sehe. Das sind Nuancen, weil sie aus dem echten Leben gegriffen sind. Man soll ja denken, sie könnten nebenan wohnen.

Katie ist traurig und allein und betäubt, weil ihr Vater gerade gestorben ist. Das gibt viel vor. Klar hat Katie einen Charakter, aber der konnte um die Geschichte herum entstehen. Der kam irgendwie wie von allein. Trotz der Unterschiede ist Ally Taylor auch Anne Freytag. Nur eben in amerikanisch, mit viel mehr Klischee, aber dennoch demselben Stil. Zumindest hoffen wir beide das (Ally und ich).

Beschreibe deine Bücher mit drei Worten.

Teile von mir.

Welches deiner Bücher ist dein Lieblingsbuch? Und warum?

freytag Literatur © Anne Freytag

Das kann ich wirklich nicht sagen… Irgendwo dazwischen hat den Sonderstatus, dass es das Erste war. Ich werde nie wieder das Gefühl haben, das ich bei ID hatte, als ich nach 800 Seiten das Wort Ende geschrieben habe. Und ich werde es nie vergessen. ID ist der erste Satz einer (hoffentlich) langen Geschichte. Renate Hoffmann hat einen besonderen Platz, weil ich sie so sehr ins Herz geschlossen habe. Ihre Art, ihre Fehler, ihre Unzulänglichkeiten und ihre Stärke. Mit ihr habe ich am meisten gefühlt. Ja, und Anja und Julian und Tobias… durch 434 Tage wusste ich endlich, was genau ein Freytag-Buch ausmacht. Auf den Bauch hören und Mut zu eigenen Entscheidungen haben. Nicht der sicherere Weg ist der Beste… der Beste ist der Beste.

Aber auch MAKE IT COUNT liegt mir am Herzen. Genauso wie Eigentlich Liebe. Ich denke keines ist wichtiger als das andere. Ich liebe sie alle. Sie sind alle wichtig. Nur anders.

Hast du einen Lieblingsplatz zum Schreiben?

An unserem Alles-Tisch vor der Roten Wand im Wohnzimmer. Das ist der Tisch, an dem wir essen, an dem ich mit meinen Freunden sitze und Kaffee trinke, an dem ich meine Steuersachen mache, fernsehe (am Rechner, weil wir keinen Fernseher haben) und an dem ich Das Wort mache… Im Sommer zieht es mich manchmal nach draußen, aber am liebsten arbeite ich am Alles-Tisch.

© Anne Freytag

© Anne Freytag

In Das Wort zum Freytag informierst du wöchentlich über dich als Autorin, deine Bücher und alles, was damit zu tun hat. Wie kam es zu der Idee?  

Durch Das Wort zum Sonntag. Ich hatte einfach dieses Bild vor mir. So eine Art Tagebuch. Aber eben mal etwas, das man nicht lesen muss, sondern relativ schnell im Vorbeigehen anschauen kann. Ich selbst finde Videos klasse. Manche verfolge ich wirklich regelmäßig, weil sie total super sind, manche schaue ich nur einmal, weil ich sie schrecklich fad finde. Ich freue mich, wenn ein paar Leute meine gerne sehen. Anfangs dachte ich, es würde total ernst. Ich wollte es so halten wie Nachrichten, aber das passt nicht wirklich zu mir. Beim ersten Wort zum Freytag bin ich noch fast gestorben vor Nervosität. In der Nacht nach dem Hochladen, habe ich miserabel geschlafen. Aber inzwischen finde ich es witzig. Es macht Spaß und es ist eigentlich denkbar einfach: immer schön in das Kamera-Loch im Bildschirm starren und quatschen – fertig. Und quatschen – das kann ich.

Mit welchem deiner Charaktere würdest du gerne mal um die Häuser ziehen?

Wenn es darum ginge, einfach mal Spaß zu haben, dann mit Lili, Marie und Emma aus Irgendwo dazwischen (… ich müsste alle mitnehmen, die würden sonst nur streiten, wer mit darf… Wenn wirklich nur eine dürfte, dann Marie – aber PSSST). Wenn es aber darum ginge, bei einer Flasche Rotwein über das Leben zu sinnieren, dann nur mit Renate und wenn es um ein ernstes Gespräch unter Frauen ginge, dann auf jeden Fall mit Anja. Wobei… Vero wäre da auch nicht schlecht. Und zum Spaßhaben ist Hanna auch wirklich klasse. Und Clara… Puh ist das schwer… Gott sie Dank fällt Katie schon als aus, die ist zu beschäftigt, und außerdem antworte ich hier als Anne. (Du musst dir auch denken: Kann die nicht mal eindeutige Antworten geben??… 😉 )

Du wohnst in München. Hast du einen Lieblingsort in der bayerischen Hauptstadt?

