{Rezension} Fingerhut-Sommer (Peter Grant #5) | Ben Aaronovitch

24 Aug

Fingergut-Sommer

Autor: Ben Aaronovitch
Titel: Fingerhut-Sommer
(OT: Foxglove Summer)
Übersetzung: Christine Blum
Seiten:
 416 Seiten
ISBN: 978-3-423-21602-9
Verlag: DTV
Veröffentlichung: 21. August 2015
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[…] Das war, bevor IKEA seinen Siegeszug antrat, gestützt auf die endlosen Weiten der skandinavischen Wälder, die mythenumwobene Heimat von faschistischen Biker-Gangs, depressiven Kommissaren und Werwölfen.
„Echt?“, fragte ich, „Werwölfe?“
„Hab ich gehört“, sagte Beverley.
Kein Wunder, dass die Kommissare alle depressiv waren, dachte ich. (Seite 184)

Mit Fingerhut-Sommer legt Ben Aaronovitch seinen fünften Band der Flüsse von London Reihe vor. Es geht in dieser Serie um den Londoner Police Constable Peter Grant. Dieser arbeitet nicht nur als Polizist, sondern wird von einer Spezialabteilung ausgebildet, die sich um Verbrechen, die die Welt des Übernatürlichen berühren, kümmert. Wer anhand dieser Beschreibung nun an Fox Mulder und Akte X denkt, liegt jedoch falsch. Häufig werde ich beim Lesen eher an Harry Potter erinnert. Nicht zuletzt dadurch, dass Ben Aaronovitch selbst entsprechende Anspielungen einstreut und zum Beispiel Peter die Schule seines Vorgesetzten Nightingale spöttisch als ›Hogwarts‹ bezeichnen lässt.
Während die Bände eins bis vier in Peters Heimatstadt London spielen, ruft die Entführung von zwei Mädchen Peter Grant hinaus aufs Land. Es besteht der Verdacht, dass es in dem kleinen Dorf Rushpool in Herefordshire zu übernatürlichen Vorgängen gekommen sein könnte, und Peter Grant wird gesandt, um dies zu überprüfen.
Zwangsläufig spielen liebgewonnene Charaktere aus diesem Grund in diesem Band eine untergeordnete Rolle, wie zum Beispiel Nightingale oder Molly. Auch Peters Kollegin Lesley ist nach den Vorkommnissen aus Band vier nicht mehr an seiner Seite. Dafür erhält er Unterstützung durch die örtliche Polizei und nicht zuletzt von Beverley. Die Flussgöttin erfährt in diesem Band deutlich mehr Beachtung als in den vergangenen Bänden. Die Ermittlungsarbeit erledigt Peter zusammen mit seinem Kollegen Dominic in bekannter Art und Weise und vor allem begleitet von seinen ironischen Kommentaren.

Er spürt in der Umgebung des Dorfes Vestigia eine Art von magischen Spuren auf und muss selbstverständlich auch wieder selbst Magie anwenden, die er zunehmend besser beherrscht. Zwischendurch erfordert die eigenwillige Flussgöttin Beverley seine Aufmerksamkeit und auch sonst halten ihn einige magische Wesen auf Trab, während Peter vor allem damit beschäftigt ist, die Vorfälle um das Verschwinden dieser Mädchen aufzuklären.

Meine Meinung:

