{Gastrezension} Der Sommer der Blaubeeren | Mary Simses

2 Jan

Der Sommer der Blaubeeren von Mary Simses

 

Autor: Mary Simses
Titel: Der Sommer der Blaubeeren
(OT: The Irresistible Blueberry Bakeshop and Café)
Seitenzahl: 414 Seiten
ISBN: 978-3-442-38217-0
Verlag: Blanvalet
Veröffentlichung: 21. April 2014
Leseprobe
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„Wenn ich mich recht erinnere, meinte er, ich sei ein Haifisch im Rock“ (Seite 366)

Ellen Branford, die Hauptprotagonistin in dem Roman „Der Sommer der Blaubeeren“ von Mary Simeses, ist Rechtsanwältin mit dem Fachbereich Immobilien und Partnerin einer angesehenen Anwaltskanzlei in New York. Sie ist karriereorientiert, erfolgreich, tough und liebt New York mit allen Annehmlichkeiten, die diese Stadt zu bieten hat, insbesondere kultureller und gesellschaftlicher Art.
Ihr Verlobter, Hayden Croft, passt hervorragend in dieses Leben: gutaussehend, charismatisch aus einer der besseren Familien des Landes und mit der Aussicht auf eine steile politische Karriere.
Ellen und Hayden sind glücklich miteinander und ihre in wenigen Wochen stattfindende Hochzeit wird das gesellschaftliche Ereignis des Jahres werden, an dem sogar Presseteams teilnehmen werden.
Ellens Leben scheint vorgezeichnet und dies durchaus in einer Art, die Ellen behagt.

Dann verstirbt jedoch unerwartet Ellens Großmutter, zu der diese eine enge Beziehung hatte. Kurz vor dem Tod versprach Ellen ihrer Großmutter, einen wichtigen Brief zu überbringen, welchen sie auch tatsächlich in den Unterlagen der alten Dame findet. Adressiert an Chet Cummings in Beacon, Maine.
Da der Inhalt dieses Briefes ihrer Großmutter erkennbar derartig wichtig war, dass sich ihre Gedanken in den letzten Minuten ihres Lebens darum drehten, beschließt Ellen, den Brief persönlich bei Chet abzuliefern, um dort dann – so hofft sie – weitere Informationen zu erhalten.

Beacon, Maine, entpuppt sich als gemütliche Kleinstadt aus dem Bilderbuch. Die Menschen dort sind bodenständig und Ellen fühlt sich dort in allen Belangen deplatziert. Sie ist overdressed, das Hotel unter ihrem Standard und ihr Plan, von Beacon aus ihre Fälle weiter zu bearbeiten, wird durch das Fehlen jeglicher Infrastruktur erschwert, die sie dazu benötigen würde. Geschäftliche Telefonate kann sie nur vom Badezimmer aus führen. Dort ist der einzige Platz, an dem es in ihrem Zimmer Handyempfang gibt. Selbst ihr BMW fällt in der Stadt auf.
Trotzdem beginnt der Charme dieser Stadt mit der Zeit auf sie zu wirken. Fast unbemerkt öffnet sie sich diesem Leben. Sie verzichtet auf ihre strenge Diät und probiert die örtlichen Spezialitäten, vorwiegend aus dem Bereich „deftige Hausmannskost“.  Sie kauft sich eine Jeans. Und sie findet ihr Hotelzimmer plötzlich nicht mehr so furchtbar.
Während ihrer Tage in Beacon erfährt Ellen Dinge aus der Jugend ihrer Großmutter, die ein ganz anderes Leben geführt hatte, bevor sie aus Beacon fortging und später Ellens Großvater heiratete.
Ellen lernt so eine ihr bis dahin völlig unbekannte Seite der Großmutter kennen, was dazu führt, dass Ellen zunehmend über die Dinge nachdenkt, die ihr im Leben wichtig sind. Einen großen Teil der Verunsicherung hat auch mit der Bekanntschaft mit Roy zu tun.
Roy lernt sie gleich zu Beginn des Buches auf eher ungewöhnliche Art und Weise kennen: Ellen wird von Roy vor dem Ertrinken gerettet.

„Er hatte leichte Bartstoppeln, die ich unter anderen Umständen wohl attraktiv gefunden hätte, damals in meinen Tagen als Single“ (Seite 22)

Roy übt auf Ellen eine gewissen Anziehungskraft aus, der sie sich nicht ganz entziehen kann und die sie verunsichert. Sie versucht zu analysieren, ob sie tatsächlich auf dem Weg ist, sich in Roy zu verlieben, oder ob sie sich lediglich der Angst vor der Hochzeit hingibt. Dass dann ihre Mutter anreist und auch Hayden plötzlich auftaucht, macht die Situation nicht einfacher für sie.

