{Rezension} Und auch so bitterkalt | Lara Schützsack

20 Feb

bitterkalt

Autor: Lara Schützsack
Titel: Und auch so bitterkalt
Seitenzahl: 176
Verlag: Fischer
ISBN: 978-3-596-85619-0
Veröffentlichung: 20. Februar 2014
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Dies ist die Geschichte von Lucinda. Lucinda ist schön, lebenshungrig und leuchtet wie ein Stern. So hell und so schön und gleichzeitig Lichtjahre entfernt. Lucinda scheint in einer anderen Welt zu leben, nach eigenen, erbarmungslosen Regeln. Wer Lucinda liebt, muss ertragen, ihr niemals richtig nah sein zu können. So sind Sterne eben. Und manchmal fallen sie vom Himmel und verglühen. Einfach so. (www.fischerverlage.de)

„Am schönsten aber sind Lucindas Augen: schmale grüne Augen mit gelben Splittern darin. Augen, die man nicht mehr vergisst. Ich glaube, irgendwo auf dieser Welt denkt immer jemand an die Augen meiner Schwester. Lucinda ist so ein Mädchen, nach dem sich  die Menschen auf der Straße umdrehen. Nicht, weil sie einfach nur schön ist, sondern weil man spürt, dass etwas mit ihr passieren wird. Etwas, das nicht jedem passiert.“ (Seite 11)

Manchmal liest man ein Buch und ist total begeistert. Doch dann fällt es schwer, die Begeisterung in Worte zu fassen und auszudrücken, warum dieses Buch so einzigartig ist. So auch hier…

Die Geschichte ist aus Malinas Sicht geschrieben. Sie vergöttert ihre ältere Schwester Lucinda geradezu. Auch, als beide für den gleichen Jungen schwärmen, nimmt sie ihr das kaum übel. Sie stellt Lucinda über alles. Ihren Charakter wiederzugeben fällt mir schwer. Ich würde sie beinahe als unterwürfig beschreiben. In Hinsicht auf die Essstörungen macht sie sich zur Mithelferin. Das habe ich ihren jungen Jahren zugeschrieben. Malina hat in der ganzen Geschichte nie etwas getan, was gegen Lucindas Meinung ging.

Lucinda ist anders: unkonventionell, lässt sich nicht in Schubladen stecken und gehört in der Schule auch keiner Clique an. Mit ihrer Mutter versteht sie sich überhaupt nicht; dabei sind sich die beiden ähnlicher, als es ihr lieb ist. Sie hat Stimmungsschwankungen und One Night Stands. Sie isst nicht viel, verheimlicht das aber zu Beginn vor ihren Eltern. Lediglich Malina weiß Bescheid und hilft ihr manchmal sogar, Essensreste zu entsorgen. Als der neue Nachbarsjunge Robert einzieht, dachte ich, sie öffnet sich etwas. Doch schnell verfiel sie wieder in alte Muster.
Die Essstörungen werden immer dramatischer und die Situation spitzt sich zu. Die Lage, in der die Familie steckt, ist von der Autorin richtig gut beschrieben worden.
Lucinda ist ein wirklich komplexer und schwieriger Charakter. Ich würde nicht behaupten, dass ich vollen Zugang zu ihr gefunden habe. Trotzdem fand ich sie sehr interessant und habe mit Spannung ihre Taten verfolgt. Das, was sie sagt, hatte nicht nur Gewicht für ihre kleine Schwester, sondern auch für mich. Es waren oftmals Weisheiten, die ich ihr zuerst gar nicht zugetraut hätte und die die Komplexität ihres Charakters belegen.

„Wenn Lucinda einen Ort betritt, gerät alles in Bewegung. Es gibt keine Gesetze mehr. Ihre Anwesenheit stellt alles in Frage.“ (Seite 13)

Essstörungen sind häufig noch ein Tabuthema. Der Autorin ist es gelungen, mit der nötigen Sensibilität an die Geschichte heranzugehen. Und trotzdem konnte sie die Probleme, die diese Krankheit mit sich bringt, gut und glaubwürdig darstellen. Die Streitereien in der Familie, die Machtlosigkeit der Eltern und das verzerrte Selbstbild der jungen Lucinda.

