{Rezension} Das Gegenteil von Einsamkeit | Marina Keegan

21 Mrz

Das Gegenteil von Einsamkeit

Autor: Marina Keegan
Titel: Das Gegenteil von Einsamkeit
(OT: The Opposite of Loneliness)
Seitenzahl: 288 Seiten
Verlag: S. Fischer
ISBN: 978-3-10-002276-9
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„Wir haben kein Wort für das Gegenteil von Einsamkeit, aber wenn es eins gäbe, könnte ich sagen, genau das will ich im Leben.“ (Seite 27)

Marina Keegan war eine bemerkenswerte junge Frau. Wohlgemerkt: war. Ihr Leben nahm viel zu schnell ein jähes Ende.
Schon früh wusste sie, dass sie Schriftstellerin werden wollte. „Und zwar eine richtige. Mit Haut und Haar“ (Seite 23).
An der Yale Universität war sie sehr bekannt: sie engagierte sich politisch (Occupy-Bewegung), war Präsidentin der Yale College Democrats, schrieb ein Theaterstück, spielte in zweien mit, arbeitete für die Yale Daily Mail, machte ein Praktikum in New York bei der Paris Review und besorgte sich für nach dem Examen einen Job beim New Yorker. Sie belegte einen Kurs über autobiografisches Schreiben und war traurig darüber, dass sie nicht in die Geheimgesellschaften der Universität aufgenommen wurde. Bis hier hin eine Jugendliche, wie du und ich sie hätten sein können (mit sehr vielen freiwilligen Verpflichtungen allerdings). Mit den gleichen Ängsten, Hoffnungen und Wünschen – nach Liebe, Anerkennung und Erfolg.
Im Jahr 2012 schloss sie ihr Studium mit „magna cum laude“ ab und hielt eine Abschlussrede, die auch in Zeitungen abgedruckt wurde. „Das Gegenteil von Einsamkeit“, Titelgeber des Buches. Eine große Zukunft lag vor ihr.
Fünf Tage später war sie mit ihrem Freund auf dem Weg nach Cape Cod, zur Geburtstagsfeier ihres Vaters. Ihr Freund fuhr das Auto. Er schlief am Steuer ein. Das Fahrzeug überschlug sich mehrfach. Während er unverletzt blieb, starb Marina Keegan…
Ein Jahr später entschlossen die Eltern sich dazu, ihre Geschichten und Essays in einem Buch zu veröffentlichen.
Ihre Dozentin für autobiografisches Schreiben Anne Fadiman hat ein sehr ehrliches und offenes Vorwort beigesteuert.

„Wir haben kein Wort für das Gegenteil von Einsamkeit, aber wenn es eins gäbe, würde ich sagen, genau so fühle ich mich in Yale. Genau so fühle ich mich jetzt. Hier. Bei euch allen. Verliebt, beeindruckt, demütig, ängstlich. Und das dürfen wir nicht verlieren.
Wir vom Abschlussjahr 2012 ziehen alle an einem Strang. Bewegen wir etwas in der Welt.“ (Seite 31)

Viele werden nun fragen, warum? Ganz einfach: weil sie eine wirklich großartige Schriftstellerin war! In jungen Jahren hat sie Texte verfasst, die einerseits ihre Jugendlichkeit nicht verbergen, andererseits doch von großer Reife zeugen. Sie schrieb über Liebe, Tod, das Erwachsenwerden, Sehnsüchte, ungewollte Schwangerschaften, unglücklich verheiratete Eltern und ihre Kinder, das Scheitern von Plänen. Ihre Texte sind authentisch und lebensnah, in klarer Sprache geschrieben.
Bei dem, was ihr widerfahren ist, bekommen Sätze wie

„Und ich weine, weil alles so schön ist, und so kurz.“ (aus dem Gedicht „Vergangenes“)

eine ganz andere Bedeutung.

Der Druck, unter dem viele junge Erwachsene stehen und den auch sie verspürte, findet sich in einigen Werken wieder. An sich selber hatte sie den Anspruch, dass es „immer (noch) besser“ gehen kann. Unermüdlich überarbeitete sie ihre Texte. Daher ist nicht klar, welche Versionen uns nun vorliegen – war sie selber mit ihrem Geschriebenen zufrieden oder hätte sie noch weiter daran gearbeitet? Diese Frage werden wir nie beantwortet bekommen.
Und doch ging sie optimistisch an die Zukunft, was man in ihrer Abschlussrede lesen kann.

Mit Marina Keegan hat die Welt eine großartige und überaus talentierte Autorin und Journalistin verloren. „Das Gegenteil von Einsamkeit“ ist eine Sammlung von Essays und Geschichten, die mir gut gefallen haben, auch wenn ich sonst nicht zu dieser Art Buch greife. Das Werk ist bemerkenswert und spiegelt so gut die Gefühle und Ängste der Generation wider.
In einigen Geschichten konnte ich mich und meine Gedanken finden, in anderen habe ich Freunde und Bekannte entdeckt. Einiges ist mir schon selber widerfahren, anderes kenne ich durch Erzählungen. Alle Stories haben mir auf unterschiedlichste Art und Weise berührt. Mit positiven wie negativen Emotionen.

Im Essay „Aufs Korn genommen“ schildert sie, was sie gerne am Sterbebett hätte. „eine Rolle gefüllte Kekse, eine Tüte Goldfischchen, einen Hamburger von McDonald’s, eine Auswahl von Dunkin‘ Donuts, Hühnerpastete, eine gefüllte Teigtasche, eine große Salamipizza, einen Crepe und ein eiskaltes Bier.“ (Seite 217) Doch leider hatte sie, die an Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) litt, dazu keine Chance…

Bemerkenswert. Lesenswert.

4

SaCre

9 Antworten to “{Rezension} Das Gegenteil von Einsamkeit | Marina Keegan”

  1. Literaturgeist 21. März 2015 um 11:31 #

    SEHR interessant! Und ein guter Artikel! Den Druck von dem sie schreibt verspüre ich auch. An Plädoyers für die Lebensfreude kann es nie mangeln.

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  2. Favola 21. März 2015 um 23:14 #

    Ah, noch ein Fischer-Buch 🙂
    Ich glaube, das wurde mir sogar an der Frankfurter Buchmesse empfohlen, ich habe es erst einfach nicht erkannt. Ich glaube, das liegt am Cover. Das spricht mich ehrlich gesagt nicht wirklich an. Aber deine Rezension tönt wirklich vielversprechend.

    lg Favola

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    • bookwives 24. März 2015 um 19:03 #

      Das Cover findet ich.. na ja, normal Nicht besonders gut oder schlecht. Es hätte nie meine Aufmerksamkeit erregt.
      Der Inhalt ist brillant!

      LG, Sabrina

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  3. irmgardrahn 23. März 2015 um 10:14 #

    Ohne deine Buchbeschreibung hätte ich nie danach gegriffen. Jetzt ist es auf meiner Liste. Danke.

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    • bookwives 24. März 2015 um 19:03 #

      Das freut mich, Irmgard. Befreie es nur schnell von der Liste und lies es. 🙂

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  4. Chrisi 3. April 2015 um 17:19 #

    Hach, ich freu mich schon total auf das Buch *_* Habe es mir ertauscht und warte nur noch darauf, dass es endlich im Briefkasten liegt 🙂
    Das Buch klingt wirklich gut und deine Rezension ist ja auch sehr positiv und macht mich noch neugieriger 🙂

    Liebe Grüße
    Chrisi

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