Ein Abend mit… Paul Cleave & Wulf Dorn

5 Nov

Lange haben wir uns darauf gefreut. Dann war er endlich da: der 31. Oktober, Halloween-Abend. Ein Abend voller Thrill, Ängsten und Geschichten: die Paulf Fiction Tour 2013 machte Halt in Düsseldorf.

Tim Müller, seines Zeichens Lektor beim Heyne Verlag, leitete den Abend charmant ein. Er freute sich „mal aus dem Verlag rauszukommen“ und eines sei gesagt: es hat sich gelohnt – für ihn und für uns. 🙂

Doch wie kam es überhaupt zu dieser Tour? Wulf Dorn kommt aus der Nähe von Ulm. Paul Cleave aus Christchurch, Neuseeland. Beide haben sich im Februar 2012 in Leipzig auf der Heyne Verlagsparty kennen gelernt. Und es war „Liebe“ auf den ersten Blick – wie die beiden schnell bei diversen Gin & Tonic feststellten. Nun wurde uns auch die Widmung in „Phobia“ klar. Die beiden sind ein hervorragendes Team, haben viele Gemeinsamkeiten und passen sehr gut zusammen. 🙂

Mit 15 Jahren schrieb Paul, dessen leuchtend blauen Augen die Zuhörer anstrahlten, einen Schulaufsatz zu Weihnachten, an dessen Ende Santa am Baum hing. Das hat wohl seinen literarischen Weg geebnet. Welche Note er dafür bekam, hat er uns aber verschwiegen. 🙂
Dann gab der Autor eine Zusammenfassung über den „Held“ seiner Bücher „Der Siebte Tod“ und „Opferzeit„: Joe Middleton – Der Schlächter von Christchurch. Dieser muss am Anfang des zweiten Buches leiden. Paul bezeichnet das als „bad luck„. Und das ist der Grund, warum die Leute Joe mögen, obwohl er böse ist, ein Serienkiller. Die eigene Mutter, so Cleave, hat ihn sehr zur verrückten Mutter seines Protagonisten inspiriert. Nicht nur das Publikum lacht darüber, auch er selber.
Doch wie kam er auf die Idee zu Joe? Er wollte eine Geschichte aus Sicht eines Killers schreiben, mit dem die Leser aber auch schmunzeln können.

Nun das erste Highlight: Wulf Dorn liest den Anfang von „Opferzeit„. Und was sollen wir sagen? GÄNSEHAUT!!! Hat jemand von euch schon mal eine Lesung mit Wulf mitgemacht? Wenn ja – dann wisst ihr, wie sehr auch wir seiner Stimme verfallen sind. Wenn nein – ihr habt gehörig was verpasst. Wir schmachten noch immer… 😉 Auf die Frage, wie es für ihn ist, sein Buch auf deutsch zu hören, antwortet Paul Cleave, dass es ziemlich komisch sei. Gerade dann, wenn das Publikum lacht. Er weiß ja nicht, ob wir wegen des Buches lachen, oder vielleicht doch eher über Wulf Dorn. 😀

Beide Autoren sind der Meinung, dass die ersten Sätze im Buch die wichtigsten sind. Schließlich müssen sie den Leser in ihren Bann ziehen. Der Prolog soll dem Leser aufzeigen, welche Atmosphäre ihn im Buch erwartet. Wulf schreibt grundsätzlich zuerst den Anfang des Buches, dann das Ende und die Schlüsselszene. Die Geschichte baut er dann dazwischen auf. Und dass ihm das ganz wunderbar gelingt, konnte er uns mit „Phobia„, „Dunkler Wahn“ und „Trigger“ schon beweisen. Er hat zuerst im Genre Horror geschrieben. Davor hat er Comicstrips gemalt, die er „aber keinem Psychiater vorlegen“ würde. Seiner Meinung nach sind es auch nicht Werwölfe und Vampire, die Leser in Schrecken versetzen, sondern der Mensch selber, mit seinen ureigenen Ängsten.

"20 Jahre Psychiatrie. Allerdings mit Schlüssel." Wulf Dorn

„20 Jahre Psychiatrie. Allerdings mit Schlüssel.“ Wulf Dorn

Und dann liest er den Anfang aus „Phobia„. Und so, wie er es vorträgt, lässt er uns als Zuhörer sehr tief in die Atmosphäre und Geschichte eintauchen. Wir sind wieder mal begeistert.
Was uns richtig gruseln lässt: die ganze Geschichte, besonders der Anfang, beruht auf zwei wahren Begebenheiten, die in Deutschland geschehen sind, und die er zu dieser Story zusammen geführt hat. Das Grauen ist vor der Haustür! Wir mussten uns erstmal schütteln.
Warum hat er diesen Titel gewählt? Angst ist ein kontinuierlicher Bestandteil des Lebens, und auch seiner Bücher. Das Gewohnte wird oftmals zur Angst und auch unsere Gesellschaft orientiert sich daran. Er selber sei auch ein ängstliches Kerlchen, verrät er uns, und gibt gleich dazu noch eine Anekdote aus dem Indonesien-Urlaub zum Besten. Übrigens fürchtet er sich vor Schlangen und Blindschleichen. Sogar Feuerwehrschläuche seien ihm nicht geheuer. Was Paul dazu sagt? Er hat Angst vor Älterwerden und Haareverlieren. 🙂

Paul Cleave hatte jahrelang Anfragen darüber, wann er seine Geschichte um Joe, die erstmals 2007 erschien, weiter geht. Im letzten Jahr war für ihn persönlich dann der richtige Zeitpunkt gekommen. Und innerhalb von 6 Monaten war die Fortsetzung dann geschrieben.
Wulf Dorn hat an „Phobia“ ein Jahr geschrieben. In diesen 12 Monaten hatte er aber einen „geregelten“ Tagesablauf und das Schreiben war für ihn ein Vollzeitjob. Auf die Frage, wie wichtig Gewalt für Thriller ist, antwortet er, dass er den Trend an Blutrünstigkeit nicht so gut findet, da es nicht sein Stil ist. Er versucht, das Kopfkino der Leser anzuregen, sodass man im Kopf mehr erlebt als man tatsächlich gelesen hat.

