{Rezension} All about a Girl | Caitlin Moran

10 Sep

All About a Girl von Caitlin Moran

Autor: Caitlin Moran
Titel: all about a girl
(OT: How to build a girl)
Übersetzung: Regina Rawlison
Seiten:
 384 Seiten
ISBN: 978-3-570-58542-9
Verlag: carl’s books
Veröffentlichung: 08. September 2015
Leseprobe
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„In Wolverhampton gelten Schnurrbart und Lederjacke 1990 immer noch als ausgesprochen heterosexuelle Look. Ich würde mit keinem dieser Typen Sex haben wollen. Es sei denn natürlich, einer von ihnen würde mich ganz nett fragen.“ (Seite 37)

Johanna wächst in einer chaotischen Familie auf. Ihr Vater ist ein verkannter und erfolgloser Möchtegern-Sänger. Ihre Mutter scheint mit den Kindern überfordert und ist depressiv. Im Land herrscht eine hohe Arbeitslosenquote und mit Margaret Thatcher ist auch nicht jeder einverstanden.
Johanna weiß, sie muss etwas ändern. Ansonsten wird sie wohl ihr Leben lang ungeküsst bleiben und in Wolverhampton festhängen. Make-Up und Eyeliner ins Gesicht, Doc Martens an – und fertig ist die Kunstfigur Dolly Wilde. Wenn sie nun als Musikkritikerin Erfolge feiern kann, hat sie es geschafft. Ist doch ganz einfach, oder?

„Dolly Wilde nuckelt an ihrem Kuli wie an einer Zigarette, bis sie merkt, dass sie ihn wie einen Kuli in der Hand hält, und sich auf der Stelle wieder in Johanna Morrigan verwandelt. Als Dolly Wilde hat sie ungefähr neun Minuten durchgehalten.“ (Seite 119)

Johanna leidet nicht nur unter ihrer Familie. Sie ist trotz ihres jugendlichen Alters immer noch ungeküsst. Da hilft es natürlich nicht, wenn man selber Hand anlegt, denn das ändert nichts an der Tatsache. Mit ihrem Leben ist sie also alles andere als zufrieden. Der Ort Wolverhampton trägt ebenfalls dazu bei.
Musik ist ihre große Leidenschaft. Umso schöner, als sie einen Plan erarbeitet, wie sie damit Geld verdienen kann: sie möchte Musikkritikerin werde. Und zwar nicht irgendeine. Sondern eine, die von der Musikindustrie gefürchtet wird. Doch sie weiß, dass sie als schüchterne Johanna nicht weit kommen wird.
Nach einiger Überlegung wird dann Dolly Wilde geboren. Und genau diese geht im Jahr 1992 nach London, um für D&ME zu arbeiten.
Natürlich stellt sich schnell die Frage, ob und wie lange Johanna sich hinter der Maske Dolly verstecken und ihre Unsicherheit verbergen kann. Es gelingt ihr teilweise auf jeden Fall. Denn als harte Kritikerin macht sie sich sehr schnell einen Namen.
Doch dahinter steckt weiterhin eine junge Frau, die unerfahren ist und somit auch in den typischen Geschlechterrollen feststeckt. Mit allen Mitteln versucht sie, das Bild von Dolly aufrecht zu erhalten. Das gelingt ihr mal mehr, mal weniger gut. Und vor Höhen und Tiefen in Liebesdingen ist auch eine toughe Journalistin nicht sicher.

„Wenn es darum geht, dem Feind Munition zu liefern, macht mir so leicht keiner was vor.“ (Seite 74)

Caitlin Moran hat ihre Protagonistin auf eine interessante Reise in einem bekannten Umfeld geschickt. Ich selber kann mich noch gut an die 90er erinnern. Meine Jugend! Eine Menge Bands, die Dolly auf Konzerten sieht, kenne ich ebenfalls: U2, Smashing Pumpkins, Take That, Genesis, Blur usw.. Doc Martens! Hallo! Hatte ich früher selber! 🙂 Und nicht zu vergessen „Vanilla Musk aus dem Body Shop, das Nonplusultra der 90er“. Aber sowas von! Hach, da werden Erinnerungen wach.
All das machte die Geschichte für mich greifbar und nachvollziehbar. Realitätsnah. Auch wenn ich mich an die politische Situation in Großbritannien zu dem Zeitpunkt nicht erinnern kann (ich war ca. 10 Jahre alt), ist mir Margaret Thatcher aber selbstverständlich ein Begriff. Die Stimmung, die damals dort vorgeherrscht haben muss, kam sehr gut bei mir an. Zu bedrückend ist es oftmals, wie die Familie leidet. Beide Elternteile sind für die Kinder nicht wirklich eine große Hilfe. Es ist absolut verständlich, dass Johanna aus diesem Kreis entkommen möchte.

Der Schreibstil von Caitlin Moran hat mir sehr gut gefallen. Die Geschichte liest sich sehr gut und ist frech, direkt und stellenweise witzig. Andererseits gibt es einige Szenen, die berühren und zum Nachdenken anregen.
Sehr begeistert bin ich von der Wortwahl der Autorin. Sie hat so viele tolle Vergleiche gezogen, schöne und treffende Sätze geschrieben, dass ich mich nur sehr schwer für Zitate entscheiden konnte. (Ich habe ca. zehn für die Rezension markiert.)

Man merkt dem Buch an, dass die Autorin selber in der Musikbranche und dem Journalismus arbeitet bzw. gearbeitet hat. Denn der Blick hinter die Fassade, den sie gewährt, ist nicht so schillernd, wie man es vielleicht denken mag. Ich empfand zu Beginn des Buches, dass die Branche auch nicht so gut wegkommt und von ihr etwas kritisiert wurde.

„Keiner soll sehen, wie ich mich verändere. Das geht nur mich allein etwas an. Die anderen sollen immer nur den fertigen Menschen vor sich haben. Die richtige Frau am richtigen Ort. Ich verpuppe mich im Verborgenen.“ (Seite 161)

„all about a girl“ von Caitlin Moran ist ein Buch, das perfekt für Kinder der 90er ist. Es ist mit einem lauten Knall in mein Herz geschossen. Frech, direkt und unterhaltsam – und damit absolut lesenswert!

„Aber eines Tages wirst du eine Version von dir finden, die dir zu einem Kuss, zu Freunden oder zu einer Inspiration verhilft, eine Version, auf der du aufbauen kannst. Du wirst in nächtelanger Kleinarbeit daran herumtüfteln und aus einer einzelnen perfekt geglückten Tonfolge eine Melodie improvisieren.“ (Seite 356/357)

5 Herzen

Sabrina

3 Antworten to “{Rezension} All about a Girl | Caitlin Moran”

  1. buecherstoeberia 10. September 2015 um 17:56 #

    Ich find’s klasse, dass dich das Buch so begeistern konnte! Für mich ist es, glaube ich, eher nichts.

    Gefällt mir

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