{Rezension} Zerschunden | Michael Tsokos und Andreas Gößling

4 Okt

Zerschunden

Autor: Michael Tsokos & Andreas Gößling
Titel: Zerschunden
Seitenzahl: 432 Seiten
ISBN: 978-3-426-51789-5
Verlag: Droemer Knaur
Veröffentlichung: 01. Oktober 2015
Leseprobe
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Während Fred Abel mit seiner BKA Abteilung „Extremdelikte“ vertretungsweise zu einen Raubüberfall mit Mord gerufen wird, ahnt er nicht, was sich daraus entwickelt. Ein Serienmörder schlägt in Flughafennähe von europäischen Städten zu und hinterlässt auf seinen Opfern immer die gleiche Botschaft.
Zusätzliche Brisanz erhält dieser Fall dadurch, dass Lars Moewig als Hauptverdächtiger verhaftet wird. Lars ist nicht nur ein alter Weggefährte Abels, sondern auch Vater einer todkranken Tochter, die nur noch einige Tage zu leben hat…

„Er würde die Schlampe ausziehen und dann mit dem Gemüsemesser anfangen, auf ihrem Rücken oder an sonst einer der weniger interessanten Stellen. Das war eine Art Aufwärmphase, in der sie beide sich daran gewöhnen konnten.“ (Seite 50)

Michael Tsokos ist wohl einer der bekanntesten Rechtsmediziner Deutschlands. Im Jahr 2013 hat er gemeinsam mit Sebastian Fitzek den Thriller „Abgeschnitten“ veröffentlicht. Nun liegt mit „Zerschunden“ sein Werk vor, das er gemeinsam mit Andreas Gößling verfasst hat.

Der Einstieg ins Buch geschieht über den Prolog, der mich schon erahnen ließ, was mir in dieser Geschichte widerfahren würde. Das erste Kapitel beginnt danach direkt mit einem ersten Mord. Eine alte Frau wird in ihrer Wohnung im betreuten Wohnen überfallen und ermordet. Und schon war ich als Leser gemeinsam mit Fred Abel mitten in der Geschichte drin.

Fred lebt gemeinsam mit seiner Freundin Lisa, die in einer höheren Position bei der Bundesanwaltschaft arbeitet, gut situiert in Berlin. Kinder kommen für das Workaholic Paar zur Zeit nicht in der Planung vor. Fred hat kürzlich erst seine Mutter verloren. Das Verhältnis zu seiner Schwester Marlene ist angespannt. Sie scheint immer etwas an seinem Verhalten auszusetzen zu haben.

Der Fall nimmt schnell an Fahrt auf. Es gibt eine zweite Leiche, diese allerdings nicht in Berlin, sondern in London. Und zügig ist mit Lars Moewig der erste Verdächtige ins Visier der Fahnder geraten. Die Beweislage ist erdrückend, sodass Moewig in Untersuchungshaft kommt. Fred ist schockiert. Lars hat sich zwar in den letzten Jahren, in denen er weiterhin in Kunduz und anderen gefährlichen Gegenden gearbeitet hat, verändert, jedoch traut er ihm  diese Morde nicht zu.
Es beginnt ein doppeltes Spiel gegen die Zeit: auf der einen Seite möchte Fred den Täter finden, bevor dieser nach weiteren Morden in Bari und Paris nochmal töten kann. Auf der anderen Seite muss er schnell Erfolge feiern und den wahren Mörder präsentieren, damit Lars Moewig die Chance erhält, seine zwölfjährige Tochter Lilly noch einmal zu sehen. Diese hat Leukämie im Endstadium und liegt bereits im Krankenhaus. Jeder Tag könnte ihr letzter sein. Die Ärzte geben ihr nicht mehr viel Zeit. Ihren Vater zu sehen ist ihr letzter Wunsch.

