{Rezension} Das Labyrinth | Sigge Eklund

21 Mai

Das Labyrinth Sigge Eklund

Autor: Sigge Eklund
Titel: Das Labyrinth
(OT: In i labyrinten )
Seitenzahl: 384 Seiten
Verlag: DuMont
ISBN: 978-3-8321-9758-2
Veröffentlichung: 20. Mai 2015
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„Dann wird ihr bewusst, dass sie es nur registriert. Alles Schöne jagt ihr Angst ein, weil es sie dazu bringt, Gefühle zu entwickeln, und sie will nicht fühlen.“ (Seite 10)

Asa und Martin Horn sind die Eltern der elfjährigen Magda. Nach ihrem Verschwinden werden diese verdächtigt, etwas mit dem Verbrechen zu tun zu haben bzw dieses selber durchgeführt zu haben. Beide versuchen mit allen Mitteln, sich zu verteidigen.
Tom ist Martins Kollege, der ihm bedingungslos zur Seite steht. Er möchte den Eltern helfen, eine Spur zu finden. Das hat sich auch Schulkrankenschwester Katja zur Aufgabe gemacht. Doch hat diese kurz vor Magdas Verschwinden blaue Flecken an dem Mädchen entdeckt…

„Eine Frau, die so ungerührt ist, muss schuldig sein.“ (Seite 198)

Schnell kommt man in das Buch rein und merkt sofort, dass dieser Thriller anders ist.

Die Charaktere sind alle unglaublich komplex. Sie haben viele Eigenschaften. Und eins scheint ihnen allen gemein: sie sind selbstsüchtig. Ich kann mich an kein Buch erinnern, in dem mir dermaßen viele egozentrische Personen begegnet sind. So hatte ich eine gewisse Distanz zu den Charakteren. Das hat mich in diesem Fall aber überhaupt gar nicht gestört. Im Gegenteil: ich hatte einen unvoreingenommenen Blick auf die Handlungen und dachte, dass mir so nichts entgehen kann.

Martin und Asa sind zwar verheiratet, doch so sehr mit sich selber beschäftigt, dass ihre Tochter eine immer kleinere Rolle zu spielen scheint. Beide scheinen aber schon eine gewisse Distanz zu einander entwickelt zu haben. Eine glückliche Ehe sieht für mich anders aus.
Toms Beziehung zu Martin ist für mein Empfinden seltsam. Er vergöttert ihn nahezu und empfindet sein Verhältnis zum Chef als „einzige unverfälscht lustvolle Beziehung“ (Seite 251), die er jemals in seinem Leben hatte.
Auch Katja kommt mit Geheimnissen daher und ihre Rolle ist mir zu Anfang nicht wirklich klar.
Ich hatte zu Beginn für mich einen Schuldigen ausgemacht, doch habe ich meine Meinung revidiert. Und wieder. Und wieder. Um am Ende des Buches festzustellen, dass Autor Sigge Eklund mich womöglich in die völlig falsche Richtung geschickt hat.

„Wie sich herausgestellt hat, gibt ihr der Hass Energie.
Wenn sie ihn spürt, fühlt sie sich seltsam lebendig.“ (Seite 17)

Die Geschichte wird aus unterschiedlichen Perspektiven und zu unterschiedlichen Zeiten erzählt. Das kann verwirren. Hat es mich in diesem Fall aber nicht. Das setzt allerdings etwas mehr Konzentration voraus und hat einen gewissen Anspruch. Zu Wort kommen Martin, Asa, Tom und Katja. Jeder geht auf eigene Art und Weise vor, um in diesem Fall weiter zu kommen.
Durch dieses interessante Stilmittel puzzlet man sich aber nach und nach das Gesamtbild zusammen. Dadurch verfolgt man als Leser verschiedene Handlungsstränge parallel, die später zusammengeführt werden. Und auch hier konnte Sigge Eklund mich richtig überraschen.
Auch sprachlich ist dieser Roman gut gelungen. Relativ nüchtern und emotionslos wird die Geschichte geschildert, was den Eindruck der ichbezogenen Charaktere noch verstärkt.
Es herrscht eine gewisse Grundspannung die ganze Story hindurch. Zum Ende hin wird das Level aber deutlich angezogen, sodass man das Buch kaum noch aus der Hand legen kann.

Am Ende gerät ein – für mich –  wichtiger Aspekt völlig außer Acht. Das hätte ich so gar nicht erwartet. Und auch jetzt weiß ich noch nicht so ganz, was ich davon halten soll.
Der Schluss ist offen gehalten und lässt dadurch Spielraum für eigene Gedanken und Interpretationen. Und die sind auf meiner Seite ganz schön grausam und perfide. Ich würde zu gerne mal mit dem Autor sprechen um zu erfahren, wie er sich das gedacht hat.

Sigge Eklund hat mit „Das Labyrinth“ einen anspruchsvollen und stilistisch etwas anderen Thriller geschrieben. Wenn man sich darauf einlassen kann und komplexe Charaktere mag, wird man vom Autor in ein Labyrinth gezogen, aus dem es so schnell kein Entkommen gibt. Ist man einmal drin, bleibt man gerne.

4

Sabrina

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