Silber – Das erste Buch der Träume {Rezension}

24 Jun

Silber Kerstin GierAutor: Kerstin Gier
Titel:
 Silber – Das erste Buch der Träume
Seitenzahl: 416
ISBN:
 978-3841421050
Verlag: Fischer
Veröffentlichung: 20. Juni 2013
Leseprobe

„Nirgendwo lernt man einen Menschen besser kennen, und nirgendwo kann man mehr über seine Schwächen und Geheimnisse erfahren als in seinen Träumen.“ (Seite 257)

Liv Silber und ihre kleine Schwester Mia ziehen mal wieder um. Dieses Mal geht es nach London. Als sie dort bei ihrer Mutter ankommen eröffnet sie den beiden, dass sie alle in das Haus ihres Freundes Ernest und seinen beiden Kindern Florence und Grayson einziehen werden. Sogar Lottie, das deutsche Kindermädchen der Silbers, darf mit einziehen.
Liv beginnt, seltsam zu träumen. In ihren Träumen begegnet sie Grayson und seiner Clique um Jasper, Henry und Arthur. Alles, was im Traum passiert, erscheint ihr so real.
Die Jungs bitten sie schließlich bei einer geheimen und seltsamen Mission um Hilfe. Und plötzlich findet Liv sich auch auf dem Tittle-Tattle-Blog wieder, auf dem sämtliche Gerüchte der Schule von einer unbekannten Person veröffentlicht werden. Und die Traumwelt wird immer aufregender und geheimnisvoller.

„>>Aber was?<<, fauchte Florence. Bei aller Aufregung konnte ich nicht umhin, ihr dankbar zu sein, dass sie aufgehört hatte, sich erwachsen und höflich zu benehmen. Mit dieser hysterischen Stimme und den vor Wut sprühenden Augen war sie mir gleich viel sympathischer. Mia und ich schauten zwischen ihr und Ernest hin und her wie bei einem Tennismatch, Mum fixierte mit ihren Blicken wieder krampfhaft das Blumenbouquet, und Grayson starrte wie gebannt auf sein iPhone. Vielleicht googelte er ja gerade ‚Patchworkfamilie‘ und ‚Erste Hilfe‘.“ (Seite 61/62)

Mit Spannung erwartet wurde diese neue Jugendbuch-Trilogie von Kerstin Gier. Und um es vorweg zu sagen: das ist mit Abstand das beste Buch der Autorin, das ich bisher gelesen habe.

Als Leser begleiten wir Liv und Mia auf ihrem Weg nach London. Die Eltern sind geschieden und die Sommerferien haben sie bei ihrem Vater in der Schweiz verbracht. Ihre Mutter hat eine neue Stelle in London. Was die beiden nicht erwartet hätten: dass ihre Mum einen neuen Freund hat, bei dem sie alle gemeinsam einziehen werden.
Das Chaos, das in der Familie Silber herrscht, spürt man von Anfang an. Und genau das ist es, was die Familie so sympathisch macht. Von Beginn an habe ich mich quasi wie die vierte Frau neben Mutter, Liv, Mia und Lottie – dem dienstältesten Kindermädchen der Welt – gefühlt.
Dem gegenüber wirken Ernest und seine beiden wohlerzogenen Kinder Florence und Grayson schon etwas steif. Doch auch diese sind mit ihren Macken liebenswürdig und runden die Patchwork-Familie perfekt ab.

„>>Mum! Als mir das das letzte Mal passiert ist, war ich sieben! Uh, was ist das?<< In meinem BH schmolz ein Eiswürfel. (Hätte ich auf Lottie gehört und die oberen beiden Blusenknöpfe zugemacht, wäre das nicht passiert.) Ich fischte ihn hastig heraus und legte ihn auf den Teller, egal, ob sich das gehörte oder nicht. Nach Florences und Graysons Blicken zu urteilen, gehörte es sich nicht.“ (Seite 70)

Liv und Mia sind mir besonders ans Herz gewachsen. Beide haben in einigen Szenen eine „große Klappe“, die mir gefällt, sind manchmal etwas vorlaut und verhalten sich in einigen Situationen eher unkonventionell. Sie sind erfrischend und Liv ist auch noch mutig.
Nebenbei schafft es ein junger Mann, Livs Herz zu erobern. Das Anbandeln der beiden fand ich echt süß. So muss das wohl in dem Alter gewesen sein. 🙂

Für jeden Leser ist hier eine Person dabei, mit der er sich identifizieren kann: die hübsche und etwas zickige Florence, der sportliche Grayson, die mutige Liv, die gut organisierte Lottie,…

