{Rezension} Gewitterherzen | Felicitas Brandt

4 Jun

Gewitterherzen

Autor: Felicitas Brandt
Titel: Gewitterherzen
Seitenzahl: 477 Seiten
ISBN: 978-3-646-60146-6
Verlag: Carlsen Impress
Veröffentlichung: 04. Juni 2015
Leseprobe
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In einer verregneten Berliner Nacht krachen Nate und Eve geradezu ineinander. Nachdem er ihr aus einer brenzligen Situation geholfen hat, nimmt er sie mit zu sich nach Hause. Wo sie erst einmal bleibt. Lange hatte sie schon kein richtiges Zuhause mehr. Doch hier bei ihm fühlt es sich so an.
Obwohl beide sich langsam annähern, sind sie nicht aufrichtig zueinander. Zu viele Geheimnisse hängen zwischen ihnen. Eve hat Angst, dass Nate sie abweist, wenn sie ihm die Wahrheit über sich erzählt…

„Die Farbe war seltsam. Weder blau noch grau oder schwarz, sondern eine Mischung, die ihn an einen Himmel kurz vor dem ersten Donnerschlag eines Gewitters erinnerte. Dieser eine Moment, wenn es ganz still ist, weil alle ahnen, was geschiet, aber niemand es wirklich genau weiß. Gewitteraugen.“  (Position 29)

Die Leseprobe fand ich richtig spannend! Als Leser ist man sofort in der Geschichte drin und begleitet Nate durch die dunkle Nacht, in der er auf Eve trifft und ihr hilft, vor den Männern zu entkommen.

Nate wirkt auf den ersten Blick wie ein guter Junge. Doch er hat dunkle Geheimnisse und eine schwierige Vergangenheit. Diese fördert auch seine schlechten Eigenschaften zutage. Er ist wütend und an manchen Stellen auch voller Hass. Doch in Eves Gegenwart ist er wie ausgewechselt. Sanftmütig und beschützend. Zumeist zumindest.
Zu seiner Familie hat er kein gutes Verhältnis. Unverständnis und Missbilligung liegen wie Gewitterwolken über dieser Beziehung.
Er ist Mitglied der Band „What ever!“ und diese Jungs scheinen seine Familie zu ersetzen.
Eins der Geheimnisse, das er vor Eve hat, konnte ich recht schnell entschlüsseln. Es begegnet den Lesern doch häufiger in diesem Genre. Doch den Rest, den Felicitas Brandt ihrem Protagonisten mit auf den Weg gibt, hätte ich so nie vermutet.

Eve wirkt nicht nur zu Beginn der Geschichte hilfsbedürftig, sondern die ganze Zeit. Etwas Geheimnisvolles umgibt sie und als Leser erfahren wir kaum etwas über sie. In manchen Situationen erscheint sie beinahe weltfremd, da sie einfache Dinge nicht kennt oder nachfragt. Nicht nur Nate hat sie damit in Staunen versetzt, sondern auch mich. Ihre Angst vor manchen Dingen kam mir stellenweise seltsam vor. Lange habe ich gegrübelt, was ihr Geheimnis sein könnte. Und Felicitas Brandt hat mich ganz schön schmoren lassen und es spät gelüftet. Ab diesem Zeitpunkt hatte ich mehr Verständnis für die Protagonistin.

„Seine Augen waren so offen – so ehrlich, es schien, als könnte er bis in mein Innerstes sehen. Kein Urteil lag in seinem Gesicht, kein Vorwurf, keine Verachtung. Nicht einmal dieses Mitleid, das ich so sehr verabscheute. Da war nur er.“ (Position 564)

Eves Geschichte wird aus ihrer Ich-Perspektive erzählt. Nates Kapitel dagegen aus der Sicht eines dritten Erzählers. Ich muss zugeben, dass dieser Perspektivwechsel mich doch überrascht und auch zuerst etwas verunsichert hat. Immer wieder bin ich zu Beginn über diesen Wechsel gestolpert und es hat mich einige Zeit gekostet, mich daran zu gewöhnen.

Der Start in die Geschichte ist richtig spannend. Diese Spannung baut aber im Verlauf ab. Die vielen Dialoge brachten die Handlung nicht unbedingt voran. Sie waren eher für die zwischenmenschliche Entwicklung und das Annähern der beiden wichtig.
Felicitas Brandts Schreibstil gefällt mir richtig gut. Die Geschichte lässt sich flüssig lesen. Die Dialoge sind sehr authentisch, mal etwas bissiger, mal sanft und auch die Emotionen der Protagonisten kamen bei mir an.

Zur Mitte der Geschichte kommt ein neuer Aspekt hinzu: Religion. Ich muss sagen, dass ich damit überhaupt gar nicht gerechnet hatte! Da ich kein gläubiger Mensch bin, war das im ersten Moment für mich eine nicht ganz so positive Überraschung. Doch Felicitas Brandt hat dieses Thema geschickt angerissen und so eingebaut, dass es mir nicht zu viel wurde. Die Passagen, die sie in die Geschichte geschrieben hat, waren für mich in dem Moment jeweils wirklich stimmig.

Zum Ende hin wird es nochmal dramatischer. Ich hatte eine Vorstellung vom Schluss des Buches. Doch die Autorin hat es anders aufgelöst und mich damit wirklich positiv überrascht.

„Gewitterherzen“ von Felicitas Brandt ist ein Sommerroman, der etwas anders als erwartet daher kommt. Unbeschwerte Szenen sind umrahmt von schweren Schicksalen, Emotionen gefangen und blockiert durch die Vergangenheit. Eine interessante Geschichte mit schicksalbehafteten Hauptcharakteren, die allen Lesern gefallen dürfte, die ein Buch abseits der klischeehaften Chicklit-Sommer-Lektüre suchen.

„Er wusste, dass er sich verändert hatte. Es schien beinahe, als wäre Eve die Sonne, die den Panzer aus Eis um Nate herum langsam erwärmen und die Dunkelheit, die er mit sich herumtrug, erhellen könnte.“ (Position 2353)

 

Sabrina

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