Meine Meinung:

„Der Sommer der Blaubeeren“ ist der erste Roman der Autorin Mary Simses, die jedoch bereits mit Kurzgeschichten Schreiberfahrung gesammelt hat. Am Schreibstil gibt es dann auch nichts auszusetzen. Das Buch lässt sich flüssig lesen, es wirkt weder künstlich aufgebläht, noch stören überzogene rhetorische Stilmittel.
Die Autorin schafft es, die Kleinstadt Beacon lebendig werden zu lassen. Der Roman führt mich als Leser mitten in die Stadt hinein und ich bin gerne mitgegangen.
Auch die Metamorphose der Protagonistin wird geschickt gezeichnet. Diese wird durch ganz kleine, subtile Begebenheiten oder Gedanken beschrieben, wie etwa, der Kauf der ersten Jeans.

Gut gefallen hat mir auch, dass zumindest bei Ellen und Hayden keine allzu klischeehaften Charaktere gewählt wurden.
Ellen möchte man mögen. Sie hat viele nette Seiten. Sie fotografiert, sie liebt ihre Großmutter, sie ist erfolgreich und gebildet – und doch stellt man irgendwann geradezu überrascht fest, dass sie ziemlich unsympathisch ist.
Hayden dagegen hat alles, was bei mir das Vorurteil des typisch unsympathischen Mannes auslöst: karriereorientiert, Politiker, Geldadel, stets tadellos im Benehmen und ebenso gekleidet – und doch aufrichtig in Ellen verliebt und bereit, sie zu unterstützen.

Soweit ist dieser Roman also durchaus positiv zu bewerten. Allerdings gab es auch einige Kritikpunkte. Da ist zum einen der Hype um die „Schwimmerin“.
Dass Ellen von Roy vor dem Ertrinken gerettet wurde, ist im Ort nicht unbemerkt geblieben. Dass Roy dafür zum gefeierten Helden werden könnte, ist klar (passiert aber irgendwie nicht). Stattdessen wird Ellen zum Star der Stadt und soll sogar Autogramme auf die Zeitung geben, in der über ihre Rettung berichtet wird. In den Restaurants bekommt sie Freigetränke und auf der Straße wird sie erkannt. Diese völlig übertriebene Reaktion der Menschen ist nicht nachvollziehbar und wird auch niemals wirklich aufgeklärt.

Des Weiteren finde ich, dass die Entscheidungszwänge, in denen Ellen sich eigentlich befinden sollte, nicht deutlich gemacht werden. Dies kann an dieser Stelle nicht zu detailliert dargestellt werden, da sonst zu viel von der Geschichte preisgegeben werden müsste. Kurz gesagt finde ich jedoch, dass die Autorin es Ellen zu leicht gemacht hat.
Dieser Kritikpunkt passt auch gut zu meinem Empfinden, dass dieses Buch zu gradlinig ist. Die Handlung steuert schnörkellos auf das Finale zu und ist in weiten Teilen nicht nur vorhersehbar, sondern allzu absehbar.
Der Leser wird bereits recht früh im Buch mit der Nase darauf gestoßen, wie es um die Besitzverhältnisse des einbrechenden Stegs bestellt ist. Daher finde ich es nicht begreifbar, warum die Autorin dieses Rätsel (welches ja nun für den Leser schon lange keines mehr ist, sondern nur für die in diesem Punkt begriffsstutzige Ellen) als großen Paukenschlag zum Finale auflöst.
Das heißt entweder, der Leser hätte es so früh im Buch nicht verstehen sollen: dann ist es ein grober handwerklicher Fehler, dass es dort schon so deutlich wird. Oder der Leser sollte tatsächlich überlegenes Wissen haben und sich wundern, warum es der sonst so klugen Ellen nicht auffällt: dann hätte die Auflösung für Ellen auch nicht unbedingt im großen Finale stattfinden müssen.
So oder so ist dieser Punkt etwas, das für mich zu dem Kritikpunkt des Romans geworden ist, weil er als Sinnbild für die gesamte Vorhersehbarkeit steht.

Dennoch macht das Buch Spaß.
Auch wenn der Leser recht schnell merkt, wie sich die Handlung entwickeln wird, folgt man der Geschichte gerne und taucht gerne in sie ein.
Ich habe mich darauf gefreut, nach dem Buch zu greifen, ich habe Blaubeermuffins gebacken und ich würde das Buch auch in jedem Fall weiterempfehlen, wenn jemand ein Wohlfühlbuch sucht. In diesem Buch gibt es keine großen Dramen, keine wirklich schlimmen Dinge, sondern eine Welt, in die man eintauchen kann, wenn man einfach nur ein wenig freundlich und nett unterhalten werden will. Geschriebenes Popcornkino also. Das mag ich bisweilen sehr gerne.

Rana

Eine Antwort to “{Gastrezension} Der Sommer der Blaubeeren | Mary Simses”

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  1. {Books & More} Mein Blaubeersommer | Rezepte zum Verlieben (oder auch: wenn aus Bookwives “Backwives” werden…) | Bookwives - 12. Juni 2015

    […] vergangenen Jahr durfte ich den Sommerhit »Sommer der Blaubeeren« von Mary Simses rezensieren. Und so ergab es sich, dass ich gefragt wurde, ob ich das von diesem […]

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