„>>Du solltest nicht… man spaßt nicht mit einem Dämon der Nacht.<<
>>Tut mir leid…<<, japste ich, um Fassung bemüht. >>Aber dann sollte er sich vielleicht einen furchterregenderen Namen zulegen.<< Nein, keine Chance. Eine weitere Lachsalve platzte aus mir heraus. >>Ich meine, Lulila! Das klingt doch wie aus einem Schlaflied für Teletubbies.<<“ (Seite 176)

Die Autorin findet das ganze Buch über die richtigen Worte, gespickt mit jeder Menge Situationskomik und leitet den Leser so ganz charmant durch die Geschichte. Sehr oft habe ich beim Lesen schmunzeln müssen, weil die Wortgefechte so klasse waren. Stellenweise erinnerte mich ihre Schlagfertigkeit ein bisschen an die „Gilmore Girls“.

„Gossip Girl“ taucht hier auch auf –  „Secrecy“ spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Sie betreibt den Tittle-Tattle-Blog (den es begleitend zum Buch im Internet wirklich gibt). Keiner weiß, wer dahinter steckt. Aber sie – ich setze im Moment einfach mal voraus, dass es sich um eine weibliche Person handelt – weiß alles. Und dieses Wissen verbreitet sie ungeniert und auf lustig-böse Weise bloggend im Web. Ein leichter, erster Verdacht tut sich mir bereits auf, wer dahinter stecken könnte. Aber das werde ich an dieser Stelle natürlich nicht verraten.

Die Traumwelt ist von Kerstin Gier einfach unglaublich bildlich beschrieben. Die Geschichte, die sie drumherum aufgebaut hat, finde ich faszinierend und sehr spannend.
Das Buch endet mit einem ganz bösen Cliffhanger (weil man ja weiß, dass die Geschichte forgesetzt wird)! Also lautet die Parole: bis zum Erscheinen des nächsten Buches die Zeit überstehen. Vielleicht sollte ich in der Zeit auch ein bisschen träumen?! 🙂

„>>Stellt euch nun im Kreis auf, Brüder und Schwestern<<, forderte Arthur.
Ich biss mir auf die Lippe. Das letzte Mal im Kreis aufgestellt hatte ich mich im Kindergarten. Es tanzt ein Bi-Ba-Butzemann in unser’m Kreis herum… Aber dann fiel mein Blick auf das Messer, und das Lachen, das aus mir herausblubbern wollte, verzog sich wieder.“ (Seite 293)

Was ich ebenfalls unglaublich toll finde: die Gestaltung. Der Schutzumschlag ist einfach wunderschön und er passt so gut zur Geschichte. Auch das Cover an sich ist schön gestaltet. In regelmäßigen Abständen sind die Seiten etwas verziert. Und der Tittle-Tattle-Blog ist ebenfalls schön hervorgehoben. Ein sehr stimmiges Konzept, zu dem auch die Website passt.

Der erste Band der „Silber“-Trilogie – ein fulminanter Auftakt! Voller Ironie, Sarkasmus, Wortwitz begleitet von einer  Traumwelt, in der alles möglich scheint, sowie einer zarten Teenager-Liebe. Das Ganze noch gewürzt mit liebevoll gezeichneten Nebendarstellern und perfekt eingebundenen Familiengeschichten. Ein MUST READ!

„O Gott! Das war Pickel-Sam, garantiert. Sein Blick wanderte suchend umher. Wahrscheinlich hatte Florence ihm gerade hundert Pfund geboten, damit er mit mir auf den Ball ging, und jetzt wollte er überprüfen, ob das ausreichend war. Ich war ziemlich sicher, dass Mum auch bereit war, noch mehr dafür zu zahlen, ihre Tochter in einem viktorianischen Ballkleid zu sehen.“
(Seite 199/200)

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Silber – Die Reihe:

1 ||  „Das erste Buch der Träume“
2 || „Das zweite Buch der Träume

3 || „Das dritte Buch der Träume
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5 Herzen

SaCre

11 Antworten to “Silber – Das erste Buch der Träume {Rezension}”

  1. lezeitrezensionen 24. Juni 2013 um 11:11 #

    Mir hat das Buch auch wahnsinnig gut gefallen.

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  2. Bücherjunkies 24. Juni 2013 um 11:32 #

    Sehr schöne Rezension und ich stimme dir absolut zu 🙂

    Gefällt mir

  3. Anja 24. Juni 2013 um 12:41 #

    Mit Abstand die beste Rezi zum Buch, die ich bisher gelesen habe.
    Ich muss das Buch unbedingt haben =)

    LG
    Anja

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    • bookwives 24. Juni 2013 um 15:16 #

      Hallo Anja,

      vielen Dank. Da machst du mich doch direkt verlegen… 🙂

      Viele Grüße,
      SaCre

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