Die Stadt der verschwundenen Kinder {Rezension}

9 Mrz

Caragh O'Brien - Die Stadt der verschwundenen Kinder

Autor: Caragh O’Brien
Titel: Die Stadt der verschwundenen Kinder
Seitenzahl:
 480
ISBN: 978-3-453-53422-3
Verlag:
 Heyne
Veröffentlichung: 11.03.2013 (Taschenbuch)
Leseprobe
Empfohlenes Lesealter: ab 14 Jahren

Zum Inhalt:

„Sie war den Weg im Auftrag ihrer Mutter schon viele Male gegangen, doch bis heute Nacht war er ihr nie wie eine weite Reise vorgekommen. Sie wusste, dem Baby würde es gut gehen. Sie wusste, die Frau würde andere Kinder haben. Vor allem aber wusste sie, das Gesetz verlangte von ihr, dass sie dieses Baby ablieferte, und wenn sie es nicht tat, wäre ihr Leben und das ihrer Mutter verwirkt. Sie wusste das alles, und dennoch wünschte sie, dass es anders wäre, dass sie dieses Kind zurück zu seiner Mutter bringen und ihr sagen könnte: Hier, nimm die kleine Priscilla. Flieh mit ihr ins Ödland und kehre niemals zurück.“ (Seite 15)

Gaia ist 16 Jahre alt und lebt in Wharfton, im 3. westlichen Sektor. Dieser Ort steht streng unter der Bewachung, Kontrolle und Beobachtung der Enklave. Essen, Getränke und Kleidung sind streng rationalisiert. Ihre Mutter Bonnie ist Hebamme. Gaia assistiert ihr und es ist ihre Bestimmung, in Bonnies Fußstapfen zu treten. Die ersten 3 Kinder eines jeden Monats, die von einer Hebamme entbunden werden, müssen innerhalb von 90 Minuten zur Mauer gebracht und den Wächtern und Schwestern der Enklave übergeben werden. Diese Regel ist grausam, und sowohl die Hebammen als auch die Eltern leiden darunter. Und nun möchte die Enklave die Babyquote sogar auf 5 erhöhen.
Als Gaia eines Tages ohne Hilfe einer Frau bei der Geburt beisteht, erfährt sie, dass ihre Eltern von Wächtern der Enklave festgenommen und dort ins Gefängnis gebracht wurden. Sie sollen sogar getötet werden.
Mit Hilfe eines Mannes schmuggelt sie sich verbotenerweise in die Enklave ein – sie möchte ihre Eltern suchen und diese befreien. Doch sie wird von den Wächtern gefangen genommen.
Man bietet ihr an, sie am Leben zu lassen, wenn sie mit den Anführern kooperiert. Sie soll den geheimen Code ihrer Eltern, mit der diese verschlüsselte Botschaften auf ein Band genäht haben, entschlüsseln. Die Enklave erhofft sich, hier Informationen über Gene und die „guten“ Kinder aus ihrem Sektor zu bekommen. Das Band scheint eine Art Geburtenliste zu sein.
Die „Sommersprossen“, die ihre Mutter den Neugeborenen verpasst hat, geben ihr ein weiteres Rätsel auf. Welche Bedeutung haben diese?
Leon ist der Sohn des Protektor und einer ihrer Wächter, gemeinsam mit Seargent Bartlett. Leon macht Andeutungen, dass er ihr bei der Flucht und der Suche nach ihren Eltern helfen möchte. Doch kann sie ihm wirklich vertrauen?
Schließlich ist es Bartlett, der ihr zur Flucht verhilft, kurz nachdem sie den Geheimcode entschlüsselt hat. Allerdings bittet er sie, seine wahren Eltern herauszufinden, denn auch er ist eins der vorgebrachten Kinder aus Wharfton.
Sie versteckt sich schließlich beim Bäcker Mace und seiner Familie. Kurz danach taucht auch Leon, der von seiner Familie geflüchtet ist, auf. Gemeinsam planen sie nun, Gaias Eltern zu finden und zu befreien.

„Für Gaia hatte ein Unfall gereicht, ihr ein Leben in Armut zu bescheren, außerhalb der Mauer, ohne Bildung, ohne Aussicht auf gutes Essen oder Vergnügungen oder schwärmerische Freundschaften, während die Mädchen ihres Alters, die man vorgebracht hatte, nun in der Enklave waren, wo es grenzenlos Essen, Elektrizität und Bildung für alle gab. Sie trugen wunderschöne Kleider, träumten von reichen Ehemännern, lachten und tanzten.“ (Seite 39/49)

Caragh O'Brien - Die Stadt der verschwundenen Kinder_2

Meine Meinung:

Die Inhaltsangabe und das Cover haben mich wirklich neugierig auf diese Dystopie gemacht. Die ersten Schlagworte, die ich mir dazu während des Lesens aufgeschrieben habe, sind Geburtenkontrolle, Klimawandel, George Orwells „1984“ (Big brother is watching you!) und politische Machtspiele. Schlagworte, die teilweise gerade in der heutigen Zeit aktueller denn je sind.

