{Rezension} Heftiges Umarmen im Eingangsbereich der Pension verboten | Mamen Sánchez

15 Feb

heftiges-umarmen

Autor: Mamen Sánchez
Titel:
 Heftiges Umarmen im Eingangsbereich der Pension verboten
Übersetzung: Anja Rüdiger
Seitenzahl: 368 Seiten
ISBN: 978-3851793383
Verlag: Thiele Verlag
Veröffentlichung: 17. Februar 2017
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»Ich werde im Haus der Großeltern eine Pension eröffnen.«
Es folgte ein Moment der Stille, während ihre Worte erfolglos versuchten, in sinnstiftender Weise den elterlichen Verstand zu erreichen. (Seite 47)

Cecilia Dueñas ist 43 Jahre alt, Rechtsanwältin und frisch geschieden. Da sie nach der Scheidung ein neues Zuhause benötigt, beschließt sie, das von ihren Großeltern geerbte Haus am Ufer des Manzanares in Madrid zu renovieren und da sie Sorge hat, in dem großen Haus einsam zu sein, kommt ihr die Idee, drei Zimmer an Studentinnen zu vermieten.
Der Bauunternehmer Andrés Leal soll sich um den Umbau kümmern und kurz darauf stellt sie Azucena als Haushälterin ein.
Es dauert nicht lange, dann sind die hübschen Zimmer an die Studentinnen Noelia, Ivana und Catalina vermietet.
Nachdem Cecilia in ihrem Gartenhaus auch noch den illegalen Einwanderer Justice aus Kenia gefunden und entschieden hat, ihn bei sich wohnen zu lassen, kann das (Un-)Glück seinen Lauf nehmen.
Sowohl zwischen Cecilia und Andrés knistert es gewaltig und auch Noelia und Justice verlieben sich heftig, doch beiden Paaren scheint das Schicksal nicht wohlgesonnen.
Andrés plagen die Geister der Vergangenheit, während Noelia, die aus einer herrschaftlichen Familie stammt, und der arme Justice an gesellschaftlichen Zwängen zu scheitern drohen.
Auch Azucena, Catalina und Ivana schleppen jeweils eigene Päckchen durchs Leben und Cecilia hat alle Hände voll damit zu tun, sich um ihre zusammengewürfelte Ersatzfamilie zu kümmern.

Meine Meinung:

Ich habe mich zögernd, dann aber umso heftiger, in dieses Buch verliebt.
Anfangs hatte ich Schwierigkeiten, mich an den Schreibstil zu gewöhnen. Auktoriale Erzähler sind selten und die gewisse Distanz, die durch diese Erzählperspektive entsteht, mag ich nicht unbedingt. Dennoch passt sie perfekt zu diesem Roman, der immer mal wieder ein bisschen von den jeweiligen Figuren preisgibt. Nie erfahre ich alles und schon gar nicht sofort über den jeweiligen Protagonisten. Vielmehr entwickelt sich aus Andeutungen, Gedankenfetzen und versteckten Informationen ein Puzzlebild, das spannend und häufig auch überraschend ist; wenn ich als Leser beispielsweise von Knall auf Fall damit konfrontiert werde, dass Cecilia und Andrés miteinander geschlafen haben, ich bis zu diesem Zeitpunkt aber noch gar nicht wusste, dass die beiden inzwischen so eng miteinander verbandelt sind (ich denke, ich verrate hier nicht zu viel … dass die beiden zueinanderfinden, dürfte in einem Liebesroman wenig überraschend sein ;))
Der Roman folgt im großen Ablauf einer gewöhnlichen Chronologie, in den Details ist es jedoch stets so, dass ich als Leser erst einer Information oder einer Auswirkung ausgesetzt werde, um dann Schritt für Schritt zu erfahren, wie es dazu kam.
Das ist ungewöhnlich, auch gewöhnungsbedürftig, aber dann interessant und unerwartet spannend.

Die Protagonisten sind allesamt gelungen gezeichnet.
Cecilia habe ich sofort ins Herz geschlossen. Sie hat am 01. Oktober 1990 angefangen, Jura zu studieren – wie ich, und das allein hat gereicht, mich sofort mit ihr zu identifizieren. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass nicht jeder Leser sie bereits aus diesem Grund mag, bietet Cecilias zugleich verletzlicher als auch energischer Charakter ausreichend sympathische Eigenschaften, um ihr alles Glück der Welt zu wünschen und dabei mitzufiebern, ob sie es am Ende auch erhält.
Die anderen Figuren tragen ähnlich wie Cecilia Päckchen aus der Vergangenheit mit sich herum. Bei einigen, wie dem Flüchtling Justice oder auch bei Andrés, ist das sofort deutlich. Andrés hinkt seit einem Unfall, der ihn offensichtlich bis heute belastet. Bei anderen, wie Noelia, erscheint die Welt zunächst rosarot, doch je mehr man über sie erfährt, desto klarer wird, dass auch sie mit ihrer Geschichte zu kämpfen hat.

Das Ende wird dann märchenhaft – und das meine ich nahezu wörtlich. Die Ereignisse der letzten Kapitel sind nicht mehr ausgesprochen realistisch und haben etwas von Hollywood-B-Movie-Kitsch. Alles wird großzügig mit Zuckerguss zugekleistert und ich habe eigentlich nur darauf gewartet, dass noch mindestens ein Einhorn durchs Bild galoppiert.
So etwas muss man mögen.
Und ich gebe zu: Ja, ich mochte es. Es war vielleicht ein bisschen viel Rosarot und Glitzerstaub, und ich muss ein solch übertriebenes Ende auch nicht immer haben, dennoch habe ich es genossen, noch eine Handvoll Popcorn gegessen und das Buch mit dem befriedigenden Gefühl geschlossen, dass es untersagt ist, dem Schicksal zu misstrauen (so lautet denn auch die Überschrift des letzten Kapitels).

Fazit:

Ein zauberhafter Wohlfühl-Roman mit sympathischen Protagonisten, überraschenden Wendungen und einem rosaroten Zuckerguss-Ende.

Rana

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