Ein Abend mit… Sebastian Fitzek (15.05.2013)

18 Mai
(Foto: sebastianfitzek.de)

(Foto: sebastianfitzek.de)

Gut über 200 gespannte Menschen sitzen vor der Bühne in der Mayerschen Buchhandlung Dortmund (die übrigens in Rekordzeit ausverkauft war) – und mittendrin wir.

Die Bühne ist nicht sehr aufwändig, aber doch stimmungsvoll, dekoriert: vorne ein schwarzes Pult mit einigen Ausgaben des Buches, im Hintergrund ein dunkles Klavier, mit großem Kerzenständer, einem Portrait, links und rechts gesäumt von roten Samtvorhängen.

Um Punkt 20.15 Uhr ist es soweit: das Licht wird gedimmt und unter großem Applaus betritt Sebastian Fitzek seine Bühne.
Schon mit seinen ersten Worten, seiner Begrüßung, hat er das Publikum auf seiner Seite. Gewohnt locker und authentisch kommt er bei uns an.

„Ob ich schlafwandle? Soweit ich weiß, nicht.“

„Ob ich schlafwandle? Soweit ich weiß, nicht.“

Er bedankt sich bei all seinen Lesern und auch den Buchhandlungen für die Unterstützung, die er von Anfang an erfahren hat. Daher ist der heutige Abend der Höhepunkt seiner Lesereise, auf der er an über 20 Orten zu Gast war. Gerade hier in Dortmund wurde er von Beginn seiner Karriere an großartig aufgenommen. So ist dieser Abend, der unter dem Motto „unplugged“ steht, sein Dank an die Buchhandlung: eine große, doch intim wirkende Lesung.

Sein aktueller Roman ist direkt als Taschenbuch erschienen. Zum einen, weil er selber sehr gerne diese Art von Büchern mag. Zum anderen, wollte er damit die Aktion „50 Jahre Knaur Taschenbuch“ unterstützen.

Er erzählt von seinen Anfängen als Schriftsteller. Wie das ist, wenn mal als junger Autor in Buchhandlungen auf die Suche nach seinen eigenen Werken ist. Und wenn man diese gefunden hat, werden sie von ganz hinten im Regal nach vorne geholt, und „versehentlich“ vorne zwischen den Bestsellern platziert. Er schmunzelt, das Publikum lacht. Und eine Angestellte der Mayerschen neben uns nickt grinsend und wissend mit dem Kopf. Laut Fitzek hat diese Aktion den Vorteil, dass einen zumindest der Ladendetektiv danach kennt.

Während er weiter unterhaltsame und witzige Anekdoten aus seiner Anfangszeit erzählt, kommt das Thema „Ex-Freundin“ auf. Ulrike heißt sie, zumindest eine. Sie ist Zahnärztin. Und als sie von Berlin nach Hamburg zog, folgte er ihr bis dorthin. Den Witz, dass es in Berlin keine Zahnärzte gibt, muss der Autor sich heute noch gefallen lassen.
Dann gibt es da noch Gerlinde. Die Frau, die ihn zu Thrillern inspiriert. Wir alle lachen. Ob das nun gut oder schlecht für Gerlinde ist? 🙂

Dann beginnt er mit seinem ersten Lesepart: wir steigen mit ihm in die Geschichte ein. Es geht um die ominöse Kakerlake und darum, wie Natalie ihre Koffer packt und verschwindet.

Das ganze Publikum, nicht nur der weibliche Großteil, hängt an Sebastians Lippen. Es ist wirklich toll ihm zuzuhören, wie er seine Geschichte vorträgt, wie er dabei mit den Händen gestikuliert und immer wieder den Blickkontakt zum Publikum hält.
Danach erklärt er, wie es gerade in seiner Hauptperson Leon Nader aussieht. Dass er Angst hat, vor allem vor sich selber.
Aus dem Publikum die Frage, ob er selber schlafwandelt: „Soweit ich weiß, nicht.“

Die Grundidee zum Buch kam ihm nach einem Bericht über Schlafwandeln. Das Phänomen der Schlaflähmung allerdings ist ihm nicht ganz unbekannt. Davon war er selber schon betroffen.

Bei seinen Recherchen zu Büchern ist das Internet natürlich eine unumgängliche Informationsquelle. Er erzählt, dass seine Suchmaschinen-Einträge so ungefähr wie folgt aussehen: Psychische Störungen, Hochsicherheitstrakt, Psychopharmaka, Babynahrung, Schwangerschafts-Yoga.
Wir alle lachen, weil diese Vorstellung einfach zu lustig ist. 

Auch in seiner Rolle als junger Familienvater passiert es nun mal, dass man – aus Sorge um sein Baby – nach dem Windelinhalt im Internet sucht, und plötzlich in einem Fetisch-Forum landet. Wie gut für ihn, dass er sich dort nicht mit richtigem Namen angemeldet hat.
Äußerst witzig und spontan antwortet er auf Fragen und Zwischenbemerkungen aus dem Publikum.

„Wer hat die größere Macke? Ich, der das schreibt? Oder Sie, die das Lesen?“

„Wer hat die größere Macke? Ich, der das schreibt? Oder Sie, die das Lesen?“

In seinem zweiten Leseteil sind wir Zeuge des Besuches des Psychologen bei Leon.
Die Frage von Sebastian ans Publikum „Wer hat die größere Macke? Ich, der das schreibt? Oder Sie, die das Lesen?“ Nun, darüber lässt sich wohl herrlich streiten.