Die Autorin nimmt uns an die Hand und führt uns durch die dunkle und streng geordnete Welt von Wharfton und der Enklave. Wir erleben, wie Gaia, ihre Familie und Freunde klein gehalten werden und sich den Vorgaben der Enklave ohne Widerworte beugen müssen. Hinter der Mauer wartet eine ganz andere Welt. Hier gibt es fließendes Wasser, genug zu Essen und Kleidung im Überfluss. Keines der Kinder, die als Vorgebrachte in die Enklave gebracht wurden, wollten jemals zurück nach Wharfton. Die Leute in der Enklave scheinen glücklich zu sein. Doch ist das nur Fassade? Und warum brauchen sie eigentlich die Kinder aus Wharfton?
Die Beweggründe, die dahinter stecken, sind teilweise wirklich erschreckend. Und beim Lesen habe ich mich das ein oder andere Mal gefragt, ob, wo und in welchem Rahmen es so etwas wohl heutzutage auf unserer Welt gibt.

„Gaia konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Bastion zwei verschiedene Seiten besaß: das wunderschöne, elegante Heim, das Genevieve und die Kinder bewohnten, und die nüchterne Seite, die sie als Gefangene kennen lernte.In gewisser Weise ist es ein Muster dieser ganzen Gesellschaft, dachte Gaia.“ (Seite 227)

Das Buch hat mich gefesselt und ich habe es kaum aus der Hand gelegt. Ich bin über die Seiten geflogen und habe mit Gaia mitgefiebert. Alles an der Geschichte ist stimmig, kein bisschen langweilig, und bringt einen zum Nachdenken. Zudem geht es hier natürlich auch um erste Gefühle, die Jugendliche erleben.
Das Cover gefällt mir, und auch die Kapitelnamen und -nummerierungen sind schön dargestellt. Vorne im Buch befindet sich ein Plan von Wharfton und der Enklave. Hier sind die wichtigsten Straßen und Gebäude eingezeichnet. So kann man die Wege immer auf der Karte mitverfolgen. Diese Taschenbuch-Version enthält außerdem die Kurzgeschichte „Die Flucht ins Ödland“ – hier erfahren wir, wie es mit einem der männlichen Hauptcharaktere weiter geht.
Eine wirklich tolle Aufmachung des Buches + eine fesselnde Geschichte: für mich eine ganz klare EMPFEHLUNG!

„Gaia schloss die Augen und lehnte den Kopf gegen das kühle Glas. Sie wusste nicht, was sie von Leon halten sollte, aber immer, wenn sie an ihn dachte, spürte sie, wie sich alles in ihr zusammenzog. Sie war nicht nur wütend auf ihn. Sie war auch enttäuscht. Sehr sogar. Es zählte nicht, dass er einfach seine Arbeit tat, wie jeder gute Soldat. Sie hatte gedacht, sie könnte ihm vertrauen. Wie dumm sie gewesen war.“ (Seite 270)

Nun erscheint Band 1 dieser Trilogie in Deutschland erstmals im Taschenbuch. Für das Hardcover war VÖ 24.01.2011. Band 2 „Das Land der verlorenen Träume“ ist seit 20.02.2012 als Hardcover in Deutschland erhältlich. Teil 3 „Der Weg der gefallenen Sterne“ erscheint nun am 01.04.2013 im Heyne Verlag.

Die Original-Titel sind „Birthmarked“, „Prized“ und „Promised“. Für Band 1 finde ich den amerikanischen Titel zumindest passender.

Ein großes DANKE an das Team vom Heyne Verlag, das mir dieses Buch zur Verfügung gestellt hat.

„Gaia saß still zwischen den anderen und verarbeitete fieberhaft die neuen Informationen. Die Enklave wollte sie für politische Zwecke missbrauchen. Das war schlimmer, als wenn man sie umbringen wollte. Noch mehr aber sorgte sie sich um die Familien im dritten westlichen Sektor. Sie würden ihre Kinder verlieren.“ (Seite 313)

5 Herzen

SaCre

3 Antworten to “Die Stadt der verschwundenen Kinder {Rezension}”

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