{Rezension} Und am Morgen waren sie tot (Jan-Römer-Krimi #2) | Linus Geschke

6 Jun

Und am Morgen waren sie tot

Autor: Linus Geschke
Titel: Und am Morgen waren sie tot
Seiten: 400 Seiten
ISBN: 9783548287034
Verlag: Ullstein
Veröffentlichung: 14. März 2016
Leseprobe
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Es kam mir so vor, als ob der Ort an sich die Gefahr wäre. Was immer im Oktober 1997 hier geschehen war – das Böse musste in den Boden eingesickert sein, war über Jahrzehnte hinweg von den Bäumen und Sträuchern aufgesogen worden und vergiftete nun die Luft. (Seite 240)

Inhalt:
Der Journalist Jan Römer arbeitet an einer Story über vier Jugendliche, die im Oktober 1997 an der deutsch-belgischen Grenze gezeltet hatten. Zwei von ihnen wurden ermordet, die anderen beiden sind seitdem verschwunden.
Der Artikel zieht den Journalisten in die Entwicklungen herein. Ein mutmaßlicher Zeuge meldet sich und bald darauf ist Jan Römer mit seiner Kollegin ›Mütze‹ in der Eifel unterwegs, um auf eigene Faust herauszufinden, was damals passiert war. Er kommt dabei Machenschaften auf die Spur, die in der Nazizeit ihren Anfang nahmen und bis heute wirken.

Meine Meinung:
›Und am Morgen waren sie tot‹ ist der zweite Band der Jan-Römer-Reihe.
Band eins kannte ich vorher nicht, das hat jedoch das Verständnis nicht beeinträchtigt. Der Roman fängt actiongeladen an, verliert dann allerdings zwischenzeitlich an Fahrt, zum Glück ohne langweilig zu werden.

Ich war mir vor dem Lesen nicht sicher, was mich erwartete.
Der Untertitel ›Kriminalroman‹ wies natürlich auf das Krimigenre hin, die Aufmachung erinnert an einen Thriller.
Auch während der Lektüre wusste ich diesen Roman nicht einzuordnen – und kann es bis jetzt nicht.
Für einen waschechten Krimi springt der Autor zu häufig zwischen den Protagonisten und anderen Perspektiven, Zeiten und Orten hin und her.
Besonders der Einblick in die Täterperspektive oder auch die Sichtweise anderer Zeugen ist ein typisches Merkmal eines Thrillers und grenzt diesen Roman zu einem klassischen Krimi ab.
Nun muss ein Buch glücklicherweise nicht unbedingt in eine Schublade passen, um zu gefallen.
Es erleichtert allerdings die Erfüllung von Leseerwartungen. 😉

Die Frage ist mithin, ob der Roman auch als Wanderer zwischen Thriller- und Krimiwelt gefallen konnte.
Die kurze Antwort: ja, überwiegend schon.

Die Geschichte ist im Wesentlichen schlüssig.
Warum sich der Journalist quasi sofort an die Fersen einer bestimmten Person heftet, war mir allerdings nicht ganz klar. Oder präziser gesagt: Warum dieser Typ Misstrauen erregt, verstand ich sofort. Warum Jan Römer sich aber sofort so sicher ist, dass er auch etwas mit den Geschehnissen von 1997 zu tun haben müsse, fand ich nicht einleuchtend.
Davon abgesehen war die Entwicklung und spätere Auflösung nachvollziehbar, auch wenn ich in mindestens einem Punkt denke, der Journalist hätte deutlich eher darauf kommen können.

Die Charaktere der Protas, sowie sämtlicher Nebendarsteller, empfand ist als gelungen. Hier hatte ich stets ein Bild vor Augen und habe mich auch bereitwillig auf die eine oder andere falsche Fährte locken lassen, wobei ich bei zwei Personen entschieden früher misstrauisch wurde, als Jan Römer. Was verwundert, da der Journalist doch im Hinblick auf seinen Hauptverdächtigen so einen untrüglichen Instinkt beweist.
Da es der Spannung dient und nicht allzu abwegig ist, empfinde ich diesem Punkt nicht als wirklich schlimm.
Das Setting überzeugt. Jan Römer pendelt zwischen Köln und Eifel, dabei liegt der Schwerpunkt in der Eifel. Eine ordentliche Portion Lokalkolorit zieht den Leser sofort in die Region und lässt die Landschaft vor dem geistigen Auge entstehen.

Der Stil ist gut lesbar. Die Sprache meist präzise. Von einigen Redundanzen abgesehen, wie die »graue Eminenz im Hintergrund« (Seite 149).
Irritierend fand ich die unzähligen Perspektivwechsel.
Dass zwischen den Protagonisten und Antagonisten gewechselt wird, ist nicht unüblich.
Dabei verwirrte mich jedoch der Wechsel von der dritten Person zur ersten Person. Jan Römer berichtet aus der Egoperspektive, die übrigen Darsteller sind in der dritten Person geschrieben, allerdings auch in personaler Erzählperspektive.
Wenn der Leser in Jan Römer steckt, erleben wir zum Beispiel seine Kollegin Mütze nur von außen und kurz darauf ist Mütze zwar immer noch in der dritten Person beschrieben, aber wir erfahren von ihrem Innenleben.
Hier hätte ich eine konsequentere Entscheidung für eine Perspektive begrüßt.

An einigen Stellen merkt man, dass der Autor Journalist und damit gewohnt ist, das Ergebnis seiner Recherche an die Leserschaft weiterzugeben.
Das bremst die Handlung an einigen Stellen aus; etwa auf Seite 344, wo der Leser über die Länge einer drittel Seite einen historischen Abriss über das Dragunov Gewehr erhält, nur um zu erfahren, dass jemand später damit schießen wird.

Von den genannten Punkten, abgesehen, die ich nicht als wirklich störend empfunden habe, hat mir der Roman gefallen und ich werde den Werdegang von Jan Römer weiter verfolgen.

Fazit:
Für Leser, die einen Hybrid zwischen gemächlichen Thriller und actionreichen Krimi mögen, der gewürzt ist mit spannenden Charakteren und einer Prise Lokalkolorit.

 

Rana

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