© Anne Freytag

© Anne Freytag

Ich mag manche Ecken in Schwabing und einige in Neuhausen, aber am liebsten bin ich wirklich in der Stadt. Ich muss da nichts kaufen. Es reicht dort zu sein. Die vielen Touristen mit ihren Kameras, deren fröhliche Gesichter mich dazu zwingen, mein Zuhause immer wieder neu zu entdecken. Die Stimmung, die vielen Menschen, die Ecken, die man nur kennt, wenn man die Stadt wirklich kennt. Und davon habe ich verdammt viele. Auf ein Eis zum Kanal beim Schloss Nymphenburg, oder seltsamen Zucchini-Walnuss-Kuchen essen im ELLA (klingt eklig, schmeckt aber echt fantastisch), Postkarten kaufen in der Papeterie Nellypap am Rotkreuzplatz, einen Happen essen an der Frauenkirche, zum Beispiel Nürnberger Würstel und Kartoffelsalat (Bratwurst Glöckl), oder auf einen Teller Pasta in Aurora-Soße zum Italiener meines Vertrauens, dem Medici, oder vielleicht doch auf eine Pizza in die L’Osteria am Lehnbachplatz, der lieber Mittagessen in meinem Stammasiaten (HQ) in der Trautenwolfstraße? Beim Manufactum gibt es geniales Roggenbrot (neben den anderen ‚guten Dingen’). Oder doch nur auf einen Kaffee in einem meiner 72436598 Lieblings-Cafés? Oder wie wäre es mir einem Burger in der Hamburgerei (der Perser und der Schwede sind SEHR fein)… Dann gibt es natürlich noch einen Haufen toller Läden, vor allem, wenn man sich in die kleinen Straßen im Glockenbachviertel und um den Viktualienmarkt umsieht. Da gibt es Läden mit Duftkerzen, Handtaschen und Klamotten, die man nicht überall bekommt… Zum Beispiel diesen Laden in der Hildegartstraße, von dem ich immer den Namen vergesse. Man könnte es auch kürzer fassen: München ist meine Stadt. Die ganze Stadt ist mein Lieblingsort.

© Anne Freytag

© Anne Freytag

© Anne Freytag

© Anne Freytag

Wohin möchtest du gerne mal verreisen?

Ich muss aufpassen, dass die Antwort nicht zu einem Roman ausartet… keiner will die 700000 Reisewünsche der Anne Freytag lesen und sich dabei bis ins Rückenmark langweilen… Also nur die Highlights. Ich möchte irgendwann mit meinem Freund in einem Camper durch die USA fahren, so wie ich es in Australien nach dem Abitur bereits gemacht habe. Diese grenzenlose Freiheit, die Weite und diese Unterschiede. Dieses Lebensgefühl… Wenn ich eine Partnerstadt hätte, wäre es zweifelsohne Adelaide. So, jetzt aber zurück in die USA. Ich will unbedingt New York sehen, Boston und Oceanside (HAHA). Und dann nach New Orleans, die Südstaaten, weiter nach Nevada zum Grand Canyon, und nach Las Vegas. Dann nach San Francisco (über San José und Santa Barbara), den Mulholland Drive entlang… und vielleicht noch auf einen Sprung nach Seattle. Von dort aus nach Chicago fliegen und dann wieder nach Hause. Aber ich würde auch gerne mal alle Hauptstädte Europas besuchen. Jedes Wochenende eine andere. Und zu Tansania müsste man mich auch nicht lange überreden. Ach, ich denke, es gäbe nur wenige Orte, die mich nicht auf die eine oder andere Art absolut faszinieren und gefangen nehmen würden. Als nächstes heißt es aber erst mal Berlin. Und ich freue mich darauf.

Wie sieht dein perfektes Wochenende aus?