Als nächstes liest er darüber vor, wie Leon sich die kleine Kamera auf den Kopf setzt, um seine Nachtaktivitäten zu filmen.
Eine Architektin hat den Autor mal gefragt, ob er glaubt, dass Architektur einen negativen Einfluss auf Menschen haben kann. Und so lässt er uns teilhaben an seinen Gedanken zum „umgedrehten Feng-Shui“. Das Publikum ist ungebrochen begeistert.

Er nennt Beispiele dafür, dass man Wahrheiten in seinen Büchern etwas abmildern muss, damit diese dem Leser glaubwürdig erscheinen. Über diese Geschichten, die ihm teils widerfahren sind, die er teils von Kriminologen gehört hat, können wir in der Tat nur staunend den Kopf schütteln. Und ich muss ganz ehrlich sagen: in Büchern hätte ich das für völlig überzogen gehalten.

In seinem vierten Leseteil entdecken wir mit Leon Nader die Tür hinter dem Schrank. Wieder sehr stimmig vorgetragen – wir gruseln uns mit dem Hauptdarsteller des Buches.
Sebastian erzählt, dass ab ca. Seite 50 seine Protagonisten und die Geschichte ein Eigenleben entwickeln. Er hat sie einfach ziehen und machen lassen. Und ab diesem Zeitpunkt ist er das, was wir auch sind: Leser der Geschichte.

Obwohl es dem Publikum möglich gewesen wäre, all seine Fragen schon während der Lesung zu stellen, prasselten nun zum Ende die ganzen Fragen auf den Autor ein. Das können wir nur zu gut nachvollziehen: auch wir wollten Sebastian während der Lesung nicht unterbrechen, sondern ihm erst einmal weiter zuhören. 

Eine Fortsetzung zu “Der Nachtwandler” und auch “Abgeschnitten” wird es von ihm nicht geben.
Die Reihe “Der Augensammler” und “Der Augenjäger” war ursprünglich als Trilogie geplant. Allerdings hat er den Großteil seiner Ideen in diesen beiden Büchern eingesetzt. Und so fehlt ihm nun noch die zündende Idee, um einen dritten Teil auf den Markt zu bringen. Wir sind froh, dass er lieber auf Qualität statt Quantität setzt! 

Die Frage, ob er Angst hat, jemand könnte seine Bücher als Vorlage für Gewaltverbrechen nehmen, verneint er und begründet dies auch.
Allerdings wäre er für eine FSK-Regelung bei Büchern. Auch wenn Lehrer gerne mal einen Fitzek Roman als Klassenlektüre nehmen würden: den Vorschlag einer Lehrerin „Die Therapie“ mit einer 7. Klasse zu lesen, fand er – ebenso wie besorgte Eltern – nicht gut.

Er verriet uns, dass Audible zwei weitere Hörspiele mit Werken von ihm plant.
Auf die Frage hin, warum er nicht selber mal ein Hörbuch einspricht, hat er wieder eine nette Anekdote parat: beim „Seelenbrecher“ hat er ein Kapitel selber eingelesen. Die Meinungen und Rezensionen zu diesem Part waren vernichtend, wie er uns sehr humorvoll berichtet.

Sebastian Fitzek_Lesung 3

Eine Fortsetzung zu „Der Nachtwandler“ wird es nicht geben.

Dann sind auch schon fast 2 Stunden rum, die Lesung ist vorbei. Doch bei der anschließenden Signierstunde haben wir die Chance, diesem sympathischen Autor noch etwas näher zu kommen. Wir können die brennendsten Fragen stellen, unser Bücher signieren und abschließend noch ein Foto mit ihm machen lassen. 

Mehr als begeistert verlassen wir die Buchhandlung und sind etwas wehmütig, dass der Abend schon vorbei ist. Aber die nächste Lesung kommt bestimmt. 🙂 

"Das Ende vom Nachtwandler ist eindeutig." Ach ja? :)

„Das Ende vom Nachtwandler ist eindeutig.“ Ach ja? 🙂

Ganz herzlich bedanken möchten wir uns bei der Verlagsgruppe Droemer Knaur, der Mayerschen Buchhandlung Dortmund und natürlich auch beim Protagonisten Sebastian Fitzek!

PS: wir haben Sebastian gefragt, wie er das Ende der Geschichte mit Leon meint. Und er hat uns verraten, wie es gemeint ist. Aber wir wollen ja hier nicht spoilern. 🙂

SaCre & SaFi

2 Antworten to “Ein Abend mit… Sebastian Fitzek (15.05.2013)”

  1. Grübschn 25. Mai 2013 um 13:15 #

    wie nicht spoilern? 😀
    ich habs gelesen und bin nach dem Ende trotzdem leicht verwirrt geblieben^^
    Gutes Ende – aber für mich verwirrend^^
    Also bitte bitte, was hat er gewntwortet? 🙂

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    • bookwives 26. Mai 2013 um 11:35 #

      Grübschn, für uns war das auch verwirrend… 🙂 Aber er sagte, der letzte Satz sagt alles.
      Weißte Bescheid?!?! 🙂

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