Stolz und Demut [Rezension]

8 Mrz

Stolz und Demut

Autor: Sophie Weiss
Titel: Stolz und Demut
Seitenzahl:
160
ISBN: 978-3-492-05587-1
Verlag:
Piper
Veröffentlichung: 26. Februar 2013
Leseprobe
 
 
 

Zum Inhalt:

Sophie und Richard lernen sich bei einer Auktion kennen. Einer Auktion für Sklavinnen. Er ist einige Jahre älter als sie, und kennt sich in der Welt des SM aus. Sie hingegen ist eine unerfahrene Anfängerin, die ihrem tristen Liebesleben entfliehen will. Die beiden beginnen eine Affäre, in deren Verlauf Richard Sophie in diese für sie völlig neue Welt einführt.

Es kommt, wie es kommen muss, auch wenn es für Sophie völlig untypisch ist: Sie verliebt sich in Richard. Einen Mann, der verheiratet ist und Familie hat. Und da diese trotz allem für ihn an erster Stelle steht, will er die Affäre beenden, als er merkt, dass es für Sophie keine bloße Affäre mehr ist. Es kommt ein letztes Mal zum Sex. Am Anfang freiwillig. Sophie zeigt Richard an – doch wie kann eine Frau von Gewalt sprechen, wenn sie sich monatelang hat fesseln, demütigen und schlagen lassen?

„Stolz und Demut“ ist ein autobiografischer Roman über sexuelle Abhängigkeit, die irrwitzige Gratwanderung zwischen Dominanz und Lust, Schmerz und Liebe. Explizit und authentisch.

Meine Meinung:

Erotik-Bücher sind ja, seit diversen Trilogien und Reihen, in letzter Zeit auf dem Vormarsch. Ich habe dieses Buch nicht gelesen, weil das Erotik-Genre nun zu meinen Favoriten gehört – obwohl auch ich nicht um die eine oder andere Trilogie herumgekommen bin. Ich habe dieses Buch der Kernfrage „Wie kann eine Frau von Gewalt sprechen, wenn sie sich monatelang hat fesseln, demütigen und schlagen lassen?“ wegen gelesen. Es ging mir mehr also mehr um das Warum und nicht um das Was.

„Ich erinnerte mich daran, wie aufregend es sich angefühlt hatte, etwas zum ersten Mal zu tun. Aber irgendwann hatte es kein erstes Mal mehr gegeben. Alles, was es noch gab, waren Wiederholungen mit ab und zu wechselnden Männern. Ich langweilte mich circa drei Jahre lang. Und dann kam diese Idee. Dieser Club. Irgendwoher der Mut. Und dann kam Richard.“ (S. 16)

Das Warum kommt sehr gut rüber. Sophies Beweggründe, diverse Dinge mit sich machen zu lassen, die sich andere nicht mal ansatzweise vorstellen können, waren für mich nachvollziehbar. Obwohl auch ich zu den Menschen gehöre, die auf diese Erfahrungen gut und gerne verzichten können. Die Geschehnisse werden abwechselnd, aber zusammenhängend aus der Sicht von Sophie und Richard erzählt. Und genau diese Erzählweise verleiht dem Buch eine besondere Note. Dadurch wirkt das Buch sehr eindringlich und man bekommt als Leser eine ungefähre Vorstellung davon, wie gut Sophie Richard in den Wochen und Monaten ihrer Affäre kennen gelernt haben muss. Denn wie könnte sie sonst einen autobiografischen Roman stellenweise aus seiner Sicht schreiben? Ich bezweifle mal ganz stark, dass Richard in irgendeiner Art und Weise an der Entstehung dieses Buches beteiligt gewesen ist.

„Ich erklärte mich einverstanden. Ich vertraute ihm tatsächlich. Vielleicht, weil ich wusste, dass er, wenn er gewollt hätte, mir schon längst etwas angetan hätte. Vielleicht auch, weil ich ahnte, dass er ebenso etwas zu verlieren hatte.“ (S. 27)

Das Was spielt in diesem Roman zwar auch eine Rolle, aber nicht die erste Geige. Es wird natürlich vieles beschrieben, auch sehr anschaulich und schlüpfrig, aber nicht alles bis ins letzte Detail geschildert. Wobei ich aber ehrlicherweise zugeben muss, dass ich an ein, zwei Stellen regelrecht schockiert war. Die Schilderung des Vorfalls empfand ich als sehr verstörend. Alles andere hätte mich aber auch gewundert. Aber gerade das macht dieses Buch aus. Es ist halt ein autobiographischer Roman und keine fiktive Geschichte.

„Was den abendlichen Ablauf anging, schienen sich unsere Treffen nicht im Mindesten von einer klassischen Affäre zu unterscheiden. Hübsch machen, Drinks nehmen, essen gehen, aufs Hotelzimmer verschwinden, im Bett landen. Nur dass ich eben nicht im Bett, sondern auf dem harten Parkett landete.“ (S. 39)

Eigentlich ist mit dem Klappentext schon alles gesagt, was es zu dieser Geschichte zu wissen gibt. Sprich: Es warten keine großen Überraschungen auf einen. Dies ist aber gar nicht weiter schlimm. Wie gesagt, ich habe dieses Buch wegen des Warums gelesen. Und bin, was das angeht, absolut nicht enttäuscht worden.

„Ich ärgerte mich über meine Eifersucht. Ich war dieses Gefühl nicht gewohnt, es passte weder zu mir noch zu dieser Affäre. Denn es bedeutete, dass es für mich genau das nicht mehr war. Eine Affäre. Es war, Stück für Stück, Tag für Tag, Treffen für Treffen, mehr geworden. So etwas war mir noch nie passiert. Es passte weder in die Vorstellung, die ich von mir hatte, noch in das Bild, das ich Richard von mir gezeichnet hatte.“ (S. 105)

Die Beantwortung der Kernfrage stand für mich eigentlich schon im Vorfeld fest. Nach dem Lesen dieses Buches hat sich daran auch nicht das Geringste geändert.

„Stolz und Demut“ ist nicht zu vergleichen mit den momentanen Mainstream-Erotik-Büchern. Nicht zuletzt, weil die hier beschriebenen Dinge tatsächlich stattgefunden haben.

4 Herzen

SaFi

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