Peter mit neuen Charakteren aus der nichtmagischen Welt interagieren zu lassen, besonders mit seinem Kollegen Dominic, bringt durchaus frischen Wind und neue Perspektiven. Auch die Beziehung zu Beverley entwickelt sich interessant weiter. Ich hätte es jedoch begrüßt, wenn auch den Vorkommnissen um Lesley mehr Raum gegeben worden wäre. So haben wir in Bezug auf Lesley zwar häufig Informationen im Randgeschehen, die einigen Raum für Spekulationen lassen, dennoch hätte ich hier mehr erwartet.
Generell hatte ich den Eindruck, dass Fingerhut-Sommer eine Art Brücke zu neuen Handlungssträngen bilden soll, die in diesem Band vorbereitet und eingeführt werden. Band 5 hat mich mit mehr Fragen als Antworten zurückgelassen. Da ich dieses Buch als Brücke oder Übergang empfinde, sehe ich es gleichzeitig als schwächsten Band dieser Serie. Andererseits enthält es natürlich auch wieder den besonderen Humor von Ben Aaronovitch, den ich so liebe.
Ich mag diese Reihe einfach so sehr – die Thematik, den Schreibstil, den Humor – dass auch der bisher schwächste Band dieser Reihe immer noch ein gutes Buch ist, wenngleich möglicherweise auch nicht so großartig wie die vorherigen Bände.

Mein Fazit:

Für Fans der Reihe ist es ohnehin ein Muss. Der Cliffhanger von Band 4 zwingt einen geradezu, weiterzulesen. Für Neueinsteiger ist es ohne Vorkenntnisse nicht zu empfehlen. Zu viel des bereits Geschehenen wird aufgegriffen und zu wenig wird am Ende aufgelöst. Der Humor und der sehr eigene Stil der vorherigen Bände bleiben erhalten, so dass ich mit Freude vernommen habe, dass Ben Aaronovitch bereits an Band 6 arbeitet.
Als großer Fan der Reihe habe ich das englische Original »Foxglove Summer« sofort am Erscheinungstag im vergangenen Jahr verschlungen. Insofern bin ich jetzt auch in der Lage, die Übersetzung zu würdigen. Ich finde, es gelingt Christine Blum, den trockenen Humor und die teils sehr verschwurbelten Satzkonstrukte des Ben Aaronovitch gut ins Deutsche zu transportieren.
Insgesamt ist es somit nicht der beste Band der Reihe, aber trotzdem ein sehr gelungener Roman.

Rana

 

4 Antworten to “{Rezension} Fingerhut-Sommer (Peter Grant #5) | Ben Aaronovitch”

  1. Hanna 24. August 2015 um 12:17 #

    Hallo Rana,

    ich habe Fingerhut-Sommer soeben aus dem Briefkasten gezogen – ich finde die Reihe klasse, deshalb ich das Buch für mich ein klares Must Read. Schade, dass du es schwächer fandest als die Vorgänger. Ich bin gespannt, ob es mir ähnlich ergeht oder es mich überzeugen kann. 🙂

    Liebe Grüße, Hanna

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    • Rana 24. August 2015 um 13:11 #

      Hallo Hanna,

      ich bin auch ein großer Fan der Reihe und mag dieses Buch deshalb natürlich trotzdem sehr gerne. Dass es ein schwächeres Buch der Serie ist, macht es ja nicht zu einem schlechten Buch 😉
      Ich wünsche Dir viel Spaß beim Lesen – den wirst Du garantiert haben.

      Viele Grüße,
      Rana

      Gefällt mir

  2. Katha 24. August 2015 um 12:20 #

    Hey ho:)
    Wow, scheinbar hast du das Buch gleich zum Erscheinungstermin gekauft. Der war ja erst vor 3 Tagen, oder? 🙂
    Super, da bin ich gleich „vorinformiert“ und kann mich entsprechend darauf einstellen, dass es eher ein Zwischenspiel in der Serie ist. Klasse Rezi also! Ich liebe Aaronovitchs Schreibstil und Humor auch total.

    Liebe Grüße,
    Katha

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    • Rana 24. August 2015 um 13:14 #

      Hallo Katha,

      Danke für Dein Lob 🙂

      Ich hatte das Glück, dass das Rezensionsexemplar schon ein paar Tage eher im Briefkasten lag.
      Und für Aaronovitch lasse ich ohnehin alles stehen und liegen 😉

      Viel Spaß beim Lesen!

      Viele Grüße,
      Rana

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