{Rezension} Die Geheimnisse der Welt | Lisa O’Donnell

22 Sep

Die Geheimnisse der Welt

Autor: Lisa O’Donnell
Titel: Die Geheimnisse der Welt
(OT: Closed Doords)
Übersetzung: Stefanie Jacobs
Seiten: 256 Seiten
ISBN: 978-3-8321-9779-7
Verlag: DuMont
Veröffentlichung: 22. Juli 2015
Leseprobe
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„Ich hasse diesen Exhibitionisten. Er hat alles auf den Kopf gestellt, aber andererseits denke ich auch, mein Gott, es war doch nur ein Schniepel. Pa hat einen und ich auch. Mrs. Roy sagt, den brauchen wir, um später mal Babys zu machen. Manchmal vergleichen wir Jungen unseren Schniepel, aber nicht, wenn Mädchen dabei sind, sonst wären wir ja auch Exhibitionisten.“ (Seite 33)

Michael Murray ist mit seinen elf Jahren vor allem in zwei Dingen richtig gut: er kann unglaublich lange den Ball hochhalten. Und Geheimnisse bewahren.
Da bald ein Talentwettbewerb im Dorf stattfindet, muss er sich darauf vorbereiten. Doch „Dirty Alice“, die er so gar nicht leiden kann, ja sogar als seine Feindin bezeichnet, stört ihn dabei.
Und da gibt es noch das große Geheimnis, das seine Familie hat. Da seine Eltern glauben, dass er für so etwas Schwerwiegendes noch zu jung ist, versucht er heimlich, etwas mitzubekommen. Als schließlich auch die Nachbarn darüber reden, macht er sich auf die Suche nach der Wahrheit. Denn er möchte nur eins: dass seine Mutter sich wieder erholt und die Familie wieder in den Normalzustand zurückkehrt.

„>>Michael>>, sagt er, und ich weiß, dass er mir gleich was Wichtiges sagt, >>erzähl das niemandem weiter, das bleibt unser kleines Geheimnis. Du bist jetzt ein Mann. Solche Geschichten erzählen nur Frauen weiter, meist anderen Frauen. Männer können den Mund halten, und du musst die ganze Zeit den Mund halten, ja? Hast du mich verstanden?<<“ (Seite 56)

Lisa O’Donnell konnte mich mit „Bienensterben“ wirklich begeistern. So war es natürlich nur logisch, dass ich auch ihr neues Buch lesen musste.

Michael Murray ist ein bemerkenswertes Kind. Und vor allem ein fantastischer Beobachter! Schnell bemerkt er, dass mit seiner Mutter etwas nicht stimmt. Wo kommen bloß die Prellungen in ihrem Gesicht her? Keiner möchte ihm so richtig erzählen, was passiert ist. Doch als er etwas mithört, was nicht für seine Ohren bestimmt war, erzählt sein Vater ihm, was geschehen ist: seine Mutter ist einem Exhibitionisten begegnet. Nachdem Michael sich informiert, was das überhaupt ist, ist er schockiert. Wie kann jemand nur so etwas machen?
Das Geschehen schwappt schließlich auch in die Nachbarschaft über und Michael wird immer wieder mit Gesprächen konfrontiert, die er eigentlich gar nicht hören sollte.
Es fällt ihm ganz schön schwer, das Geheimnis um den Exhibitionisten für sich zu behalten. Doch da seine Familie ihn so sehr darum bittet, erfüllt er ihnen diesen Wunsch. Schließlich geht die Familie über alles.

Lisa O’Donnell hat eine Familie gezeichnet, die durch eine schlimme Begegnung völlig aus der Bahn geworfen wird. Dank ihres unglaublichen Geschicks, Emotionen zu beschreiben und auch traurige Dinge so zu verpacken, dass die Botschaft rüber kommt, doch man sich als Leser gleichzeitig über die wunderschönen Worte freut, fällt einem das Lesen der Geschichte leicht. Ich habe wirklich mit Michael mitgehofft. Schließlich war er in dreifacher Mission unterwegs und ich habe ihm so gewünscht, dass alles gelingt.
Trotz der Tatsache, dass die Geschichte unter 300 Seiten hat, hätte ich mir an zwei Stellen ein kleines bisschen mehr Vorankommen bzw. eine Straffung gewünscht. Doch das ist der einzig kleine Kritikpunkt, den ich an dem Roman habe.

Den Original-Titel „Closed Doors“ finde ich hier übrigens sehr passend.  Der hätte mir auch für die deutsche Übersetzung gefallen.
Das Cover finde ich wieder wunderbar. Es zeigt eine Menge Details aus der Geschichte.

„>>Wir müssen die Wahrheit sagen, Pa.<<
>>Das geht nicht. Niemand in dieser Stadt darf die Wahrheit erfahren. Kannst du das für deine Ma tun, Michael? Kannst du ein Geheimnis bewahren?<<, fragt Pa.
Ich nicke. Im Geheimnisbewahren bin ich der Beste in der ganzen Stadt. Ich bin noch besser als James Bond.“ (Seite 111)

Mit „Die Geheimnisse der Welt“ hat Lisa O’Donnell einen Roman über Geheimnisse, Familienzusammenhalt und die Probleme des Kindsein geschrieben, der nachdenklich macht und lange nachklingt. Die Geschichte ist alles andere als leichte Unterhaltung, die aber dank des wortgewaltigen Schreibstils sehr schön zu lesen ist. Für Fans von „Bienensterben“ ein Muss und für Leser von anspruchsvollerer Unterhaltung eine Empfehlung!

4 Herz

Sabrina

4 Antworten to “{Rezension} Die Geheimnisse der Welt | Lisa O’Donnell”

  1. Vanessa M. 22. September 2015 um 09:26 #

    Hallo Sabrina,

    ach, das Buch klingt toll und so, als müsste ich es auch noch lesen. Wenn da nicht das Zeitproblem wäre 😦 Aber das kennst du ja 😉
    Wieder mal eine sehr schöne Rezi.

    Liebe Grüße, Vanessa

    Gefällt 1 Person

    • bookwives 23. September 2015 um 07:44 #

      Danke, Vanessa! 🙂
      Ach, da war ja was. Hihi… Aber ich glaube, dass das Buch dir auch sehr gut gefallen würde.
      LG

      Gefällt 1 Person

  2. Glitzerfee 24. September 2015 um 14:40 #

    Hallöchen,

    das Buch Bienensterben habe ich nicht gelesen aber ist mir öfter über den Weg gelaufen. Das Buch klingt jedenfalls sehr ergreifend und ist bestimmt ein Buch, dass man nicht so schnell vergisst.

    Liebe Grüße,
    Vanessa

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    • bookwives 24. September 2015 um 19:54 #

      Hallo Vanessa,

      dann solltest du einfach mal zu Bienensterben greifen. Es ist großartig! ❤
      Und nein, vergessen werde ich es so schnell nicht…
      LG Sabrina

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