{Rezension} Die unglaublichen Abenteuer des Barnaby Brocket | John Boyne

20 Nov

Artikelbild_Barnaby

Autor: John Boyne
Titel: Die unglaublichen Abenteuer des Barnaby Brocket
Seitenzahl: 288
ISBN: 978-3-596-85576-6
Verlag: Fischer KJB
Leseprobe
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Alistair und Eleanor Brocket führen ein ganz einfaches Leben. Sie lieben Normalität, Ordnung und geregelte Abläufe. Mit Sohn Henry und Tochter Melanie ist alles in Ordnung. Doch dann kommt Barnaby auf die Welt. Und schon die Geburt läuft ganz anders, als die beiden vorherigen.  Und dann der totale Schock: der Kleine schwebt! Er trotz der Schwerkraft!

Von nun an läuft das Leben der Familie ganz anders, als bisher. Vor allem die Eltern können überhaupt nicht mit Barnaby und seiner Andersartigkeit umgehen. Es geht sogar so weit, dass er keine normale Schule besuchen darf, sondern auf die „Ultimative Akademie für unerwünschte Kinder“ geschickt wird. Und so geschieht eines Tages etwas Furchtbares…

„Und ihm kam der Gedanke, dass normal zu sein vielleicht gar nicht so erstrebenswert war, wie alle sagten. Wie viele normale Jungen hatten so tolle Abenteuer erlebt wie er oder so tolle Leute kennengelernt?“ (Seite 275)

Direkt auf den ersten Seiten schafft Autor John Boyne es, den Leser zum Schmunzeln zu bringen. Die Beschreibung und Darstellung der Familie ist so trocken und nüchtern, dabei aber so treffend, dass ich einfach nicht anders konnte, als über diese langweilig wirkende Familie zu lachen – und sie gleichzeitig in mein Herz zu schließen.
Die Charaktere sind herrlich verschroben. Während Henry und Melanie relativ normal wirken, macht eigentlich auch Barnaby diesen Eindruck. Bis auf die Tatsache, dass er schwebt. Er ist allerdings sehr bemüht, ein „normales“ Kind zu sein. Doch das Schweben kann er einfach nicht abstellen.
Alistair und Eleanor sind ganz anders. Sie sind geradezu versessen auf Normalität und stets darum bemüht, niemandem Umstände zu bereiten und bloß nicht aufzufallen. Natürlich durchkreuzt Barnaby dieses Schema total. Und die beiden können überhaupt nicht damit umgehen.
Ach die anderen Personen, die im Laufe der Geschichte vorkommen, sind alles andere als das, was wir als „normal“ empfinden. Sei es der Mitschüler von Barnaby, der keine Hände sondern Haken hat. Oder der Kunstkritiker, der ein völlig entstelltes Gesicht hat.

Und da sind wir auch schon beim zentralen Thema des Buches: Was ist eigentlich „normal“? Die Frage habe ich mir während des Lesens immer wieder gestellt und mich damit beschäftigt. Nicht alles, was ich als normal empfinde, ist auch für andere normal. Und wer sagt überhaupt, dass jemand der in unseren Augen anders ist, auch tatsächlich anders ist  – und nicht wir unnormal sind?
Ich habe mir so meine Gedanken über Akzeptanz, Toleranz und auch die Familie gemacht. Somit hat der Autor sein Ziel erreicht.

Wie immer war das Buch viel zu schnell beendet. Doch trotz der Kürze von 288 Seiten hat man das gute Gefühl, so viel mehr in sich aufgesogen zu haben.

Der Autor John Boyne konnte mich mit dem Buch „Der Junge mit dem Herz aus Holz“ auch schon richtig begeistern. Mit seiner bildhaften, wortgewaltigen und witzigen Art, zu erzählen. Er schreibt die Wörter nicht einfach, er malt sie geradezu in das Buch. Auch mit der aktuellen Geschichte hat er es wieder geschafft, eine unterhaltsame Parabel, fast schon ein Märchen, für Groß und Klein zu schreiben. Dazu gefällt mir auch die Aufmachung des Buches wieder sehr gut – auch die Zeichnungen, die enthalten sind, sind schön und passend. In seiner Art ist Boyne unnachahmlich und einzigartig (lediglich Mathias Malzieu kann meiner Meinung nach annähernd mithalten).
Jedem, der sich gerne in eine fantastische Welt entführen lassen möchte und poetisch Geschriebenes mag, kann ich dieses Buch ans Herz legen.
Von mir eine ganz klare Leseempfehlung! (Leider kann ich hier „nur“ 5 von 5 Herzen vergeben.)

„Mrs Hooperman-Hall lächelte und strich sich  über den Schnurrbart. Sie sah aus wie eine Ziege, auch wenn ihre Schneidezähne eher an ein Dromedar erinnerten. Ehe sie sprach, fuhr sie mit der Zunge über den klebrigen dunkelroten Lippenstift, der in ihren Mundwinkeln haftete wie Mörtel an einem Backstein, und schob die dicke Schicht hin und her, was ziemlich ekelhaft aussah.“ (Seite 45)

5

SaCre

8 Antworten to “{Rezension} Die unglaublichen Abenteuer des Barnaby Brocket | John Boyne”

  1. Henni 20. November 2013 um 16:01 #

    Ich mag John Boyne’s Werke, auch dieses findet den Weg auf meine Wunschliste. Tolle Rezi! 🙂

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  2. Anna Hübner 21. November 2013 um 00:45 #

    Sehr schöne Rezi !! Werd es mir auch zulegen …

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  1. Wall of Fame | November 2013 | Bookwives - 1. Dezember 2013

    […] Die unglaublichen Abenteuer des Barnaby Brocket von John […]

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  2. Jahresrückblick 2013 | Dein Buchjahr in 30 Fragen | Bookwives - 31. Dezember 2013

    […] Für mich die Bücher von John Boyne im Allgemeinen. Im Speziellen: “Die unglaublichen Abenteuer des Barnaby Brocket“. Ein Meisterwerk! Sowohl sprachlich, als auch […]

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