{Rezension} Der Zorn des Lammes | Johannes Groschupf

28 Mrz

Der Zorn des Lammes

Autor: Johannes Groschupf
Titel: Der Zorn des Lammes
Seitenzahl: 192
Verlag: Oetinger
ISBN: 978-3-8415-0282-7
Veröffentlichung: April 2014
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Jasmin, genannt Jazz, ist alleine nach Berlin gezogen. Froh, ihrem Elternhaus und dem spießbürgerlichen Leben zu entkommen, wagt sie sich alleine in die Großstadt. Dort beginnt sie bei einer Zeitung ihr Praktikum. Alles ist neu und aufregend in dieser noch fremden Welt.
Sie lernt Milan kennen, der quasi ein Arbeitskollege ist. Auf wenn dieser ihr anfangs schon seltsam erscheint, ahnt sie nicht mal im Ansatz, wie er ihr Leben verändern wird…

„Und im November, so sagen die Berliner, soll die Stadt ziemlich eklig werden. Dauerregen. Kälte. Aber davor habe ich keine Angst.“ (Jazz, Seite 18)

Der vor genannte Satz ist dunkel – und er passt sowas von hervorragend zum Buch. Schon das Cover vermittelt einen ungefähren Eindruck davon, was den Leser erwartet. Das Lamm sieht alles andere als süß aus. Vorallem die roten Augen. Uuaah, gruselig! Aber nun zum Inhalt.

Jazz hatte bisher kein besonders leichtes Leben. Ihr Bruder Vincent ist früh verstorben, und noch heute plagen sie Schuldgefühle. Doch ihr kleiner Bruder scheint stets präsent. Erst recht, wenn sie Telefonate mit ihren Eltern führt, die immer verkrampft ablaufen. Diese Gespräche ziehen sie jedes Mal runter und bringen sie in ein mentales Tief.
Der Job bei der Zeitung bringt sie auf andere Gedanken und stellt sie vor neue Herausforderungen. Mit ihrer Mitbewohnerin Dascha versteht Jazz sich ganz gut; doch ist diese auch kein einfacher Charakter. Sie wirkt manchmal introvertiert. Daschas Bruder Sergej hat beim ersten Kennenlernen mächtig Eindruck bei Jazz hinterlassen. Allerdings sie traut sich nicht, mit diesen Gefühlen offen umzugehen.

„Nach diesen Telefonaten fühle ich mich wie fünfzehn, klein und zickig und angespannt. Wir haben nicht über Vincent gesprochen. Was sollten sie auch über ihn sagen? Aber er ist trotzdem da, und das ist vielleicht meine Macke. Dann gehe ich in die Küche und hole mir ein Glas Rotwein.“ (,Jazz, Seite 17)

Milan ist von Anfang an begeistert von Jazz. Begeistert ist das falsche Wort: er ist besessen von ihr! Lange Zeit sprechen beide noch nicht mal miteinander oder begegnen sich gar bewusst. Doch trotzdem glaubt er, dass sie ihm gehört. Er ist jähzornig und hat psychische Probleme. Die Stimmen in seinem Kopf und die verqueren Gedanken die er hat, haben mich erschreckt. Diese hat der Autor Johannes Groschupf mir auf eindrückliche Art und Weise vermittelt. Ich war geradezu geschockt und habe immer wieder nur gedacht, was Milan doch für ein kranker Charakter ist. Doch für ihn selber ist das alles normal. Er findet sich normal, seine Gedanken. In seiner Welt wäre ich wohl die, die nicht in die Norm passt.
Zu Beginn beobachtet er Jasmin mit gewissem Abstand. Doch er arbeitet sich immer weiter vor, immer näher an sie ran. Und er hat keinerlei Skrupel, wenn ihm etwas oder jemand im Weg steht.

„Die Musik ist in meinem Kopf. Es ist ein ständiges Tönen und Rauschen. Ein Chor, der sein Lied noch nicht gefunden hat. Die Stimmen räuspern sich, flüstern und raunen, reden durcheinander. Ich kann nicht verstehen, was sie sagen möchten.“ (Milan, Seite 20)

Das Setting, das der Autor hier gewählt hat, finde ich sehr passend. Berlin bietet als Großstadt die Anonymität, die auf der einen Seite toll sein mag, auf der anderen Seite aber auch einsam macht und verstören kann. Die perfekte Gelegenheit für einen Stalker, um das Objekt seiner Begierde länger beobachten zu können, ohne aufzufallen. Die Hoffnungen, mit der Jazz ihr neues Leben begonnen hat, sind zerplatzt wie eine Seifenblase. Eine Aktion – und das war’s.

Der Plot hat mir sehr gut gefallen. Die Kapitel sind abwechselnd aus der Sicht von Jazz und Milan geschrieben. So erleben wir als Leser alle Gefühle und Taten der beiden hautnah. Die Spannung ist von Milans erstem Auftreten an spürbar und lässt auch nicht nach. Die ganze Zeit habe ich drauf gewartet, dass etwas passiert. Doch als es passierte, war ich trotzdem schockiert. Zuviel Angst hatte ich vor dem, was durch Milans Kopf und somit auch durch meinen schwirrte. Den Verlauf, den die Geschichte nahm, konnte ich gut nachvollziehen.
An einer Stelle habe ich mich aber doch über Jasmins Verhalten gewundert. Ich hätte mir da von ihr anderes Handeln gewünscht. Auch mit dem Gedanken im Hinterkopf, was im wahren Leben passieren würde und sollte.

„Dieser Riss, den ich jedes Mal spüre, wenn sie nicht am Heinrichplatz steht, wenn vorn im Bus ein anderer auf ihrem Platz sitzt, der Riss geht immer tiefer, und ich fürchte mich manchmal vor dem, was geschehen wird, wenn er ganz hinabgreift in den Grund meiner Seele.“ (Milan, Seite 25)

„Der Zorn des Lammes“ ist ein spannender Jugendthriller, der mit ausgereiften Charakteren und einer düsteren und echten Stimmung punktet. Als Leser sollte man nicht zu zart besaitet sein, oder ansonsten lieber von dem Buch die Finger lassen.

„Jetzt geht es mir wieder gut.
Alles, was ich tue, tu ich für sie.
Außerdem haben sie mir keine andere Wahl gelassen. Ich lasse mich nicht gern abweisen. Ich lasse mich nicht mehr kränken. Sie haben mir keine andere Wahl gelassen.“ (Milan, Seite 48)

4,5

SaCre

Eine Antwort to “{Rezension} Der Zorn des Lammes | Johannes Groschupf”

  1. Bücherjunkies 28. März 2014 um 10:05 #

    Klingt mal wieder nach einem Buch, dass auch unbedingt auf meine Wunschliste sollte 🙂

    Gefällt mir

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