In einer wunderschönen Hauptstadt Europas… Ach so, hier? Wenn das Wochenende in München stattfindet, dann so: Wir schlafen aus und werden von der Sonne geweckt. Kein Stress, kein blöder Wecker, einfach im Bett liegen, so lange wir wollen, dann zum Frühstück French Toasts und dann raus… ohne wirkliches Ziel, einfach etwas machen, etwas unternehmen. Am späten Nachmittag ein Eis essen gehen und abends in den Biergarten oder irgendwo hin, wo man in der lauen SOMMERnacht noch draußen sitzen kann. Und dann noch in die Spätvorstellung ins Kino. Oder auf den Nachtflohmarkt. Und am Sonntag? Vielleicht auf eine Fotoausstellung. Oder ganz faul ein Buch lesen? Eine Zeitschrift? Karten spielen? Und am Abend ein langes Entspannungsbad nehmen? Ach, es gibt viele perfekte Wochenenden.

Welche Musik hörst du am liebsten?

Puh. Nein, das kann ich so echt nicht sagen… ich höre so viel Musik und sie ist so unterschiedlich. Ob ich sie im Auto höre, oder zum Schreiben. Oder zum Putzen. Oder… fast immer. Ja, ich liebe Musik. Es gibt Lieder, bei denen ich weinen muss. Jedes Mal. Welche, die mich glücklich machen. Mal, weil sie mich an etwas erinnern, mal, weil sie einfach etwas haben, das mich strahlen lässt. Jeder kennt sie, diese Lieder, die an Erinnerungen und Gefühle gekoppelt sind, die sich in unser Gedächtnis eingenistet und wie eine Art Tätowierung in unsere Großhirnrinde gebrannt haben. Ein Lied kann urplötzlich Tränen in uns aufsteigen, uns wehmütig, oder wütend werden lassen, uns zum Lachen bringen, oder nachdenklich stimmen. Musik erinnert uns an Dinge, von denen wir glauben sie vergessen zu haben. Wir sind getränkt mit Erinnerungen. In einem Lied kann alles Mögliche stecken. Der erste Kuss, der erste Liebeskummer, alte Freunde, lange Autofahren, gute Gespräche, ein lang verblasster Sommer, ein Gesicht, eine flüchtige Berührung, ein Geruch. Jeder hat ein musikalisches Tagebuch, ohne es schreiben zu müssen. Das Leben schreibt es für uns. Unsere Erinnerungen tun das. Alles, was wir tun müssen, ist hinzuhören. Ich tue es jeden Tag.

© Anne Freytag

Was ist die sinnloseste Sache, die du jemals gekauft hast?

Ein Schwein aus Glas. Es kann nichts. Es ist kein Sparschwein und auch kein Glücksschwein. Also streng genommen erfüllt es keinen Sinn. Aber ich habe es gesehen und mich sofort verliebt. Es wohnt bei uns im Wohnzimmer neben der Hasenvase und ich freue mich jedes Mal, wenn ich es sehe. Also, eigentlich ist es vollkommen sinnfrei – aber mal ehrlich: gibt es etwas Besseres, als Dinge, die kein bisschen praktisch sind, sondern einen einfach nur freuen? Und das immer und immer wieder? Eben. Außerdem: Vielleicht habe ich ja deswegen Schwein?

Welche Hobbys hast du?

Zur Zeit ganz besonders unsern Autoren-Blog (www.seekfreak-and-joy.de). Ich finde es schön zu den verschiedensten Themen etwas schreiben zu können. Wir wollten etwas, das uns Spaß macht. Ohne Plan. Einfach eine Art Spielwiese, auf der wir uns austoben können. Und das tun wir. Es ist wie dieses Ding bei IKEA mit den Bällen. Etwas völlig Sinnfreies, das einfach guttut.

Lässt du uns an deiner schönsten Kindheitserinnerung teilhaben?

Oh, das ist unmöglich, da gibt es viel zu viele. Okay, dann eben ein paar davon. Meine Schwester und ich haben als Kinder (keine Ahnung mehr wie alt wir waren, aber klein) samstags leidenschaftlich gerne Pudding gekocht. Ich war eher der Assistent, aber es hat Spaß gemacht. Wir hatten tolle Umschnall-Rollschuhe (nicht so schicke Inline-Skates wie die Kinder heute, sondern die echten… Also mit zwei mal zwei Rollen. Und die hat man um seine Straßenschuhe geschnallt. Meine waren türkis, die meiner Schwester rot. Gott, waren wir stolz). Wir sind dann in unserem Kinderzimmer mit den Rollschuhen zu I’ve been looking for freedom (das war auch meine erste eigene CD) zwischen dem Fenster und dem Bett hin und her gefahren. Zwischen Bett und Fenster klingt weit, war es aber nicht. Als ich sechs war, kam mein Bruder zur Welt. Und ich habe mich auf den ersten Blick in ihn verliebt. Er war klein, jetzt bin ich es im Vergleich zu ihm. In Griechenland habe ich schnorcheln gelernt. Ich war glaube ich acht. Und das war das Größte. Ich habe dort zwei Steine gefunden, rund wie Murmeln. Ich weiß nicht, ob sie noch irgendwo sind, aber ich habe diese Steine nie vergessen. Vielleicht finde ich sie ja irgendwann mal wieder…

Welche drei Dinge würdest du mit auf eine einsame Insel nehmen?