Mit ihrem direkten und angenehm zu lesenden Schreibstil konnte Lara Schützsack mich voll in die Geschichte ziehen. Wie oben schon geschrieben, wurden oft kleine Weisheiten und sehr bildhafte Beschreibungen eingefügt. Die Seiten glitten nur so durch meine Finger. Leider war das Buch dann auch viel zu schnell vorbei.

Tja, und dann das Ende… Verraten werde ich hier natürlich nichts. Aber auch jetzt überlege ich noch, wie es wohl gemeint ist. Ist es so zu verstehen, wie es von der Autorin schwarz auf weiß niedergeschrieben wurde? Oder doch eher im übertragenen Sinne? Hat die kleine Schwester sich die Situation vielleicht so vorgestellt oder spielt ihre Fantasie ihr einen Streich? Das würde ich die Autorin ganz gerne einmal fragen. Ich habe meine eigene Interpretation des Endes.

Vom Fischer Verlag wurde das Buch als „neue aufregende Stimme in der deutschen (Jugend-) Literatur“ vorgestellt. Und für mich trifft das hier voll zu. Ein Roman, der sich mit einem Tabuthema beschäftigt, und dieses auf 176 Seiten auf eindringliche Art vermittelt. Dafür gibt es von mir 5 Herzen!

„Gegenstände, die Lucinda einmal berührt hat, gehen sofort in ihren Besitz über. Das ist ungeschriebenes Gesetz. Isas Kritik an diesem Gesetz wischt meine Schwester mit Worten wie kleinlich und spießbürgerlich vom Tisch. >>Besitz<<, erklärt sie mir, >>bedeutet nichts. Er existiert eigentlich nicht. Besitz ist Illusion. Etwas an dem die anderen sich festhalten.<< (Seite 45)

5

SaCre

9 Antworten to “{Rezension} Und auch so bitterkalt | Lara Schützsack”

  1. Bücher Würmchen 20. Februar 2014 um 08:31 #

    Wow eine tolle Rezension =)
    Das Buch hört sich echt interessant an und ich werde es auf meine Wunschliste packen. Scheint ein Buch zum Nachdenken zu sein.
    LG Sunny

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    • bookwives 20. Februar 2014 um 08:32 #

      Danke Sunny!
      Pack es ruhig ganz nach oben auf deiner Wunschliste. Es lohnt sich wirklich! Außerdem möchte ich gerne mit jemandem über das Ende diskutieren. 😉

      LG, SaCre

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  2. Bücherjunkies 20. Februar 2014 um 10:43 #

    Ich glaube, auf meiner Wunschliste ist auch noch ein Plätzchen frei 😉

    LG Michaela

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    • bookwives 20. Februar 2014 um 10:44 #

      Liebe Michaela,

      für das schmale Büchlein auf jeden Fall! Du wirst es nicht bereuen. 🙂

      LG, SaCre

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  3. Yvi 26. Februar 2014 um 20:38 #

    Sehr schöne Rezi. Das hört sich wirklich nach einem guten Buch an. Auf meine Wunschliste darf das also auch drauf.
    Lg, Yvi

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  4. janina 25. April 2014 um 17:27 #

    Ich habe das Buch gelesen und fand es wirklich toll. Es ist tatsächlich schwer zu beschreiben, doch deine Rezension trifft voll ins Schwarze! An einigen Stellen konnte ich nur vermuten was gemeint ist und eigentlich lässt das Buch lange Zeit offen, was Lucindas Problem ist. Ich freue mich dass du einige Stellen doch genau so interpretiert hast wie ich.

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    • bookwives 25. April 2014 um 18:03 #

      Hallo Janina!
      Danke für deinen Kommentar. Wie schön, dass dir das Buch auch so gut gefallen hat.
      Spielraum lässt die Geschichte auf jeden Fall.

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