{Rezension} Gone Cat. Die stumme Zeugin | Sam Gasson

4 Apr

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Autor: Sam Gasson
Titel: Gone Cat. Die stumme Zeugin
(OT: The Cat who saw it all)
Übersetzung: Ann-Kathrin Schwarz
Seitenzahl: 352 Seiten
ISBN: 978-3-7363-0157-3
Verlag: Egmont Lyx
Veröffentlichung: 8. März 2016
Leseprobe
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„Bruno hatte sich plötzlich in einem Zwiespalt befunden: Was war der Unterschied zwischen einem neugierigen Nachbarn und einem scharfsichtigen Detektiv? Nur einer von beiden strebte nach Gerechtigkeit und Moral, war die lässige Antwort seines Dads gewesen.“ (Seite 35)

Der Handlungsort dieses Krimis ist die St. Andrew’s Road in Brighton.
Hier lebt der elfjährige Bruno mit seinen Eltern und seiner geliebten Katze Mildred.
Als im gegenüberliegenden Haus die Mutter seines besten Freundes Dean Opfer eines Mordes wird, entschließt Bruno sich, diesen Mord aufzuklären.
Auch sein Vater – ein ehemaliger Privatdetektiv – nimmt die Ermittlungen auf.
Nach und nach gelangen alle Nachbarn in das Fadenkreuz der Polizei sowie der beiden Hobbydetektive, bis am Ende dann im Stil einer Whodunit Geschichte der wahre Täter feststeht.

Meine Meinung:
Cosy Crime Romane entsprechen grundsätzlich meinem Lesebeuteschema.
Als ich das Buch vom Verlag überraschend zugeschickt bekam, freute ich mich darüber, wie ein Kind zu Weihnachten. Nicht nur wegen der außergewöhnlichen Art der Präsentation in einer ansprechenden Umverpackung, die sofort mein Interesse weckte.
Auch die Geschichte machte mich auf Anhieb neugierig. Bereits die Einleitung entlockte mir ein Schmunzeln und so war ich sehr gespannt auf den Rest des Buches. Das ließ mich im Verlaufe der Geschichte dann jedoch mit zwiespältigen Gefühlen zurück.

Zum einen finde ich es immer schlecht, wenn ich einen der Protagonisten nicht mag. Ich konnte einfach mit Bruno nicht warm werden.
Das ist ein selbstgefälliger, überheblicher und besserwisserischer Bengel, der mir von Grund auf unsympathisch war. Er belügt seine Eltern, er belügt die Polizei und er redet in einem Ton mit den Nachbarn, dass man sich fragt, wie er ohne Probleme damit durchkommt.
Dies ist bis zu diesem Punkt eine rein subjektive Empfindung, die andere Leser ganz anders bewerten könnten.

Aber auch objektiv hakt es gerade bei der Charakterisierung des Brunos: Brunos Figur ist meiner Meinung nach nicht schlüssig gezeichnet.
Sein Charakter ist inkonsistent. Er benimmt sich auf der einen Seite altklug und debattiert mit seinem Vater über Dinge wie Vergewaltigungen und Ähnlichem. Außerdem empfinde ich seine Wortwahl unpassend für einen Elfjährigen – und sei er noch so neunmalklug.
Andererseits gibt es Szenen, in denen er sich auffallend kindlich benimmt. So springt er an einer Stelle aus einem (langsam) fahrenden Auto, weil er die Handtasche einer Passantin mit seiner Katze verwechselt hat.
Zudem versteht er nicht, dass er mit seinem Verhalten die Ermittlungen gefährdet. Er scheint das alles für ein Spiel zu halten. In seinem Beharren darauf, ein echter Detektiv zu sein, wirkt er kindisch und unvernünftig.
Selbst, als sein Vater ihn zur Rede stellt und ihm erklärt, wie wichtig es ist, dass er nun alles verrät, was er herausgefunden hat, nickt er brav, denkt sich sodann, dass schließlich jeder Detektiv seine Geheimnisse hat, und verschweigt prompt wieder wichtige Fakten.
Mir ist der Bruch zwischen dem unvernünftigen Kind einerseits und dem altklugen Bruno andererseits zu heftig, um mir noch schlüssig zu erscheinen.

Auch der Schreibstil ist nicht meiner. Ich empfand ihn überwiegend als zu nüchtern, beinahe berichterstatterisch. Er konnte mich nicht abholen und mitnehmen.
Dabei ist der Schreibstil jedoch keinesfalls schlecht. Technisch einwandfrei. Nur eben keiner, der mich mitreißen konnte.
An anderer Stelle findet der Autor dann plötzlich wunderschöne und treffsichere Formulierungen. Wenn Sam Gasson Dinge schreibt wie:

»Aus diesem Grund saßen sie still da, jeder in Gefühle verstrickt, die für ihr Alter zu groß waren« (Seite 279)

dann beweist er ein Talent, Dinge mit präzisen Worten eingängig auf den Punkt zu bringen. An derartigen Stellen habe ich das Buch geliebt.
Genau das macht diesen Zwiespalt aus, in dem ich mich befinde.
Sam Gasson kann wunderbar mit Worten umgehen, aber tut dies in diesem Krimi auf eine Weise, die mich nicht anspricht.

Die Geschichte an sich ist solide und so, wie ich sie als Leser von einem klassischen Krimi erwarten würde. Eine Leiche zu Beginn des Buches, verschiedene, teils verschrobene, Verdächtige und Ermittlungsarbeit im alten Stil, die nach und nach bis zur Aufklärung voranschreitet. Das Ganze wird schlüssig und nachvollziehbar erzählt.

Mein Fazit:
Für Fans von Cosy Crime und Katzen, die nervige Elfjährige nicht schlimm finden.
Im Hinblick auf den Stil, empfehle ich den Blick in eine Leseprobe.

Rana

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