Ich denke nicht, dass ich der Typ für einsame Inseln bin. Ich will da nicht hin. Eher an den Garda-See. Im Moment zieht es mich sehr nach Oxford. Da war ich mal für eine halbe Stunde… irgendwann will ich eine Fortsetzung. New York reizt mich auch sehr. Und überhaupt das Reisen. Jetzt habe ich den Faden verloren? Wo waren wir? Bei der Insel. Nein, Inseln sind nichts für mich. Und wenn dann nur auf zwei Wochen. Ich bin ja eher für Abenteuer- oder Städtereisen. Mist, wieder abgeschweift.

© Anne Freytag

Was bereitet dir Freude?

Zu Lachen. So lange bis mir der Bauch wehtut und meine Augen tränen. Mit Grace schreiben und telefonieren. Menschen eine Freude zu machen und sie zu überraschen. Eis-Essen gehen (Haselnuss und Crema Venezia). Mit meinem Freund herumalbern. Mit ihm Lachen. Wegfahren, etwas erleben. Genießen. Ins Kino und zum Essen gehen. Und mit meinen Nichten auf den Spielplatz. Mit meiner Mutter in die Stadt. Zeit mit meiner Familie zu verbringen. Rituale im Alltag, Insider. Wien und Prag. Noch wach zu sein, wenn die Vögel anfangen zu zwitschern. Auf dem Beifahrersitz zu schlafen. Selbst entscheiden zu können. Serien schauen (momentan mit meinem Vater Downton Abbey und mit meinem Freund Die Brücke – der HAMMER!. Ab und an ein Buch lesen (momentan, das Darm Buch (Darm mit Charme) Das ist klasse!!). Lange Telefonate. Stille. Gute Gespräche und wissendes Schweigen. Ich liebe das Leben. Und das eigentlich immer.

Das letzte Wort gehört dir …

Ich freue mich über jeden Leser, der mit mir in meine Welten abtaucht. Ohne Leser wären es nur Geschichten, die niemand kennt und ich müsste mich von meinem Lebenstraum verabschieden: Dem Schreiben. Ich selbst habe tausend Seiten. Und ich will noch viel mehr schreiben. Egal, wie sehr es mich auch manchmal frustriert, ich liebe es. Schreiben kann sein wie ein Tanz auf Wolken. Wie ein Sommergewitter, wie das Lachen eines geliebten Menschen. Schreiben raubt einem den letzten Nerv und manchmal hasst man die Launen seiner Charaktere. Sie sind wie Mitbewohner in deinem Kopf. Begleiten dich überall hin. Man leidet mit ihnen, obwohl man sie leiden lässt. Und tröstet sie, wenn man sie Schlimmes hat durchmachen lassen. Schreiben ist komisch. Es ist fast befremdlich. Ja, Schreiben ist Vieles, aber niemals langweilig. Schreiben ist eine Parallelwelt, zu der nicht jeder einen Schlüssel bekommt. Wenn man ihn aber einmal gefunden hat, will man ihn nie wieder hergeben. Er ist eine Kostbarkeit. Man fühlt sich reicher als ein Scheich und leichter als eine Feder. Vielleicht ist es eigentlich ganz einfach. Vielleicht ist Schreiben eine Liebe meines Lebens.

Liebe Anne, wir danken dir für deine Zeit, deine Antworten und die Einblicke. Wir freuen uns schon auf den Oktober und damit verbunden auf Eigentlich Liebe. 🙂

Und für alle, die noch kein Buch von Anne Freytag gelesen haben und diejenigen, denen noch genau dieses Buch fehlt, haben wir einen Tipp: Irgendwo dazwischen gibt es momentan für € 2,99 anstatt € 4,99 – ihr solltet also zuschlagen. 🙂 Um euch auf dieses Buch einzustimmen gibt es ganz frisch einen absolut tollen Trailer. Enjoy. 🙂

Hier findet ihr die Facebook-Seite von fretyag Literatur und hier den Youtube-Kanal von Anne Freytag.

Eure Bookwives – Sabrina & Sabrina ♥

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