{Geplauder} All you can read für Leseratten – offene Bücherschränke

9 Jul

Vielen, aber noch längst nicht allen Büchersüchtigen sind sie bekannt, diese Plätze, an denen wir Leseratten uns abseits von Leihbücherei und Buchhändler mit frischer Lektüre versorgen können. Die Rede ist von offenen Bücherschränken.

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Seit ein paar Tagen bin ich wieder aus meinem Nordseeurlaub zurück. Voll gepackt mit Eindrücken von windgerupften Gräsern, unendlich weiten Wattflächen – und einem der schönsten offenen Bücherschränke, den man sich vorstellen kann.
Grund genug, diesen Traum für Bücherwürmer hier einmal vorzustellen.

Geht es Euch wie mir? Fragt Ihr Euch auch oft, wohin mit den nur einmal gelesenen Büchern?
Wegwerfen kommt selbstverständlich überhaupt nicht in Frage, und selbst nachdem einige Bücher an Freunde oder Bekannte übergeben wurden, bleibt ein beachtlicher Stapel übrig, den man gerne weiterreichen würde, aber nicht weiß, an wen.
Vor einigen Jahren wurde ich auf das Konzept der offenen Bücherschränke aufmerksam. Laut Wikipedia gibt es den Gedanken, sowie erste Umsetzungen schon seit dem Ende des vergangenen Jahrtausends. So richtig in Mode kamen diese Austauschbibliotheken jedoch erst in den letzten Jahren.
Offene Bücherschränke gibt es unter verschiedenen Bezeichnungen und in unterschiedlichsten Erscheinungsformen.
Allen gemein ist eine Sache: Sie sind ein Knotenpunkt für die kostenlose Weitergabe von Büchern.

Ein offener Bücherschrank ist für die Öffentlichkeit dauerhaft oder zu bestimmten Tageszeiten nutzbar. Es können Bücher abgegeben/hineingestellt und/oder kostenlos herausgenommen werden.
Eine spätere Rückgabe ist nicht verpflichtend. Ebenso wenig muss man selbst Bücher abgegeben haben, um eins mitzunehmen. Wünschenswert ist es nach dem Gedanken dieser Buchaustauschpunkte natürlich dennoch, dass man auch Bücher abgibt und sich nicht nur bedient.

Die Erscheinungsformen dieser öffentlichen Bibliotheken sind dabei vielfältig und hängen von den örtlichen Gegebenheiten ab.
Wenn das Angebot innerhalb eines Gebäudes gemacht wird – etwa in einem Rathaus oder einem Supermarkt – so wurde oft nur ein einfaches Regal aufgestellt.
In öffentlichem Raum gibt es die unterschiedlichsten Umsetzungen, die teilweise mit künstlerischen Konzepten verbunden wurden.
Eine der häufigsten Formen ist der Umbau einer alten Telefonzelle oder ein speziell dafür angefertigtes Objekt in ähnlicher Größe.

In Hagen Hohenlimburg wurde beispielsweise aus Spendengeldern eigens ein Schrank gebaut und im Frühjahr 2014 aufgestellt.

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In Hamburg fahren die Bücher sogar durch die Gegend: Hier wurden 100 gewöhnliche Linienbusse mit Bücherregalen ausgestattet und Schmökern während der Fahrt ist angesagt.
(Quelle: Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein AG (VHH) https://web.archive.org/web/20111103201416/http://www.vhhpvg.de/news/2010/04/Einfach_entspannend_1.php)

Der schönste mir bekannte offene Bücherschrank befindet sich in dem kleinen Ort Wremen an der Nordseeküste.
In diesem in der Nähe Bremerhavens gelegenen Dorf wurde 2007 ein altes Wiegehäuschen renoviert.

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Dieses Exemplar eines offenen Bücherschranks ist in allen Belangen vorbildlich.
Eine Bank vor dem Häuschen, sowie ein Picknicktisch in unmittelbarer Nähe laden dazu ein, direkt vor Ort zu lesen.
Das Häuschen an sich ist bereits eine Augenweide, aber die eigentliche Besonderheit ist die Pflege des Buchbestands.
Während viele, wenn nicht sogar die meisten, offenen Bücherschränke von der Selbstorganisation leben und der Nutzer darauf vertrauen muss, dass einige Mitbürger diese Schränke nicht mit einem Altpapiercontainer verwechseln, wird diese öffentliche Bibliothek in Wremen mit Sorgfalt gepflegt.
Abgegebene Bücher werden auf einem ausgewiesenen Tisch abgelegt und von dort durch Helfer in die Regale sortiert – mit dem Ergebnis eines nach Genres und meist sogar alphabetisch nach Autoren sortierten Angebots.

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Zerlesene Bücher gibt es hier nicht, stattdessen erstaunlich aktuelle Lektüre, die vielfach vor nicht allzu langer Zeit noch auf Bestsellerlisten stand.
Dan Brown, Charlotte Link, Mary Kay Andrews, Kerstin Gier und David Safier sind einige der Autoren, deren Romane mir ins Auge fielen.

Wer selbst vorbeischauen möchte: Die ehemalige Viehwaage befindet sich im Wremer Specken an der Einmündung von Katrepel und Neuem Weg.
In der Zeit von 8 bis 18 Uhr kann dort hemmungslos geschmökert werden.
Wenn Ihr dorthin fahrt, dann vergesst nicht, diesem Projekt Eure gelesenen Bücher zu spendieren.
Auf dass dieses vorbildliche Häuschen immer so reichhaltig gefüllt sein möge, wie ich es bislang kennengelernt habe!

Rana

2 Antworten to “{Geplauder} All you can read für Leseratten – offene Bücherschränke”

  1. Bettysbuecherwelt 10. Juli 2016 um 13:38 #

    Hallo hallo!
    Schöner Post 🙂
    In der Stadt von meinem Freund (in Niederösterreich) gibt es zwei Telefonzellen-Bücherschränke! Hab dort letzte Woche zwei Bücher gelassen und ein neues ergattert!
    …auch in Wien (wohne in der Nähe) gibt es zwei oder drei, aber dort bin ich bis jetzt noch nicht vorbei gekommen – irgendwann will ich diese aber auch besuchen!
    Liebe Grüße!

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  2. Jeni 13. Juli 2016 um 11:47 #

    Hey:) mal wieder ein echt toller post! Und ich beneide die leute die offene Bücheschränke haben… die bei mir sind leider nur mit uralten und halb zerfallenen Büchern befüllt 😦 Aber es gibt ja die Bücherei 🙂

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