{Rezension} Die Stellung | Meg Wolitzer

2 Okt

Die Stellung

Autor: Meg Wolitzer
Titel: Die Stellung
(OT: The Position)
Übersetzung: Werner Löcher-Lawrence
Seitenzahl: 368 Seiten
ISBN: 978-3-8321-9799-5
Verlag: DuMont
Veröffentlichung: 26. August 2015
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Mitte der Siebziger Jahre beherrscht ein ganz besonderes Buch die Amerikaner und damit auch deren Schlafzimmer: „Pleasuring. Die Reise eines Paares zur Erfüllung“ ist ein Sex-Ratgeber, der tabulos über die Vorlieben des Ehepaares Mellow berichtet. Doch besagtes Ehepaar hat vier Kinder, die sich nun damit abfinden müssen, dass jeder weiß, was im Schlafzimmer der Eltern vor sich geht. Die Stellungen werden nicht nur beschrieben, sondern auch von sehr detaillierten Zeichnungen begleitet.
Die Kinder müssen nicht nur damit zurecht kommen und sich behaupten. Die Ehe der Eltern beginnt zu verfallen, und wirft ebenfalls Schatten auf die Familie. Aber eins ist klar: die Geschwister werden ihr Leben lang mit dem Buch in Verbindung gebracht werden..

„Sexuelles Unglück war eine eigene Stadt, in der die Fenster der Häuser hinaus in die Nacht blinkten, und hinter ihnen setzten sich Männer und Frauen behutsam, gelangweilt oder verärgert in ihren Betten auf und diskutierten, was schiefgegangen war, wer die Schuld trug, wie man wieder >>in die Spur kommen<< und ob man es heute noch einmal probieren oder einfach der Müdigkeit und Niedergeschlagenheit nachgeben sollte.“ (Seite 33)

Über die Autorin Meg Wolitzer und ihre Bücher habe ich bereits viel Gutes gehört. Bisher habe ich mich aber an ihre Bücher nicht herangetraut. Zu anspruchsvoll erschienen mir ihre Romane. Doch das wollte ich nun ändern.

Zu Beginn des Buches finden die Geschwister das Werk ihrer Eltern, das hoch oben im Regal steht. Interessiert blättern sie darum herum und stöbern im Buch. Der Einstieg ist für mich recht gut gelungen, da ich es spannend fand, die Kinder dabei zu beobachten, wie sie den Ratgeber ihrer Eltern entdecken und damit umgehen.
Wie muss das wohl sein, wenn man ein Kind und damit dem gemeinen Spott anderer Kinder ausgesetzt ist, weil die Eltern einen Sex-Ratgeber geschrieben haben, über den ganz Amerika spricht? Da Kinder untereinander sehr verletzend sein können, ist das mit Sicherheit keine einfache Situation. Und in ebendieser befinden sich die vier Geschwister Michael, Holly, Dashiell und Claudia.
Wenn man unter diesen Voraussetzungen aufwächst, ist es völlig verständlich, dass man ein anderes Bild von Liebe und Sexualität hat, als Personen, die mit einer solchen Situation nicht in Berührung gekommen sind. Das Verständnis von Sex ist für die Geschwister ein völlig anderes.

Nach dem Finden des Buches gibt es einen Zeitsprung von 30 Jahren. Die vier haben sich auf völlig unterschiedliche Art und Weise entwickelt. Doch einem konnten sie nicht entfliehen: ihrer Familie und ihrer Vergangenheit.
Dashiell erkrankt an Krebs. Seine Mutter Roz möchte den Ratgeber gerne überarbeiten und neu auflegen lassen. Doch Vater Paul ist total dagegen.

Meg Wolitzers Schreibstil finde ich fantastisch. Sie benutzt Worte und Vergleiche, auf die ich nie gekommen wäre, die aber sehr gut zur Situation passen Auf eine gewisse Art und Weise empfand ich ihre Erzählung etwas distanziert, fühlte mich andererseits stellenweise aber direkt von ihr als Leserin angesprochen.
Immer wieder staunte ich über schöne Beschreibungen. Leider habe ich mich zwischendurch aber auch gelangweilt, wenn mir kein richtiges Vorankommen der Geschichte erschien. An einigen Stellen war mir persönlich leider das ausführliche Portrait der Personen zu langatmig. Da das Buch nur 368 Seiten hat, fand ich das extrem schade. Der komplette Mittelteil hat mich etwas gebremst und ich musste mich hier und da beinahe durch die Geschichte quälen. Anfang und Ende haben mir dafür richtig gut gefallen.
Trotzdem wird das nicht Meg Wolitzers letztes Buch gewesen sein, da mich ihr Stil einfach begeistert. Vielleicht bin ich für diese Kost im Moment einfach nicht die geeignete Leserin. Ich werde es mit ihrem Jugendbuch „Was uns bleibt ist jetzt“ versuchen.

„Die Tage der selbstverständlichen Orgasmen waren vorüber. Heute Abend hatte er es mit Thea Herlihy, der Frau, die er liebte, törichterweise wieder probiert – als könnte es endlich so gehen, wie es gehen sollte, obwohl doch der Sex mit ihr im letzten Monat so geworden war, wie er ihn auch heute wieder erlebt hatte: unmöglich, oder wenigstens unmöglich zu Ende zu bringen.“ (Seite 41)

Meg Wolitzers „Die Stellung“ ist das Portrait einer Familie, die durch den Sex-Ratgeber der Eltern öffentlichkeitswirksam geprägt ist. Gefühlvoll und detailreich erzählt sie über das Leben und die Probleme der vier Geschwister, die eins gelernt haben: vor den Eltern und der Familie kann man nicht davon laufen.
Auch wenn mich der Mittelteil aufgrund seiner Langatmigkeit nicht überzeugen konnte, war das nicht mein letztes Buch der Autorin. Dafür hat mir ihr Schreibstil viel zu gut gefallen.

3 Herz

Sabrina

Eine Antwort to “{Rezension} Die Stellung | Meg Wolitzer”

  1. Friedelchen 2. Oktober 2015 um 10:20 #

    Ich habe im September das erste Jugendbuch der Autorin gelesen und war begeistert, weshalb es auf jeden Fall auch nicht das letzte Buch gewesen sein wird, welches ich von der Autorin lese. Daher danke für den ungewöhnlichen Buchtipp! 🙂

    Gefällt mir

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