Paul liest nun aus seinem englischen Original zu „Opferzeit„. Er spricht über Melissa, seine weibliche Serienkillerin. Sie ist Joe sehr ähnlich und er brauchte den weiblichen Gegenspieler.  Sie ist „nice“, hat aber „nuts“ im Kopf. Wir mussten immer wieder über seine Ausführungen lachen.

"Melissa is also based on my mum." Paul Cleave

„Melissa is also based on my mum.“ Paul Cleave

Wulf Dorn ist ein Filmliebhaber und sammelt Horrorfilme. So kommt das Thema zwangsläufig auf die Frage, ob die Bücher der beiden auch verfilmt werden. Für „Trigger“ wurden die Filmrechte verkauft, doch gestaltet sich die Umsetzung als langwierig und nicht so einfach. Auch Paul hat die Filmrechte verkauft und so geistern einige Namen durch das Publikum, deren Schauspieler sich hervorragend als Joe machen würden.

Beide Autoren sind international erfolgreich – doch nicht in den USA und UK. Paul meinte dazu „people who understand my language, don’t like me“.  Er freut sich darüber, dass er durch seinen Beruf so viel reisen und Leute kennen lernen kann. Er hat ein tolles großes Haus mit vielen Katzen, kann aufstehen wann er will, Tennis spielen und in die Fenster anderer Leute schauen.

Musik spielt für beide ebenfalls eine große Rolle. Paul hört sehr laut Musik beim Schreiben und singt ebenso laut – aber nicht schön – mit. Seine Worte. 🙂 Während er „Das Haus des Todes“ schrieb, dröhnten „The Doors“ aus der Anlage. Bei der Arbeit an „Opferzeit“ war es Bruce Springsteen.
Wulf hörte beim Schreiben von „Trigger“ Sisters of Mercy und bei „Phobia“ Marylin Manson. Und wir fragen uns noch jetzt, wie man sich dabei auf das Schreiben konzentrieren kann… 🙂 Aber auch Klangschaften hört er gerne während der schriftstellerischen Arbeit.

Die nächsten Projekte der beiden: im cbt Verlag wird im nächsten Jahr ein weiterer Jugendthriller von Wulf Dorn erscheinen. Und auch von Cleave wird es im nächsten Jahr einen neuen Thriller geben und darin ein Wiedersehen mit Theo Tate, der dem einen oder anderen aus „Das Haus des Todes“ bekannt sein dürfte. Ein gemeinsames Buch wird es von beiden aber erstmal nicht geben. Sie werden höchstens eins zusammen lesen. „Der Grinch“. Zu Weihnachten. 🙂

Neben vielen lustigen und interessanten Anekdoten haben wir noch erfahren, dass nach Pauls Theorie ein Frisbee die Welt retten kann. Vielleicht hat er damit sogar Recht. Es wäre einen Versuch wert.
Und nach einer ganzen Menge Fragen an die beiden Autoren neigt der Abend sich leider auch schon dem Ende zu. Natürlich wird noch fleißig signiert und wir haben die Gelegenheit, nochmal die ein oder andere Frage zu stellen. Und beim Signieren haben wir selbstverständlich auch an EUCH gedacht! 🙂

Hach, es war schön. Ein toller und unterhaltsamer Abend, den wir nicht nur dank Wulfs unvergesslicher Stimme und Pauls blauen Augen nicht so schnell vergessen werden. Beide Autoren kamen sehr sympathisch und nahbar rüber. Wir hoffen, dass das nicht die letzte Lesung war. 🙂

*smile* Paul Cleave, SaFi, SaCre, Wulf Dorn

*smile*
Paul Cleave, SaFi, SaCre, Wulf Dorn

Eure strahlenden Bookwives

4 Antworten to “Ein Abend mit… Paul Cleave & Wulf Dorn”

  1. Bücherjunkies 5. November 2013 um 14:22 #

    Ihr habt es geschafft: ich bin total neidisch 🙂

    LG Michaela

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    • bookwives 5. November 2013 um 14:57 #

      Liebe Michaela,

      wir wollen ja nicht übertreiben… Aber das kannst und solltest du auch. Wir sind… hach… du hörst und liest uns ja immer noch seufzen… 🙂

      LG SaCre

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  2. Nadine G. 5. November 2013 um 15:31 #

    Och menno :S Ich habe erst ein paar Tage durch Zufall gesehen, dass an Halloween die Lesung von Wulf Dorn und Paul Cleave ist und ich konnte nicht. Aber umso schöner, dass ihr da wart und hier eure Eindrucke so toll vermittelt. Danke! Wenigstens etwas 🙂

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    • bookwives 5. November 2013 um 15:33 #

      Das ist ja schade, Nadine.
      Wenn wir dir ein bisschen was vermitteln konnten, freut uns das sehr. 🙂

      LG

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