Was mich von Anfang an neugierig auf dieses Buch gemacht hat: der True-Crime-Aspekt. Und um ehrlich zu sein, war ich schockiert, mehr über diese menschlichen Abgründe zu erfahren. Man kann sich wirklich kaum vorstellen, wie grausam Personen sein können, wenn ihre Psyche nicht dem entspricht, was wir uns als „gesund“ vorstellen. Als Leser sollte man nicht allzu zart besaitet sein.
Auch die Fälle, die Freds Kolleginnen und Kollegen im BKA bearbeiten, von denen man innerhalb der Geschichte immer wieder Bruchstücke mitbekommt, sind richtig gruselig.

Die Kapitel sind beschriftet, sodass man als Leser immer weiß, um welchen Tag, welche Uhrzeit es sich handelt und wo wir uns gerade befinden. Denn neben dem Hier und Jetzt laufen noch zwei weitere Handlungsstränge, die in eigenen Kapiteln beschrieben werden. Diese Handlungsstränge führen den Leser einige Jahre zurück und in den Kopf des Täters. Die Gedankengänge sind wirklich schockierend und erschreckend.

Der Schreibstil der beiden Autoren ist gut. Die Geschichte lässt sich flüssig lesen und trotz der verschiedenen Handlungsstränge kann man sich sehr gut orientieren und weiß immer, an welchem Punkt der Story man sich gerade befindet. Der Plot hat mit einigen Überraschungen aufgewartet. Gerade ein neuer Aspekt über Fred Abel, der zum Ende hin auftauchte, hat mich überrascht.
Die Einblicke, die ich in die Arbeit der Rechtsmediziner bekommen habe, fand ich richtig interessant. Vor allem die Auswertung des Haplotyps. Hier kann mithilfe der Genanalyse zwar nicht ein einzelner Täter identifiziert werden, aber es ermöglicht die Eingrenzung einer Gruppe von Menschen, die in einer Linie miteinander verwandt sind.
Das Ende ist fies. Zu dem Geschehen hätte ich jetzt gerne schon die Auflösung! Aber da werde ich mich noch gedulden müssen. In der Danksagung sagt Michael Tsokos schon, dass das nächste Buch in der Vergangenheit Abels spielt. Das ist doppelt gemein.

Einen Punkt muss ich aber leider bemängeln: der absolute Kick hat mir gefehlt. Die Geschichte ist wirklich gut. Aber diese absoluten Gänsehaut-Momente, in denen es mir kalt den Rücken runter läuft und bei denen ich beim kleinsten Geräusch knackenden Holzes in der Wohnung kurz vorm Herzinfarkt bin, haben mir gefehlt. Andere Autoren haben es hier geschafft, dass ich mich im Dunkeln abends alleine nicht mehr auf die Toilette getraut habe. In „Zerschunden“ habe ich das leider vermisst. Nichtsdestotrotz ist es ein Thriller, der hervorragend unterhält und den ich in kürzester Zeit beendet habe, da ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte.

„>>[…] Der Kerl hat zum dritten Mal zugeschlagen. Ich brauche so schnell wie möglich ein Täterprofil von dem Miles & More-Killer, wie ich ihn mittlerweile nenne. Er scheint der reinste Flug-Junkie zu sein: letzten Donnerstag Berlin, am Montag London, vorgestern Bari. Die Tatorte sind immer in unmittelbarer Nähe des Flughafens.<<“ (Seite 212)

Mit „Zerschunden“ ist Michael Tsokos und Andreas Gößling ein spannender True-Crime-Thriller gelungen, der einen guten Auftakt zu der geplanten Serie um Fred Abel darstellt. Die wahren Begebenheiten aus Tsokos Arbeit als Rechtsmediziner machen die Geschichte unglaublich real. Über die Psyche der Menschen kann man nur den Kopf schütteln.
Fans des Genres werden hier eine rasante Verfolgungsjagd durch Europa erleben.

4 Herz

 

Eine Antwort to “{Rezension} Zerschunden | Michael Tsokos und Andreas Gößling”

Trackbacks/Pingbacks

  1. {Waiting on Wednesday} #48 | Bookwives - 10. Februar 2016

    […] ich darauf warte? Mit “Zerschunden” hat Michael Tsokos mir bereits kurzweilige Lesestunden geschenkt. Die menschlichen Abgründe […]

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